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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-01-03 · 1 (3.1.1896) · p. Seite 9

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
1 (3.1.1896)
Date
1896-01-03
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seile 9. Hl! t Erzempel st im ml genau: 1891 erhielt Bloch 2128 durchaus jüdische Stimmen, Meisels 97, zusammen also 222o; uugesähr so viel Stimmen erhielt jetzt Dr. Trachtenberg, nur Hatzen sich die 605 Stimmen Bloch'S abgesplittert, die von christlichen Kreisen ertrotzt worden sind, während die übrigen sich der Wahl enthielten. Augenscheinlich hat man in osfiziellen Kreisen das Ansehen Bloch'S überschätzt, sonst hätte man sich seinetwegen nicht in solche Unkosten gestürzt. Die „Nene Freie Presse" brachte in der Thal am Vorabend der Wahl eine telegraphische 'Nachricht, 700 Wählern sei der amtliche Stimmzettel resp. die amtliche Wahllegitimation nicht zngestellt worden. Wir, die wir nicht einmal dem „Daustses Fontes" ohne weiteres glauben, zweiseln ganz einsach an der Wahrheit jener N'achricht, da wir eine derartige Wahlkorrnption selbst in Galizien nicht für möglich halten. Aber angenommen, dem wäre so: nun dann hätte Dr. Bloch höchstens 1805 Stimmen, wenn wir annchtnen wollen, alle 700 nicht zngelassenen Wähler wären sür ihn eingetreten. Ueberhaupt können wir uns durchaus nicht mit der in diesem Falle gehandhabten Logik befreunden. Da werden von Bloch freundlichen Kreisen Nachrichten in Die Welt gesetzt, und wenn dann von unparteiischer Seite das Gegenteil bewiesen wird, dann heißt es: aber diese und jene Zeitung habe doch anders berichtet. Mit Verlaub: auck^ wir sind eine Zeitung und können ans denselben Grad von Authentizität Anspruch erheben, wie die anderen, zumal wir sür niemanden Reklame machen, sondern einsach der Wahrheit dienen wollen. Es würde den Ranin, den wir der Sache widmen können, bei weitem überschreiten, wollten mir uns bei der so weitgehenden Divergenz der Meinungen über die Thütigkeit des Dr. Bloch mit dem sehr geehrten Herrn Einsender in eine Kontroverse einlassen. Rur eines wollen wir noch sagen: Wir sind zu der Meinung gelangt, daß eine geräuschvolle Verteidigung a la B. nur schadet, da unsere Kräfte sür eine solche Politik nicht ansreichen. Die Berücksichtigung der jüdischen Handwerker in der Frage der Sonntagsruhe verdanken wir gewiß nur dem Dr. Byk, der niaßvoll und ruhig austritt, während jedesmal, wenn Dr. Bloch die Antiseiniten „vernichtete", der Antisemitismus um so heftiger austrat. Wenn der rüde Mechanikus Schiteider seine Albernheiten im Reichsrat vorbringt, so nimmt sie kein Mensch ernst, und die antisemitische Horde, die thut, als ob sie den Stempelfälscher ernst nähme, bekehrt kein Mensch. Darüber wollen ivir uns doch keiner Täuschung hingeben. Nicht ernste und verständige Menschen haben dantals gefragt: „Ist kein Bloch da?" — sondern einige kindlich naive Schreiber, die wir bei dent Ernst unserer Zeit um ihre Naivität beneiden. Mag Dr. Bloch sonst Verdienste um das Judentum haben und mögen hochherzige Männer ihm diese Verdienste in greifbarer Weise lohnen —wir müssen aber wiederholen: seine parlamentarische und publizistische Thütigkeit hat der Sache nur geschadet. Auch wir lieben ein freies, temperamentvolles Wort; aber wir denken, man thäte bester, dies gegen den inner n Feind in unserer Mitte anzumenden. Wir Juden sind schon mit mächtigeren Feinden, als Lueger und Schneider, fertig geworden; aber die Gefahr droht diesmal von innen, wo sich die größten Schäden zeigen und wir über die Verteidigung der Juden die des I u d e n t u m s vernachlässigen. Außerdemist uns das Kliguenwefen, das sich gerade auf diesem Gebiete breit macht, wider den guten Geschmack. Es kostet uns nicht geringe Ueberwindnng, in dieser Beziehung uns Schweigen auferlegen zu müssen, indem wir sehen, wie manche edle, hochherzige Männer sich unter den größten Opfern ihrerseits abmühen, das heilige Feuer des Judentums, das dein Erlöschen nahe ist, wachzuhalten, und dafür nichts weiter als schnöden Undank und Verunglimpfung ihrer Person einheimsen, während sich andererseits ein Heer von Geschäfts-Verteidigern der ganzen jüdischen Oesfentlichkeit bemächtigt hat. Wir haben daher alles unterdrückt, was uns über die Person Blochs zugekommen ist; möge der Mann künftighin ruhig seine Wege gehen und das Radau-Judentum nicht mehr kultivieren, welches wir wahrscheinlich von der andern Seite gelernt haben. Der Herr Einsender hat, wie wir bestimmt wissen, ans edlen Motiven gehandelt, indem er für Dr. Bloch eingetreten ist. Bei mündlicher Unterhaltung könnten wir ihm vielleicht beweisen, daß er seinen an und für sich lobenswerten Eifer einer würdigeren Sache hätte unvenden können. (ürlinntlint ttnit Jhttoiiiinnnii.*) Von A. Treu, Münster. Herrlich wie im Tempel Gottes, prangt der Wald nach des Frühlings Erwachen. Wie erfreuen die hochstämmigen Bäume mit ihren Kronen! Das Unterholz mit feinem Strauchwerke, die saftigen Kräuter mit ihren buntfarbigen Blumen auf weichem MoSteppiche! — Es braust der Sturm; die Aeste und Zweige der Hochgewachsenen kämpfen, sich verteidigend und beschützend die Gewächse unter ihnen. — Der Gewitterstnrm mit Blitz und Donner hat sich verzogen, des Waldes Frieden ist eingekehrt, die Regentropfen zittern im Sonnenschein in den Farben des Friedensbogens, der Wett- und Lobgesang der gefiederten Sänger erschallt; buntfarbige Schmetterlinge wie die Blumen der Lüfte, flattern gaukelnd daher. — So verschieden die Arten sind und die Farben wechseln, die Vögel im gemischten Ehore ihr Dasein jubelnd verkünden und der Wald seine Kinder dem Menschen zum Nutzen, zum Heile und zur Freude bietet: dieselbe gleiche Himmelsbläue schaut auf fein Grün herab, dieselbe Sonne spendet Licht und Wärme zum Gedeihen und Wachsen; des Himmels Thau und der Erde Fettigkeit nähren alle Pflanzen — und doch, welche Mannigfaltigkeit in Gestaltung und Bestimmung, joll alles in die Harmonie einstimmen mit den Worten nach der ersten Schöpfungswoche: Jegliches nach feiner Art — (und doch einig) und es mar sehr gut. Zwar hat jede Pflanzenart ihren besonder« Landstrich, wo sie beimatet; indes wandern die Pflanzen auch aus. Diese, in Amerika zuhause, fand zur Verwunderung der Menschen ihren Weg durch Wolken, Wellen oder Wind nach entlegenen Gegenden, andere sind durch Menschen aus Afrika, Asien u. f. m. zu uns gekommen, sind aus Gästen liebe Einheimische geworden, sie nähren, heilen oder zieren uns unsere Gärten und Zinnner. — Ein fleißiger, sachverständiger Gärtner bestellt seinen Garten. Dort eine Baumschule, da Gemüse, hier Obst und dort herrliche Blumenbeete. Alles gedeihet zu seiner Freude. — Ein Knabe geht am Zaun vorbei und schaut lüstern nach den roten Kirschen. Das sieht der Gärtner, pflückt einige Kirschen, reicht sie über den Zaun dem Knaben, dieser dankt und geht hocherfreut weiter zur Schule. — Rach ihm kommt des 'Nachbars Tochter desselben Weges, bleibt stehen und bewundert die prächtigen Rosen. Das sieht der Besitzer, bricht *) Vorbild und Einleitung zum Vortrage: „Kosmopolitismus und Patriotismus im Lichte des Judentums", gehalten in Hörde.

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