Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1895)
- Issue
- 5 (1.2.1895)
- Date
- 1895-02-01
- Page
- Seite 76 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 76. JestHrrrrrri. Nr. 5. der nicht Geld verdienen wollte, wenn er Gelegenheit dazu hätte und der Mann würde nicht eigensinnig sein, wenn das (Oeld aus der Tasche des Juden oder Edelmanns käme. Was das „Geldmachen" anbetrifft, und alle Amerikaner für die 2u’be zuni allmächtigen Dollar als schuldig zu erklären. Der Jude ist in keiner Beziehung schlechter als der naturalisierte Franzose oder Engländer. Geldschassen ist eine Leidenschaft in diesem Lande." - In der weiteren Ausführung des Herrn Depew liegt nurzu viel Wahrheit. Die ^uden streben für ihr Fortkommen, was allzumal schätzenswert ist. Fe größer die Stadt, dcstomehr ist Wahrheit in dielen Behauptungen zu erkennen. (Gemeinde, Lynagoge »nd schule. * Berliner Nachrichten. Die jüngst zur Ausgabe gelangte „Ucbersicht des Haushaltes der jüd. Gemeinde" dalunziert in Einnahmen und Ausgaben mit 3 630 102 Mark 43 Pf. Der Bestand am 30. März 1304 betrug 800 830 M'., die Summe der Ueberschüffe (Ersparnisse) der verschiedenen Spezial-Berwaltungen insgesamt 105 075 M. Die Mitglieder Beiträge beziffern sich aus 1 138 347 M., hierzu kamen 33 30t! M. Esfektcnzinsen, ferner 122 176 M. aus Grundstücken und der Vermietung von Synagogenplätzen. An Kapitalien und Zinsen für StistungerP sind 835 501 M'., aus Erbbegräbnissen 363 134 M. eingegangen. Die (Behälter an Nabbiner, Borbeter, Ehordirigenteu, Büreaubeamte und Nuntien erforderten 160 242 M., die Leistungen für humanitäre Institutionen und litterarhistorische Zwecke 34 <>23 M. Für den Gottesdienst wurden verausgabt: a) Alte Synagoge 32 116 M.?b) Neue Synagoge 85 5:18 M., v) Synagoge der Kaiserstraße 25 037 M., ck) Synagoge Lindenslraße 50 075 M., v) Zuschuß zu gottesdienstlichen Beranstaltungen an den hohen Feiertagen 13 676 M. Der Aufwand für die Schulen betrug: a) Knabenschule <3 702 M., b) Mädchenschule 81 047 M., <) Ncligionsschule I 7250 M., ck) NeligionsschuleII 7t>50 M., v)Neligionssckule III 1233 M., f) Talmud Thora-Institut 11 250 M., g) Präparandenaustalt 6510 M. Die Ausgaben der Armen-Kommission betrugen 72 425 M., die der Waisen-Kommission 37 5(X) M.; zu Unterstützungen an durchreisende und kranke (Glaubensgenossen wurden verausgabt 11012 M., für das Neichenheim'sche Waisenhaus 43 425 M., für das Erziehungshaus in Pankow 44 126 M., für das Krankenhaus 64 440 M., für das SiechenliauS 31 250 M., für Speisung Arnier und Gefangener 1251 M., zu Mazzoth für Arme und Soldaten 700t> M. — Den Instltuten und'Zwecken der Gemeinde sind Schenkungen und Bermächlnine in der Höhe von 034,500 M. zugewendel ivordeit. Subventionen sind bewilligt worden: an den Neligionsverein in Eharlottenburg, an die hiesigen Vereine Ababalb Neim, Ahabat Schalom, Beth Zion, B nc Brith, Dhel Iizchak, Beth Jakob, sowie die Livpmann Tauß-Synagoge, an die David Herzog'sche Freitischstistung, sowie an zehn israelische Kurbowitälcr. — Der Humanitäts-Verein „Liualb hazedek" veranstalte am 15. d. M. in Dräsels Festsälen sein 4. Sriskungssest, verbunden mit Kortzerl, Ball und Bannerweihe. Die Weihe des Banners vollzog Nabbiner Dr. Grünfeld durch eine Nede, in welcher er das Banner des Vereins, aus welches die Mitglieder „Wohlthuu und Gerechtigkeit" geschrieben hatten, der Fahne des Judentums verglich, die seit Jahrtausenden dieselben heiligen Worte aus ihre Fahne geschrieben Hütten. Hieraus folgte nach einer vorzüglich an die Frauen gerichteten Ansprache von Frau Kunz (Gattin des Vorsitzenden) die feierliche Ueberreichung des Bannerbandes, woraus sich ein dreirnaliger Umzug mit dem Banner unter klangvoller Musikbegleitung anschloß. In der Kaffeepause sprach Fräulein. Nosa Engel einen Prolog, woraus der Vorsitzende, Buchdrucker Kunz, die ca. 400 erschienenen Teilnehmer, Mitglieder und Gäste, begrüßte. Alsdann folgten musikalische und deklamatorische Vorträge. — Anläßlich des Todes seiner Ehefrau hat Herr Bankier James Lalofchin der Stadtgemeinde Berlin ein Kapital von 100 000 Mark zur Begründung einer „Margarethe- Saloschin Stiftung" mit der Bestimmung zugewendet, daß die Zinsen desselben in jedem Jahr, und zwar zur Hälfte an dein Geburtstage der verstorbenen Frau "Margarthe Saloschin (dem 26. März) zur anderen Hälfte mit Todestage derselben (31. Dktober), für verschämte Bedürftige in der Art zugewendet werden, daß die städtische Stiftungs-Deputation die Hälfte der Zinsen an Personen christlichen Glaubens verteilt, die andere Hälfte der Zinsen aber dem Vorstände der jüdische,t Gemeinde zur Verteilung an verschämte Bedürftige jüdischen Glaubens überwiesen wird. Ter Magistrat hat beschlossen, die Zuwendung anzunehinen und zu seinem Beschlusie die Genehmigung der Stadtverordneten nachzusuchen. — Die Verwaltung der israelitischen Volksküche erstattet soeben Bericht über die Frequenz der Anstalt. Diesem Berichte ist folgendes zu entnehmen: Es wurden im Jahre 1804 verkauft zu Mittag: 400 große Portionen Gemüse mit 2 Stücken Fleisch ü 25 Psg. <gegen 2004 Portionen im Vorjahre und 10 660 im Jahre 1802); 15 401 Portionen mit 1 Stück Fleisch ü 15 Psg. (gegen 50 804 im Vorjahr und 105 443 im Gründungsjahr); 80 234 Portionen Gemüse ohne Fleisch -« 10 Psg. (gegen 142 014 im Vorjahre und 105 340 im Gründungsjahr); 221 351 Suppe refp. Gemüse ohne Fleisch 5 Psg. (gclpen 57 334 im Vorjahr und 50 077 im Jahre 1802) und 35 214 Portionen Kaffee ü 3 Psg. (gegen 42 708 im Jahre 1303 und 16 213 im Vorjahr). Zu Abend wurden verkauft 'in verflossenen Jahr; 45 415 Portionen Kartoffeln und Hering ü 10 Psg. (1803 47 121 Portionen, 1802 45 500 Portionen); 00 330 Suppen ä 5 Psg. (1803 60 742, 1802 83 671); Würste ä 5 Psg. 14 720 (gegen 22 046 im Vorjahr und 46 863 im Gründungsjahr) uild 28 320 Portionen Kaffee a 3 Psg. (welchem im Jahre 1803 34 86,3 tmt> 1302 33 774 Portionen gegcnüberstehen). An Arme wurden im Berichtsjahr verteilt 63 314 Port'oneu, während 1303 08 734 und 1802 65 175 Portionen zur Verteilung gelangten. Während der ganzen Zeit ihres Bestandes hat die Anstalt l3/4 Millionen Portionen verabreicht. Der Nückgang in der Anzahl der gratis verabreichten Portionen läßt sich dadurch erklären, daß in diesem Jahre die Anstalt nicht so sehr von den durchreisenden, speziell russischen Auswanderern in Anspruch genommen worden ist, wie in den vorhergegangeneu. Mit Nechl konstatiert die Verwaltung der Anstalt eine weitere rapide Verarmung ihrer Besucher aus den oben angeführten Zahlen. Das läßt sich aus dem Nückgang des Verkaufs der Portionen ä 10 und 15 Pf. und andererseits aus der Zunahme der Portionen ü 5 Psg. erkennen, lieber 300 000 Personen haben sich