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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-01-03 · 1 (3.1.1896) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
1 (3.1.1896)
Date
1896-01-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 1. / Seite 4 Bevor in/ den Punkt 2 der Tagesordnung, Wahl eines Verbandsvorstandes, eingetreten wird, richtet die Versammlung, einer Anregung des Herrn Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau folgend, ein Begrüßungsschreiben an Herrn Professor Dr. Steinthal „in inniger Verehrung und Dankbarkeit für die erfolgreichen Beinühungen des hochverehrten Herrn um die Interessen des jüdischen Lehrerstandes". Der Vorsitzende verliest sodann eine Resolution, wonach der Verbandstag einen einstweiligen Vorstand von 7 Mitgliedern wühlen soll, dem der Vertreter des D. I. G. B. als achtes beitritt; dieser Vorstand soll die Organisation des Verbandes in die Wege leiten und den weiteren Ausbau der Statuten vornehmen. Die Resolution findet einstimmige Annahme. Aus Vorschlag von Becker-Wollstein werden zu Mitgliedern des Vorstandes gewählt: Dr. Adler-Berlin, Blumenseld-Adelebsen, Gutkind- Kassel, Herbst-Lissa, Bernhard-Tarnomitz, Levi-Neuß und Goldschmidt-Köln; aus Anregung des Vorsitzenden konstituiert sich der Vorstand sofort und wählt Dr. Adler zum ersten und Blumenfeld zum zweiten Verbandsvorsitzenden. Der erste Verbandsvorsitzende spricht in herzlichen Worten seinen Tank dem D. I. G. B-, insbesondere seiner Lehrabteilung, dem Vorstand der Berliner Gemeinde, vor allem aber dem Vorsitzenden der Versammlung, Herrn Dr. Minden für die mühevolle und unparteiische Leitung aus, und ersucht die Versammelten, sich zu Ehren des Herrn Dr. Minden von den Plätzen zu erheben. Nachdem dies geschehen, spricht Tr. Guttmann-Breslau nochmals dein D. I. G. B. den Dank der Delegierten für das Zustandekommen des großen und guten Werkes aus. Bernhard-Tarnowitz beautragt sodann, der Berliner jüdischen Gemeinde ein Dankschreiben für die Gastfreundschaft zu übersenden, Herbst-Lissa gedenkt des hochverehrten Vorsitzenden des D. I. G. B>, Levp-Norden der Kommission zur Beratung der £§. 4 und 8, Geh.-Rat Boas der Lehrabteilung. Im Namen des D. I. G. B. giebt Herr Dr. Minden in warmen Worten seiner Freude über den Verlauf und das glückliche Ergebnis der Verhandlung Ausdruck und schließt die Versammlung mit einem Hoch auf den Verband der jüd. Lehrervereine im deutschen Reich, in nrelches die Versammlung jubelnd einstimmt. Ans der Miner Kmeinde. g. Berlin, 30. Dezember. Die letzte Sitzung der Repräsentanten in diesem Jahr und in dieser Zusammensetzung! Geraume Zeit vor Eröffnung der Sitzung saßen und standen die Herren Gemeindevertreter in zwanglosen Gruppen neben einander, bald sich gegenseitig gratulierend, bald einander kondolierend, je nachdem vor einigen Wochen die schwarzen und die heiteren Lose gefallen sind. Und da man nun bald scheiden muß von so manch' teurem Haupt, so schwebte über diesem letzten Zusammensein ein Hauch des Friedens und der stillbeschaulichen Gemütlichkeit. Die Gegenstände, welche zur Beratung Vorlagen, waren allerdings auch kautn geeignet, Differenzen hervortreten zu lassen. Im Gegenteil trug der Charakter der ganzen Versammlung heute mehr denn je etwas „Einnehmendes" an sich. Zunächst ist dem Reichenheim'schen Waisenhaus seitens des Herrn Heinrich Neumann eine Zuwendung in Höhe von 70 000 Mk. gemacht worden. Aus den Zinsen dieser Summe sind dem Geschenkgeber Zeit seines Lebens 8000 Mark zu zahlen; nach dem Ableben desselben sollen die Zinsen aus dieser Stiftung verwandt werden zur Forthilfe bezw. Beihilfe zur Etablierung von entlassenen Zöglingen. Die Versammlung erklärt sich mit der Annahme dieser Schenkung unter den obigen Bedingungen einverstanden. Gleichfalls angenommen nach den Vorschlägen der Kommission wird ein Legat der Witwe Lissauer in Höhe von 20000 Mark zu mohlthätigen Zwecken. Besondere Vorschriften hinsichtlich der Art der Verwendung sind nicht vorhanden. Der Vorstand hatte vorgeschlagen, die Hälfte des Zinsertrages dieser 20000 Mk. der Waisenverwaltung zu überweisen, die andere Hälfte auf vorläufig 3 Jahre dem Siechenhaus. Die Finanzkommission (Referent: Herr Louis Sachs) beantragt jedoch, diese Summe der Gemeinde als besondere Stiftung zu überweisen, die Gesamtsumme der Zinsen für das laufende Etatsjahr der Waisenkonnuiffion zur Verfügung zu stellen, im übrigen soll jedoch die Verwendung des Zinsertrages beim Ablauf jeder Etatsperiode seitens der Repräsentanten-Versammlung festgesetzt werden. Nach kurzer Diskussion beschließt die Versammlung nach dem Vorschläge der Kommission. Bei Gelegenheit des 70. Geburtstages des Waisenhausdirektors Herrn Dr. Jutrosinski ist von früheren Zöglingen und Lehrern der Anstalt ein Fonds von vorläufig 1800 Mk. aufgebracht worden, das zum Gedächtnis der früh verstorbenen Tochter des Herrn Dr. Jutrosinski den Nainen Margaretha- Stiftung führen soll. Auch hierzu erteilt die Versammlung ihre Genehinigung. Dem jüdischen Krankenhaus ist von den Hinterbliebenen des Herrn Julius Sachs und dessen Gemahlin ein Kapital von 3000 Mk. übergeben worden, dessen Zinsen für Zwecke der Anstalt bestimmt sind. Auch dieses Legat wird aceeptiert. Schließlich bewilligt die Versammlung noch dem Synagogen- und Religionsschulverein Adaß-Jeschurun eine jährliche Subvenkion von 500 Mk. mit dem Ersuchen jedoch, die Religionsschule mehr nach dem Norden von Berlin zu verlegen. Der Vorsitzende, Herr Landsberger, bringt alsdann ein Schreiben des Kultusministers zur Verlesung. Dasselbe ist ein Bescheid auf eine Vorstellung des Vorstandes in Sachen der bekannten Assaire hinsichtlich der Anstellung jüdischer Lehrerinnen an Berliner Gemeiitdeschulen. Das Schreiben, das vom Kultusminister selbst unterzeichnet ist, läuft im wesentlichen darauf hinaus, die ganze aus jenen Vorgängen entstandene Aufregung als Produkt eines Mißverständnisses*) hinzustellen, das seitdem bereits aufgeklärt sei. Das Provinzialschulkollegium habe in seinem Reskript nur sagen wollen, daß im Falle einer Vertretung die zu diesem Zweck heranzuziehende Lehrerin derselben Konfession angehören müsse, wie die behinderte Kollegin. Eine Diskussion knüpfte sich nicht an dieses Schreiben. Herr Geheimrat Dr. Kirstein macht sodann noch einige Mitteilungen über den Religionsunterricht in Eharlottenburg. Demgemäß werden in der dortigen Religionsschule 35 Kinder in 2 Lehrstufen unterrichtet. Für die Unterstufe sind 2 Stunden wöchentlich, für die Oberstufe 3 festgesetzt. Außerdem wird im Realgymnasium wie in der Realschule wöchentlich je eine Stunde Religionsunterricht erteilt! Die Versammlung nimmt hiervon Kenntnis, beauftragt aber gleichzeitig den Vorstand, den in Frage kommenden Faktoren nahezulegen, ob nicht für die genannten höheren Lehranstalten 2 Stunden wöchentlich Religionsunterricht eingeführt werden könnten. *) Daß unser geschätzter Mitarbeiter Herr M- A. Klausner gleich nach der ersten Bekanntgabe.der Verfügung des Provinzialschnlkollegiums hier genau dasselbe gesagt hat, wissen unsere Leser. Red.

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