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Jeschurun · 1895-02-01 · 5 (1.2.1895) · p. Seite 75

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1895)
Issue
5 (1.2.1895)
Date
1895-02-01
Page
Seite 75 (sequence 11)
Language
German
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aufgaben betrachten werde, daß in diesem Vaterlande jeder, ohne Unterschied der Konfession, in mir den Förderer seiner Interessen finde. Schon gelegentlich meiner früheren enger begrenzten Thätigkeit als Obergespan habe ich es persönlich wahrgenommen, daß die ihrem Glauben anhängliche Judenschaft ein begeisterter Unterftützer der ungarischen Staatsidee und des nationalen Bestrebens ist, und ich habe schon deshalb immer gerne die Gelegenheit ergriffen, um derselben gegenüber meinem Vertrauen und meinem Interesse Ausdruck zu verleihen. Ich versichere Ihnen, geehrte Herren, und sagen Sie dies auch Ihren Mandataren, daß ich der Richtung, welche in meinem früheren Wirkungskreise für mich maßgebend war, auch in Zukunft treu bleibe. Ich vertraue dem Patriotismus der Herren und indem ich Sie meines vollen Wohlwollens versichere, rechne ich auch in Hinkunft aus Ihre gefällige Unterstützung meiner auf das Wohl des Vaterlandes und des Thrones gerichteten Thätigkeit. Ich danke Ihnen nochmals für Ihre ehrende Aufmerksamkeit". * Aus Rußland. Bei der Entscheidung einer Klagesache hat, den „Birsh. Wed." zufolge, der Dirigierende Senat in diesen Tagen eine für die „Judenfrage" wichtige Resolution gefällt. Die Gouvernements - Regierung von Bessarabien hatte zweien Juden, die einen weniger als 50 Werst von der Grenze entfernten Wald erworben hatten, das Recht abgesprochen, dieses ihr Besitztum täglich, weil dieser Wald außerhalb eines städtischen Bezirks läge, zu besuchen. Die Juden wurden klagbar und der Senat hat in Anbetracht dessen, daß den Juden unter gewissen Bedingungen sogar der ständige Aufenthalt innerhalb des Grenz-Rayons von 50 Werst gestattet ist und kein Gesetz ihnen den temporären Aufenthalt dort verbietet, die Verfügung der Gouvernements-Regierung für unrechtmäßig erkannt und kassiert. — Drei jüdischen Handelsleuten, welche den: alten Judengesetze zufolge der Ausweisung unterlagen, ist auf ihre Bitten vom Zaren gestaltet worden, weiter in Petersburg wohnen zu bleiben. Bei dieser Gelegenheit soll der Zar geäußert haben, daß aus der Resid enz ferner h in kein einziger Jude, blos darum, weil er Jude ist, aus gewiesen werden dürfe. — Dr. Dembo hat wiedermn einen Sieg der von ihm warm verteidigten jüdischen Schlachtmethode zu verzeichnen. Kürzlich fand unter seinem Vorsitze in der Akademie der medizinischen Wissenschaft zu St. Petersburg eine Versammlung statt, in welcher über die jüdische Schlachtmethode konferiert wurde und Dr. Dembo ist von den hervorragendsten Medizinern zu seinen Erfolgen beglückwünscht worden. — Wie die feindlichen Blätter „Graschdanin" und „Nowojc Wremja" melden, besteht die Absicht, die Fleisch- und Lichtersteuer auszuheben. * Aus Frankreich. Die Pariser Antisemiten haben — wie die „Straßburger Post" berichtet — letzthin unter Führung ihres Häuptlings Marquis Mores im Arbeiterviertel La Billette ein antisemitisches Meeting abgehalten, welches sich aus 2000 „Fra^ais de France“ oder Vollblutfranzosen zusammensetzte. Eine von diesen 2000 angegenommene, an den seither von der Präsidentschaft zurückgetretenen __ Casimir-Perier gerichtete Entschließung verlangt u. a: Daß den Juden das französische Bürgerrecht, dessen sie sich unwürdig gezeigt hätten, entzogen werde. — Von der Errichtung staatlich subventionierter Scheiterhaufen wird vorderhand noch abgesehen. — Außer den beiden jüngst ernannten Brigade-Generälen Aron und Wolf, giebt es im französischen Heere noch sechs aktive Generäle jüdischen Glaubens: L. See, Anne Lambert, Beruh. Abraham, Justin Brisac, Hinstin, E. A. Levy, ferner 9 Obersten, 9 Oberstleutenants, 12 Bataillonschefs der Infanterie, 21 beim Jngenieurkorps, 9 in der Kavallerie und 4 in der Artillerie, 90 Hauptleute, 89 Premierleutenants und 104 Sekondeleutnants. * z. Antisemitisms in Italien. Unter der Spitzmarke „Ein antisemitisches Blatt" schreibt der radikale Mailänder „Secolo": Der gesunde Menschenverstand, der Mailand vor so vielen Narrheiten bewahrte, hatte bis jetzt hier jede semitische oder antisemitische Kundgebung verhindert. Die Juden sind Bürger so gut wie die Katholiken und die Protestanten; sie haben so gut wie alle andern dem Vaterlande ihren Blutzoll dargebracht und haben auf jedem Felde für den Triumph der Ideen gekämpft, die das Glaubensbekenntnis aller ehrlicher: Männer bilden. Keinem Menschen ist es jemals eingefallen, diejenigen, welche denken, arbeiten und nach Kräften das Gemeinwesen unterstützen, nach ihrer Religion zu fragen. Im Mittelalter machte man wohl Unterschiede zwischen Juden und Christen; und die Judenverfolgungen waren die größte Schmach jener traurigen Zeit. Unser Carlo Cattanes, der bahnbrechende Philosoph, begründete seinen Ruhn: (das führte sein Freund und Schüler Gabriele Rosa ausdrücklich an) durch seine „Forschungen" über die ungerechten Ausschließungen der Juden. Und jetzt will man auch bei uns Zwietracht säen und in Mailand eine Judenfrage aufs Tapet bringen; ein Blatt mit dem Titel „II Tempo“ (Die Zeit), das die Juden bekämpfen will, hat sein Erscheinen angekündigt. In seinem „Programm" erhebt es einen großen Lärm darüber, daß die Juden von den Banken und dein gesamten Handel Besitz ergriffen haben. Die Schuld solle:: die Nicht-Juden tragen, die die Mehrheit bilden und sich trotzdem von der Minderheit überwältigen lassen. Aber, um Himmelswillen! gehen wir doch nicht um vier oder fünf Jahrhunderte zurück! Was Juden und Nicht-Juden! In: politischen Leben giebt es freisinnige Männer und Rückwärtsler; in: sozialen Leben Ehrenmänner und Luinpen — andere Unterschiede kennen wir nicht und wollen mir nicht kennen." — Bravo! so sprechen und schreiben freiheitsliebende Männer, so leuchtet ein anständiges Blatt den „dunkele:: Existenzen" Hein:, die Rassen- und Klassenhaß zu schüren und dann in: Trüben zu fischen suchen. Die Waffen der Herren Judenfresser sind in allen Ländern und zu allen Zeiten dieselben, und das Blättchen, das in Italien die edle Frucht „Antisemitismus" zu importieren sucht, singt denselben Text und dieselbe Weise wie unsere edle „Staatsbürger- Zeitung," „Tägliche Rundschau," „Volksrundschau" und ähnliche ehrenwerte Blätter. „Aber gehen wir doch nicht un: vier oder fünf Jahrhunderte zurück!" ruft der „Secolo" aus. Schreiben Sie sich das hinter die Ohren, meine Herren Antisemiten! * Herr Depew, der Präsident der New - Norker Zentralbahn, zugleich der beste Tischredner des Landes, hielt neulich eine Rede in New-Pork, in welcher er ein verdientes Kompliment einer erfolgreichen Klasse der Amerikaner machte. Herr Depeiv sagte: „Für den die Mildthätigkeit bedürftigen Juden sorgt stets seine eigene Rasse. Die Juden verdienen vollste Anerkennung für das große Werk, das sie in dieser Richtung zustande gebracht haben. Sie wurden des Geldmachens wegen angegriffen. Nie sah ich noch den Mann,

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