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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-01-10 · 2 (10.1.1896) · p. Seite 25

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
2 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
Seite 25 (sequence 5)
Language
German
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5.'°' Nr. 2. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 25. Heiliges aufgiebt. Wollen wir unsere Kinder erzogen wissen nicht zu Gewohnheitsjuden, zu gleichgiltigen und teilnahmslosen Gliedern der Gemeinde, wollen wir sie mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele in der Religion der Väter erhalten, so müssen wir ihnen Kenntnis geben von ihrem Wesen und ihrer Geschichte, ihren Helden und ihren Märtyrern. Sollte tnr Kamps der Makkabäer gegen die Syrer, das Ringen des kleinen VölkleinS gegen das weltbeherrschende Rom in dein jugendlichen Herzen nicht dieselbe Begeisterung wecken wie die Namen griechischer und römischer Helden? Weisen wir darauf hin, daß unsere Vorfahren in den Jahrhunderten wissenschaftlichen Stillstandes die Träger der geistigen Bildung auf allen Gebieten waren, daß, wo ihnen die Bahn freigelassen wurde, sie als Staatsmänner und Gelehrte, als Dichter und Philosophen nicht weniger geleistet haben, als ihre andersgläubigen Mitbürger, daß sie aber auch die schmählichsten Verfolgungen, die unglaublichsten Gewaltthätigkeiten mit unerschütterlicher Treue gegen ihre Religion ertragen, daß sie zu unzähligen Malen Gut und Blut hingegeben haben für das Erbe ihrer Väter — dann werden unsere Kinder mit derselben treuen Liebe ihr Judentum fefthalten und Anfechtungen und Zurücksetzungen, die auch ihnen nicht erspart bleiben werden, ohne Groll und Verbitterung hinnehtnen. Aber eine sülche Wirkung kann nur erzielt werden, wenn der Religionsunterricht allen erteilt und den anderen Unterrichtsgegenständen gleichgestellt wird. Jeder fakultative Unterrichl wird von vornherein als weniger wichtig angesehen und ist zum Teil in der That minderwertig, schon aus äußeren Gründen. Speziell dieser Unterricht hat — wohl in der Regel — mit so vielen Unzuträglichkeiten und Mißständen zu kämpfen, daß der Erfolg darunter leiden muß. Ich habe das eine schon hervorgehoben, daß, da der Unterricht außerhalb des eigentlichen Lehrplanes liegt, dafür meistens recht ungünstige Stunden angesetzt werden müssen, Stunden, die eigentlich frei sein sollen für häusliche Arbeiten, für Erholung oder irgend welche besondere Lieblingsbeschäftigungen, und im Zeitalter der „Ueberbürdungsklagen" ist es nicht zu verwundern, wenn viele Eltern ihren Kindern diese Mehrbelastung ersparen. — Ein weiterer Mißstand ist der, daß die Schüler nach ihrem resp. der Eltern Belieben in dem einen Semester Teil haben, in dem anderen sernbleiben können, oder daß Schüler einer höheren Klasse ohne irgend welche Kenntnisse neu eintreten, so daß es dem Lehrer nicht möglich ist, bei allen Schülern eine gleichmäßige Vorbildung vorauszusetzen, auf der er weiterbauen kann. Ein fester Lehrplan für die gleichartigen Schulen existiert nicht, sondern gewöhnlich bleibt es dem Lehrer überlassen, sich seinen Lehrplan selbst zu machen; und eine Folge davon ist eine große Mannigfaltigkeit, die der Sache wahrlich nicht zum Vorteil ist. Eine Fülle anderer Unzuträglichkeiten wird jeder Fachmann aus seiner Erfahrung beisteuern können, Unzuträglichkeiten, die nicht nur die äußerliche Stellung des Religionsunterrichts herabsetzen, sondern auch die Wirkung beeinträchtigen. Haben wir so im Interesse der Sache selbst dringende Veranlassung, einen geordneten obligatorischen Religionsunterricht für unsere Schuljugend zu erstreben, so würde, worauf ich noch kurz hindeuten will, die Erreichung unseres Zieles noch manches andere Gute zur Folge haben. Es würde denjenigen unserer Gegner ein Agitationsmittel aus der Hand genommen, welche von allen Studienzweigen und Aemtern, für welche für christliche Deutsche der Nachweis der sittlichen Reise durch eine Prüfung in der Religion vorgeschrieben ist, die Juden ausgeschlossen wissen wollen, weil diese keine Prüfung in Religion bestanden und daher keinen Beweis ihrer sittlichen Reife gegeben haben. Ist auch in Wirklichkeit eine bestandene Religionsprüsung so wenig ein Beweis sittlicher Tüchtigkeit wie das Hurrahschreien ein Beweis wahrer Vaterlandsliebe, so ist es doch gut, unseren Gegnern diese Waffe zu nehmen. Weit wichtiger jedoch ist ein Zweites, nämlich, daß mit der Einführung des jüdischen Unterrichts an den öffentlichen Schulen, unter der Aufsicht der Behörden und an der Hand der staatlich gebilligten Lehrbücher das Gerede von der jüdischen „Geheimlehre", das so viel Schreckliches zu berichten weiß und schon zu Petitionen an den Reichstag und zu Debatten im Herrenhaus geführt hat, endlich verstummen müßte. Freund und Feind werden sehen, daß es eine jüdische Gcheimlehre nicht giebt, daß unsere Religionsbücher eine Sittenlehre enthalten, die keine Prüfung und keinen Vergleich mit irgend einer anderen zu scheuen hat. Vielleicht wird auch mancher Christ, der bethört durch jenes Schreckgespenst der jüdischen Geheimlehre, jetzt ein überzeugter Feind der Juden ist, dadurch zur Aufklärung und zu einerrichtigeren Beurteilung des Judentums und der Juden gelangen. * Nicht schwer dürste es schließlich sein, den maßgebenden staatlichen Behörden den Nachweis zu führen, daß das, was wir als unser staatsbürgerliches Recht verlangen: die ^Einordnung des jüdischen Religionsunterrichts in die Lehrversassung der öffentlichen Schulen, zugleich in vielfachen Beziehungen dem staatlichen Interesse entspricht, das wir auch hier im Kampfe für das eigene Recht die Wahlfahrt des gesamten Vaterlandes fördern helfen. linfrrr Ralidiiicr. YI. Wir sprachen im vorigen Artikel von der Pastoralen Thätigkeit, d. h. von der Ausübung der Gemilut Ehaffadim, als Hauptaufgabe der Rabbiner in der heutigen Zeit, da sie aus angegebenen Gründen nicht berufen sind, an dem Ausbau der jüdischen Wissenschaft teilzunehmen. Wir brachten zwei Beispiele an unseren früheren Rabbinern, wie sie neben ihrer fruchtbaren wissenschaftlichen Thätigkeit, die wir wohl nicht zu beweisen brauchen, die Wohlthätigkeit übten und förderten. Wir sind uns allerdings wohl bewußt, daß die Stellung dieser Beamten und die Berliner Gemeinde selbst heute eine andere geworden. Wollte heute ein Rabbiner jedem notleidenden Hausvater für den Sabbat helfend unter die Arme greifen, sein eigener Kassenvorrat, oder besser gesagt sein Eheckbuch würde dazu nicht ausreichen. Aber im Verhältnis zu der Größe der hiesigen Gemeinde ist auch die Höhe des Einkommens rapid gestiegen. Geiger und Sachs hatten ein Einkommen von circa 6000 Mark; man schätzt heute das jährliche Einkommen eines der beschäftigtesten Engros-Rabbiner aus 60 000 Mark (sechszigtausend Mark). Das mag wohl übertrieben sein; sicher aber verfügt jeder dieser geistlichen Herren über ein Minister-Einkommen. Wie gesagt, dieKasualgelder kann nie mand kontrollieren, wohl aber den Umfang ihrer Philanthropie.;en ige ien >on i m cht um der . .>/; me 'Hehr ‘Ul, ' Oder

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