Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 1 (3.1.1896)
- Date
- 1896-01-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 1. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 3. Dir konstitiiirrciide Versammlung zur Begründung eines Verbands der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reich fand, wie schon in vor. Nr. mitgeteilt, nur 24. und 25. Dezember in Berlin statt. In liebenswürdiger Weise hatte der Vorstand der jüd. Gemeinde -zu Berlin den großen Sitzungssaal seines Verwaltungsgebäudes für die Beratungen zur Verfügung gestellt, und für eine freundliche Bewirtung der Delegierten während der Verhandlungen Sorge getragen. Aus fast allen Gauen des deutschen Reiches waren die Delegierten, der Einladung des „D. I. G. B." folgend, zu den Beratungen erschien. Nur die württembergischen Delegierten waren in letzter Stunde an der Teilnahme verhindert worden, hatten aber ihre Anträge schriftlich eingereicht; der bayrische Lehrervelein hatte in einem Schreiben erklärt, sich auf Grund des bayrischen Vereinsgesetzes nicht an einem allgemeinen deutsch-israel. Lehrerbund beteiligen zu dürfen, versprach aber, die Interessen des Verbandes möglichst zu fördern und zu den seinigen zu machen. Wegen einer zu geringen Anzahl von staatlich geprüften Lehrern in den Vereinen waren an die beiden in den Provinzen Ostpreußen und in dem Reg.-Bezirk Cöslin bestehenden Vereinen, sowie an den Hamburger Verein Einladungen seitens des D. I. G. B. nicht erfolgt. Der Protest, den die ersten beiden Vereine gegen die Ausschließung eingereicht hatten, wurde auf Beschluß der Versammlung aus die Beratung des damit zusanunenhängenden Leitsatzes 8 vertagt. Nachdem Herr Syndikus Dr. Minden als Vertreter des leider erkrankten Vorsitzenden des D. I. G. B. des Geh. San.-Rats Dr. Kristeller die Versammlung begrüßt hatte, wies er zunächst aus das allergnädigste Verhalten hin, das Sr. Majestät der Kaiser jederzeit der Schule bewiesen habe, und forderte die Versammlung zu einem Hochruf auf Kaiser Wilhelm II. auf, in das die Erschienenen begeistert einstimmten. Auf Grund eines Vorschlages der Versammlung, die bereits Abends des 23. getagt hatte, wählte die Versammlung einstimmig für die Dauer der Verhandlung Herrn Geh. San.-Rat Dr. Krifteller, an den ein herzliches Dank- und Begrüßungs-Telegramm auf Vorschlag von Blumenfeld- Adelebsen gesandt wurde, zum Ehrenvorsitzenden, Herrn Dr. Minden zuni 1., Herrn Lehrer Blumenfeld zum II., Herrn Hauptlehrer Herbst-Lissa zum III. Vorsitzenden, sowie zu Schriftführern die Herren Prediger Liepmansohn-Minden und Lehrer Becker-Wollftein. Einstimmig nahm sodann die Versammlung den Antrag des Delegierten Steinhardt-Magdeburg an, sofort in eine Beratung der grundlegenden Leitsätze 4 und 8 einzutreten, die von der Wahl des Verbandsvorstandes, sowie von dem Recht der Vertretung im Vorstande, wie von dem Modus der Wahl zu den Delegiertentagen handelt. In der sehr anregenden mehrstündigen Debatte über diese Punkte kamen die gesamten Verhältnisse innerhalb des jüd. Lehrerstandes zur ausgiebigen Erörterung. Einnlütig waren alle Redner der Ansicht, daß mit allen Kräften ein weiteres Eindringen nicht genügend vorgebildeter Personen in den Religionslehrerstand verhindert werden, einmütig betonte man indes, daß der Verband auch die Fürsorge für die nicht staatlich geprüften Lehrer in den Kreis seiner Ausgabe ziehen müsse. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde schließlich die Beratung über diese beiden Punkte einerbesonderen Komission mit dem Aufträge übergeben, von dem Resultat der Beratungen am Beginn des zweiten Sitzungstages Bericht zu erstatten. Nach einstündiger Pause wurde sodann ine Beratung der übrigen Leitsätze eingetreten. Auf Vorschubes Herrn Dr. Brann-Breslau erhielt der Verband die'zeichnung „Verband der jüd. Lehrervereine im deutschen Re7. Eine Erweiterung der Ziele des Verbands, als wie sie ersten Leitsätze ausgedrückt sind, wurde nach langer Döe abgelehnt. Eine längere Erörterung knüpfte sich sod an den Punkt 3, der von der Höhe des Jahresbeitrags die Verbandskasse handelt; eine von mehreren Delegierten ntragte Erhöhung fand nicht die Zustimniung der Majw. Bei Punkt 5, der die Zahl ber Vorstandssitzungen bestin. wurden die Worte „in Berlin" einstimmig gestrichen. lebhafter Debatte gaben sodann die Pflichten und Rechte de Vorstanoes, wie sie Punkt 6 festgesetzt hatte, Veranlassung, die nach Punkt 6 6 anzustrebende Vereinigung der bestehenden Unterstützungskassen wurde mit großer Majorität abgelehnt; bei 6 f entstand ein längerer Meinungsaustausch über das Maß des zu gewährenden Rechtsschutzes. Nachdem Dr. Adler- Berlin diesen Rechtsschutz für eine der wichtigsten Einrichtungen des Bundes erklärt hatte, wurde 6 4 einstimmig angenommen; ebenso fand ein Zusatzantrag des Deleg. Dr. Neustadt-Breslau als 6 li einstimmige Annahme: Der Verband sucht die lebenslängliche Anstellung der jüd. Lehrer, ihre Pensionierung und die Versorgung ihrer Hinterbliebenen auf gesetzlichem Wege herbeizusühren. Ohne wesentliche Debatte stimmte die Versammlung dem Rest der Leitsätze mit unerheblichen Aenderungen zu; nur die Revision der Kasse wurde nach Beschluß der Versammlung 3 besonderen Revisoren übertragen. An: Beginn des zweiten Sitzungstages erstattete zunächst die Kommission Bericht über die Sätze 4 und 8 und schlug folgende Fassung vor: Satz 4. „Der Verband wird durch einen Vorstand von 7 Lehrern geleitet, welche die Lehrberechtigung vor einer Prüfungskommission eines deutschen Bundesstaates erlangt haben." Die Bestimmung „von diesen sollen 2 ihren Wohnsitz in Berlin haben" fällt fort; die übrigen Punkte des Satzes, sowie Punkt 8 bleiben bestehen. Als Uebergangsbestimmung sei hinzuzufügen: die gegenwärtig bestehenden Vereine, welche weniger als 15 staatlich geprüfte Mitglieder zählen und bis zum 1. Oktober 1896 dem Bunde beitreten, find berechtigt, zu den Verbandstagen je einen Delegierten zu entsenden. Nach Verlesung dieser Anträge erklärt Dr. Adler-Berlin, unter dem Vorbehalt der Genehmigung des von ihm vertretenen Vereins, den Beitritt des Berliner Vereins zum Bunde. Dieser Erklärung schließen sich an: Dr. Guttmann-Breslau für den Verein der jüdischen Lehrer in Schlesien und Posen, Amram-Borken für den hessischen Volksschullehrerverein, Direktor Dr. Barnaß-Psungj fladt für den Verein der jüdischen Lehrer des Großherzogtums Hessen, Prediger Liepmannsohn-Minden für den rheinischwestfälischen, Levy-Norden für den Bezirk Emven und Oldenburg, Stern-Hildesheim für den hannoverschen, Fröhlich- Weilburg für den nassauischen, Eppstein-Hoppstädten für den südwest-deutschen Verein; Dr. Lazarus-Köln unter demselben und einem weiteren Vorbehalt. Ohne jeden Vorbehalt stimmen kraft ihres Mandats: Steinhardt-Magdeburg für den Verein jüdischer Lehrer in Mitteldeutschland, Herbst-Lissa für den Verein der Ostprovinzen und Bernhard-Tarnowitz für den Oberschlesischen Verein zu. Auf Antrag von Levy-Neuß wird alsdann ein Zusatz zu Punkt 8 gefügt, der die Stimmverhältnisse eines mehreren Vereinen angehörigen Mitgliedes regelt.