Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 2 (10.1.1896)
- Date
- 1896-01-10
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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fi.; y Nr. 2 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 23.> und Vergehen gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion: 655 319 Nichtjuden, 8556 Juden; die Juden lieferten 754 Personen mehr als ihrem Verhältnis zur Bevölkerung entspräche. Die Veröffentlichung giebt auch genauere Darstellungen über die Verteilung dieser Zahlen auf die einzelnen Delikte, wobei sich bei manchen ein auffälliges Verhältnis zu Ungunsten, bei anderen zu Gunsten der Juden ergiebt. Die Schrift verhehlt nicht, daß zu jenen die folgenden gehören: Meineid (213 statt 111), fahrlässiger falscher Eid (96 statt 54), Kuppelei (275 gegen 236), Aergernis durch unzüchtige Handlungen, Verbreitung unzüchtiger Schriften (273 statt 193), Erpreffung (162 statt 64), Betrug (3775 statt 1806), einfacher Bankerott (1116 statt 969), Wucher (100 statt 6^/2), Zuwiderhandlungen gegen die Konzessionspflicht und gegen Anordnungen betr. Schutzvorrichtungen gewerblicher Anlagen (1068 statt 679), Zweikampf (73 statt 14). Um festzustellen, welche Bedeutung diese Zahlen in sozialer Hinsicht haben, machte der Herausgeber eine vergleichsweise Aufstellung der Kriminalität des Königsreiches Sachsen, einmal weil es, wie der beliebte Ausdruck lautet, so gut wie „judenrein" ist, sodann aber vor allem, weil seine Bevölkerung hauptsächlich industriell und kaufmännisch thätig ist, somit in ähnlichen Berufsarten wie die Mehrzahl der Juden. Dieser Vergleich Sachsens mit dem übrigen Reiche ergiebt das überraschende Resultat, daß Sachsen ebenfalls inbetreff einer Reihe von Strafthaten, als da sind: Vergehengegen das geistige Eigentum, Betrug, Betrug im Rückfall, Bankerott, Kuppelei und Wucher dasselbe ungünstige Verhältnis im Vergleich zum übrigen Reiche aufweist wie die Juden bei diesen Verbrechen und Vergehen Dies beweist klar, daß die christlichen Deutschen, wenn sie unter gleichen Bedingungen leben, verwandte Erscheinungen wie die Juden darbieten. Die starke Zahl der wegen Zweikampfs verurteilten Juden ist sicher auf die Verhetzung der Bevölkerung durch den Antisemitismus zurückzuführen, wie sie andererseits auch den Vorwurf der Feigheit entkräftet, welcher den Juden mit Vorliebe gemacht wird. Eine Lieblingsbehauptung der Antisemiten ist auch die, daß die Verurteilungen keinen genügenden Maßstab für die Kriminalität der Juden darböten, weil die Zahl der Freisprechungen der Juden eine unverhältnismäßig große sei, was beweise, daß die Juden sich besser „herauslügen" könnten als die Christen. Auch hierfür bringt die neue Schrift Material, wenigstens für die wichtigsten Delikte bei; es geht daraus hervor, daß das Verhältnis der Freisprechungen für Christen wie für Juden beinahe durchweg dasselbe ist und nur in minimalen Unterschieden schwankt. Wertvoll sind ferner die für Oesterreich beigebrachten Zahlen, welche zeigen, daß dort die Kriminalität der Juden in bem gleichen Jahrzehnt von 1326 auf 1022 jährlich zurückgegangen ist. Dies sind in Kürze einige der wichtigsten Angaben der Schrift, von der wir nicht zweifeln, daß sie zur Bekämpfung gehässiger Vorurteile wesentlich beitragen werde, wenn sie mit derselben Gerechtigkeitsliebe, mit welcher sie abgefaßt ist, gelesen wird. Fr. K. Ein Lrikfwchlkl. Von Dr- S. Bernfeld. Meinen in dieser Zeitschrift veröffentlichten Artikeln ist eine gewiß noch unverdiente Ehre widerfahren — sie haben bei vielen Mißbehagen und Mißfallen erregt. Da meine Bescheidenheit es mir verbietet, meinen Arbeiten eine derartige Wichtigkeit und einen solchen Wert beizulegen, so kann ich nur annehmen, daß bei mir von dieser Seite der gute Wille für die That genommen worden sei; jedenfalls aber erkenne ich nunmehr meine Pflicht, mich dieser Ehre würdig zu machen — man soll mich nicht umsonst verleumdet und verunglimpft, ja sogar auf dem Gebiete meiner privaten Thätigkeit boykottiert haben. Ein offizieller Vertreter des Judentums hielt sich sogar in seinem gewiß nur lobenswerten Eifer für die „gute Sache" verpflichtet, nicht nur mich in der angedeuteten Weife zu bekämpfen und dieses öffentlich als sein Ziel zu bezeichnen, sondern auch mich durch eine — Unrichtigkeit in meiner Ehre zu kränken. Rur letzteres konnte mich veranlassen, den betreffenden Herrn brieflich um Auskunft zu bitten, da ich wohl niemandem fein gutes Recht der freien Kritik schmälern möchte, aber doch darauf sehen muß, daß mit ehrlicher Waffe gekämpft werde. Der Herr war auch so freundlich und loyal, mir unverzüglich brieflich zu bestätigen, daß es ein „Mißverständnis" von seiner Seite gewesen fei. Dafür bin ich aufrichtig dankbar, schon deshalb, weil ich daraus etwas für das praktische Leben gelernt habe. Run weiß ich, wie es gemacht wird: Man setzt seinen Gegner oder sonst jemanden in der öffentlichen Meinung von verschiedenen Personen herab, letztere erzählen es natürlich auch in ihren Bekanntenkreisen und diese wieder weiter, während man dem von dieser klugen Maßregel Betroffenen brieflich bestätigt, es fei ein „Mißverständnis" gewesen. Ich kann mich in einer persönlichen Angelegenheit nicht deutlicher aussprechen, da dies meiner innern Natur widerspricht; auch ist mir die Sache, der ich meine Feder geweiht, viel zu heilig, als daß ich sie mit meinen privaten Angelegenheiten verquicken könnte. Obiges dient nur zur Erklärung des Briefwechsels, der zwischen mir und jenem offiziellen Vertreter des Judentums — natürlich nur des Wohllautes wegen fetze ich mich voran, sonst räume ich dem Herrn den Vortritt ein — stattgefunden hat und gewiß eines kultur- ' historischen Interesses nicht entbehrt. Jener offizielle Vertreter des Judentums benutzte nämlich die Gelegenheit, mir ob meiner schlechten Schreibweise gehörig den Text zu lesen. Ob ich denn recht daran thäte, die Berliner Gemeinde, ihre Prediger und synagogalen Einrichtungen zu „verunglimpfen", blos „um die Lachmuskeln der Leser dieses Blattes zu kitzeln?" Was ich mir denn einbildete, ob ich denn in der That so naiv wäre, zu glauben, daß meine Artikel wirken könnten, um das kranke Judentum gesund zu machen? Und dann — das Judentum sei gar nicht krank, es sei vielmehr kerngesund, allenfalls viel besser daran, als in jenen Zeiten, die ich „thörichter Weise" wieder heraufbeschwören möchte. Es fei deshalb „thöricht" von mir, jene alte Zeit wieder herbeizuwünschen, weil gerade ein Mann wie ich in einer solchen Zeit „gebannt und versehmt" geworden wäre. Nachdem mir bestätigt worden ist, daß jene ehrenrührige Behauptung gegen mich auf einem „Mißverständnisse" beruhe, war ja jeder Grund für einen weiteren Gedankenaustausch vollständig geschwunden. Zwischen mir und jenem Herrn liegt eine Welt von Anschauungen, Gedanken und Empfindungen. Wer das jüdisch - religiöse Leben mit allen seinen krankhaften Erscheinungen, namentlich aber in seinem greisenhaften, mattherzigen und schwindsüchtigen Aussehen für kerngesund hält, der kann mich unmöglich verstehen. Dessen ungeachtet aber 'Äen Hter (en, laiti 'gel Äich |3el #nc Jbc; Jett! ficht jctt: fine Zehr Äer 1