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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-01-03 · 1 (3.1.1896) · p. Seite 16

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
1 (3.1.1896)
Date
1896-01-03
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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Seite 16. Assgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 1. betagt verschieden. Seine Bestattung gestaltete sich zu einer großee Trauerkundgebung seitens aller Schichten der Bevölkerung der Stadt Essegg. An dem Trauergottesdiente nahmen, außer vielen fremden Kollegen des Entschlafenen die Spitzen sämtlicher zivilen, militärischen und kirchlichen Aemter und Behörden, darunter der Obergespan, der Vizepespan, der Gerichssprüsident, der Brigadier 2c., sowie auch die Abordnungen vieler Nachbargemeinden aus der Umgebung und aus Ungarn teil. Angenehm berührte es, daß sich die Sympathien für den verblichenen Seelsorger in erhebender Weise äußerten. Die Geistlichen aller Konfessionen waren im Tempel anwesend, die Volks- und Mittelschul - Zöglinge bildeten Spalier, alle Geschäfte waren gesperrt und durch die beleuchteten Straßen bewegte sich ein fast endloser Zug von Trauergästen. Viele gediegene Reden wurden im Tempel wie auch am Friedhose gehalten. Kranzspenden wurden dankend abgelehnt, die Kranzablösungssummen wurden zu einem „Dr. Samuel Spitzer" Wohlthätigkeits-Fond bestimmt. Die Gemeinde eehielt Kondolenzen von allen größeren Gemeinden des In- und Auslandes. Für die Witwe des Verblichenen hat die Gemeinde in generöser Weise Sorge getragen. — (Heb er tritt z u m Judentum.) Der Szegediner Eisenbahnbeamte Karl Szabos hat sich mit dem Ersuchen an das Kultusministerium gewendet, daß sein in Wien erfolgter Uebertritt, ferner der Uebertritt seiner Frau und seiner drei Kinder vom Christentum zum Judentum, sowie seine nach jüdischem Ritus in Wien geschlossene Ehe auch nach den neuen ungarischen kirchenpolitischen Gesetzen als gesetzlich angesehen werden mögen. Der Kultusminister hat — wie „Szegedi Naplo" meldet — der Stadt Szegedin mitgeteilt, daß die Ehe Szabo's, welche im Jahre 1891, also noch vor dem Jnslebentreten der neuen kirchenpolitischen Gesetze geschlossen wurde, in Ungarn nur dann als gesetzlich angesehen werden könne, wenn sie nachträglich nochmals vor dem kompetenten Matrikelbeamten geschlossen wird. Im übrigen wird die Stadt angewiesen, eine Untersuchung einzuleiten, um zu erheben, warm die Ehegatten Szabo zum Judentum übergetreten sind, ob und wo ihre Eheschließung und ob ihre Kinder immatrikulirt sind. — (Zur ueuesteu Blut lüge) in Ungarn. In der Angelegenheit der Garam-Kis-Galloer Blutbeschuldigung hat bekanntlich der Kaufmann Ignaz Adler gegen das antisemitische Blatt „Magyar Allam", welches dieser Beschuldigung Raum gegeben hatte, einen Preßprozeß wegen Verleumdung und Ehrenbeleidigung angestrengt. Der Redakteur des „Magyar Allain", vom Untersuchungsrichter vernommen, bezeichnete als Autor des inkriminierten Artikels den Zselizer römischkatholischen Pfarrer Johann Fuß, der sich dann zu dem Artikel bekannte. Die Hauptverhandlung — welche sehr , interessant zu werden verspricht — dürfte gegen Ende Januar stattfinden. * Exotisches. Freiherr von Firhs berichtet in der neuesten Nummer der Vierteljahrsschrift des Preußischen Statistischen Amts über die Verhältnisse in Egypten nach seinen aus einer Reise gewonnenen Eindrücken. Dabei^ erwähnt er auch die Juden, deren Zahl er zutreffend aus ca. 30 000 Seelen beziffert und behauptet, daß deren Hauptzweig, abgesehen von einigen Großhändlern und Bankiers, deren genieinnützige Thätigkeit er rühmt, hauptsächlich der Wucher wäre. Schon wiederholt haben wir bei Freiherrn von Firhs, ein so bedeutender Statistiker er sonst ist, eine Voreingenommenheit gegen die Juden beobachtet, die seinen klaren Blick und sein Urteil getrübt hat. So geht es ihm auch wieder bei dieser Sache, denn wenn er in Kairo auch nur. im Bazar gewesen ist, so mußte er die zahlreichen jüdischen Handwerker gesehen haben, sowie die große Zahl der armen Juden, die als Hausierer re. sich ihr Brot kümmerlich verdienen. Ganze Straßen im Bazar sind nur von jüdischen Handwerkern besetzt, z. B. die Goldarbeiter, die zu den Karäern zählen, besitzen sogar ein ganz kleines Viertel für sich, unter den eingewanderten rumänischen Juden ist wieder die Zahl der Eigarettenarbeiter sehr groß. — (Aus Konstantinopel) wird gemeldet: Eine mit dem besondern Vertrauen des neuen Großveziers Halil Risaat Pascha beehrte, in der gegenwärtigen kritischen Lage sehr einflußreiche Persönlichkeit ist der Dragoman des ka.serlichen Divans, Daud Effendi, ein Glaubensgenosse. Allgemein wird es bemerkt, daß der Großvezir, welcher nur türkisch spricht, zu seinen Unterredungen mit den europäischen Diplomaten nicht den eigentlichen Dragoman des Großvezierats Bekil Effendi, als Dolmetscher hinzuzieht, sondern Daud Effendi, einen Juden aus angesehener, eingeborener Familie, dem große Bildung und Begabung nochgerühmt wird. Die früher den Armeniern zugewandte Gunst (auch Vekil Effendi ist ein Armenier vom Libanon) wird jetzt, teilweise wenigstens, auf die andern nicht mohamedanifchen und nicht armenischen Nationen übertragen. Hoffentlich gelingt es den Staatsmännern, welche Einfluß auf den Sultan haben, ihn davon zu überzeugen, daß auch in Palästina manche Zustände reformbedürftig sind, und ihm die Verbesserung der Lage seiner loyalen jüdischen Unterthanen, welche sich an dem jüngst in 28 Provinzen tobenden Aufruhr nicht beteiligt haben, ans Herz legen! *r. Aus Rußland. St. Petersburg, 29. Dezember. In dem wenig judenfreundlichen „St. Petersburger Herold" lesen wir einen Bericht „Der jüdische Ball" überschrieben, der auch für weitere Kreise interessant ist durch das, was er sagt ebenso wie durch das, er verschweigt. Das Blatt schreibt: „Dank dem buntscheckigen nationalen und konfessionellen Charakter der Bevölkerung Petersburgs werden im Laufe der Wintersaiion Bälle gegeben, die eine eben solche nationale und konfessionelle Eigenheit zur Schau tragen. So werden z. B. (und zwar größtenteils zu wohlthätigen Zwecken) Soireen veraustaltet: deutsche, französische, italienische polnische, armenische, grusinische, albanesische u. s. w. Eine solche Soiree hat auch die „Allerhöchst bestätigte Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden Rußlands" in der Blagorodnoje Ssobranie veranstaltet, die unter dem Namen der „jüdische Ball" bekannt ist und deren Ertrag zu gunsten der Institutionen der Gesellschaft und zur Unterstützung der lernenden Jugend dient. Dem Ball ging eine litterarisch-vokale-musikalische Soiree voraus, an welcher zahlreiche Sterne sich beteiligten, deren Namen aus bekannten Gründen nicht genannt werden dürfen, trotzdem sie in aller Mund sind. Die Sterne sangen, spielten Klavier und Geige, deklamierten und wurden frenetisch bejubelt. Besonderen Enthusiasmus erweckte der Vortrag eines berühmten Sängers mit dem bis zum Erschrecken ähnlichen Rubinsteinkopfe. Den glänzenden Erfolg des Sängers mit dem Rubiusteinkopse (der viele Zulagen machen mußte) teilte der talentvolle Geiger Wolff Israel, der einen nichtendenwollenden Sturm des Beifalls entfesselte. Die Nebensäle waren sehr geschmackvoll mit orientalischen Zelten dekoriert, in denen zwischen Palmen, Lorbeeren und Myrten hübsche Zionstöchter mit

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