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Jeschurun · 1895-02-01 · 5 (1.2.1895) · p. Seite 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1895)
Issue
5 (1.2.1895)
Date
1895-02-01
Page
Seite 78 (sequence 14)
Language
German
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Seite 78. DefcHurrrn« Nr. 5. * Nach dem ausgcgebenen Voranschläge der allgemeinen kirchlichen Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinschaft des Großherzogtums Baden für die vier Jahre 189.5 98 betragen die in Anssicht genommenen Ausgaben die Summe jährlich 28 212 M., die durch einen Kassenvorrat vbn 75)0 M., durch Kapitalzinsen von 1900 M. und durch zu erhebende Kirchensteuer von 25 502 M. gedeckt werden sollen. Der Steuerfuß beträgt aus 100 M. von den Kapitalrentensteucrkapitalien 4/io 'Vf*/ an Häuser-, Gcsäll- und Gewerbesteuerkapitalien ß/i0 Pf-, von Einkommcnsteucranschlägen 8 Pf. Die Olcnehmigung unterliegt der am 22. k. M. zu wählenden und kurz nachher zu tagenden Synode. *a Bei den jüdischen Lehrern Nassaus besteht die Ansicht, daß denselben von Seiten der Gemeinde nicht gekündigt werden kann. Aus einem bezüglichen Vertrage liegt uns der folgende Passus vor: „Die Anstellung des Herrn .1. erfolgte nach Maßgabe des § 12 der Raff. Verordnung vom 7. Januar 185)2, auf Wohlverhalten; jedoch ist von beiden Seiten eine dreimonatliche Kündigung bei Lösung des Vertrages erforderlich". Es entsteht nun die Frage: „Hat die Gemeinde durch diesen Zusatz das Recht zu kündigen oder nichts" — Da wir die speziell maßgebenden Bestimmungen für diesen Fall, wie sie in der Provinz Heyen ausschlaggebend sind, nicht kennen, so bitten wir unsere geehrten Leser, sofern dieselben informiert sind, dein Herrn Einsender durch uns darüber Mitteilung zugehen zu lassen *g Der Besuch der ersten Versammlung des jüngst in Neiv-4)ork organisierten Bildungs-Vereins der jungen Leute des Tempels Beth-El war ein sehr spärlicher. Trotzdem hielt der Rabbiner Dr. Berkowitz von Philadelphia seinen angekündigten Vortrag: „Das Erwachen des jungen amerikanischen Israel". Er fand in dem Zusammenschluß junger Leute in Verbindung mit den Religionsgemeinden viel Ermutigendes für die Entwicklung des Religionssinnes der her anwachsenden anlerikanisch-jüdischen Jugend, welche Erziehung auf ihr Banner geschrieben. Die sogenannten Jung-Männer- Gcsellschaften, welche in den letzten Jahrzehnten so üppig emporwuchsen, sind alle mehr oder weniger im ^Niedergang begriffen, cs waren eben nur einige wenige, die einen lobenswerten Eifer bekundeten, aber wenig Unterstützung fanden, daher waren sie auch so kurzlebig. Die mit den Tempeln verknüpften Gesellschaften sind praktischer und vielversprechend , gewinnen mit jedem Jahre neues Material durch die aus den Konsirmations - klaffen hervorgehendcn jungen Leute und durch die Kinder der neuen der Gemeinde sich anschließenden Mitglieder. Der Redner fordert in feurigen Worten zum Anschluß der Jüngeren und auch der Aelteren an den Arbeiten dieser Gesellschaften auf, ob nun die Pflege der Mildthätigkeit, die Sabbat-Schule oder litterarische Bestrebungen Hauptgegenstände bilden; besonders erging er sich ausführlich über die Amerikanisierung des amerikanischen Israel, was im Süden und Westen mehr ausgesprochen als im Osten ist. Die Vorurteile zwischen den deutschen, portugiesischen, englischen, polnischen und ruffischen Juden müffen dadurch fallen, und zwar im besten Sinne des Wortes. Das vergißt der Jude so häusig, daß der Amerikaner von Natur aus wahrhaft religiös gesinnt ist und daß er auch darin sich voll amerikanisieren müßte, daß er eben auch die sittlich-religiöse Miffion, die er als Jude hat, nie aus den Augen verliert und daß es feine heilige Pflicht ist, an allen religiösen Angelegenheiten und Arbeiten den thätigsten Anteil zu nehmen. * Der bekannte Hebraist M. L. Rodkinson in Philadelphia geht damit um, den babylonischen Talmud im Auszug zu veröffentlichen und zwar mit punktiertem Tert und dem Raschi-Kommentar in hcbkäischer Onadratschrist. Rabbiner I. Leonard Levi daselbst wird mit der Uebersctzung des Talmud ins Englische den Anfang machen und zunächst den Traktat „Berachot" dem Druck übergeben. * Hier und dort. Anläßlich des am 20. b. M. stattgehabten Orden-festes sind die Herren Juftizrat Dr. Fnld-Frankfnrt a. M., Lberrabbiner Wcil-Straßburg i. (5°. und Mayer, Vorsitzender des Konsistoriums für Lothringen, mit dem Roten Adlerorden IV. Klaffe ausgezeichnet worden. — Bei der Neuregelung der Vorlesungen für dieses Semester, wie sie durch den Tod des Hrn. Tr. Rosin am jüdischtheologischen Seminar in Breslau nötig war, wurden einige Vorlesungen auch dem am 27. d. als Rabb. zu entlassenden Hrn. Dr. Finkelschercr aus Brody (Galizien) vorläufig übertragen. — Tie isr. Gemeinde in Gollantsch wählte jüngst als Kultusbeamten einen Hrn. Leiserowitsch; derselbe hat von dem Minister des Innern die Erlaubnis erhalten, sich in ganz Deutschland aufhalten zu dürfen, die Regierung in Bromberg hat jedoch die Bestätigung versag t. Leiserowitsch ist zwar Ausländer, hat aber bereits über 80 Jahre als Kultusbeamter funktioniert. — Die französische Regierung hat dem Blatte des antisemitischen Sensationsmachers E. Trumont, der „Libre Parole", von amtswegen einen provisorischen Administrator bestellt. Diese Thatiache stimmt schlecht zu Drnmont's Beteuerungen, das Blatt sei „im besten Gedeihen und in den Händen aller". — Nach den neuesten statistischen Ausnahmen finden sich in ganz Portugal 200 jüdische Seelen, von denen über die Hälfte Ausländer sind. Die Verfassung des Reiches gemährt den jüdischen Bürgern sämtliche Rechte, nur von dem Militärdienst sind sie ausgeschlossen, weil die portugiesische Regierung nur katholische llntcrthanen zum Militärdienst znläßt. — 'In Icvter Jeit sind über die Schächtsragc in portugiesischen Blättern eine Reibe von Artikeln vcrösientlicht worden, die offen ihr Erstaunen darüber, wie es möglich gewesen sei, das; in der freien Schweiz ein solches Verbot Anklang finden konnte, zum Ausdruck brachten und zugleich beteuerten, daß cs in dem katholischen Staate Portugal keinem Gebildeten einsallen würde, je gegen diese „religiöse Vorschrift der Hebräer" Propaganda zu machen. lost Wtstr. * In einem Artikel von G. Sellc über „Kurbrandenbur gische Leibärzte älterer Zeit" findet sich folgender interessanter PaffuS: „Reben den Leibärzten des Kurfürsten Johann im eigentlichsten Sinne des Wortes kommt ein Augenarzt Hermann vor, über dessen Freiheit von den städtischen Abgaben in Berlin 1498 verhandelt wurde. Beflissene der Augenheilkunde, die sonst im Mittelalter, wie im Altertum, eine große Zunft bildeten, werden zu jener Zeit in der Mark überhaupt nicht erwähnt, und so möchte man sich veranlaßt sehen, jeden für identisch mit einem Berliner Augenarzt zu halten, welcher in dem großen Judenprozeß von 1510 mit verwickelt mar. In der Nürnberger Ausgabe der Flugschrift von 1510 über diesen Prozeß heißt es nämlich, drei von den angcschuldigten Juden hätten sich taufen lassen und zwei davon seien hingerichtet, „der dritte, ein Augenarzt, darnach.

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