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Jeschurun · 1895-02-01 · 5 (1.2.1895) · p. Seite 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1895)
Issue
5 (1.2.1895)
Date
1895-02-01
Page
Seite 74 (sequence 10)
Language
German
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Seite 74. Nr. 5. JefcHrrrrin. „Ich habe Dir, Eduard, begann wiederum die besorgte Mutter — „den Winterüberzieher mit einpacken lassen. Ziehe ihn an, wenn Du abends ausgehst. Auch die wollenen Strümpse kannst Du noch tragen, denn eine Erkältung hat man sich leicht zugezogen, — (Hott behüte! — „.vier wirst Du, Eduard, etwas finden, von dem ich Dir jetzt noch nicht sage, was es ist," sprach die jüngere Emilie und hielt einen kleinen in Papier gehüllten (Hegenstand in die Höhe, von dem wir indes doch indiskret verraten, daß es eine seine Zigarrenspitze war. Ter Blick, womit die zärtliche Schwester diese Ankündigung begleitete, war ebenso schelmisch, wie er einen ganzen Schatz inniger Geschwifterliebe verriet, die das siebenjährige Mädchen fiir ihren Bruder tu sich barg. Emilie war das liebliche Bild einer eben erst in der Entwickelung begriffenen weiblichen Schönheit. Schlank in ihrem Wüchse und graziös in ihrer Haltung, mußte ihre Erscheinung an Lieblichkeit noch gewinnen, als der aristokratische Schnitt ihres (Hesichts sich mit dem lebendigsten geistigen Ausdruck verband und die bezaubernste Raivetät an sich trug. „Und was ich Dir, lieber Sohn, schließlich noch ans Herz zu legen habe ist: Daß Du Dir Deine Zugehörigkeit zum Judentum niemals verleiden lasten sollst. Du wirst hierbei manche schwere Probe zu bestehen haben. Dstentativ Dich zu Deiner jüdischen Religion zu bekennen, ist nicht nötig, aber wo sie Dir geflissentlich und provokatorisch verächtlich gemacht wird, tritt für ihre Ehrenrettung ein. Laß jeden denken und glauben, was er will, laß aber auch Dir niemals das Recht und die Freiheit beeinträchtigen, dem religiösen (Hesühle Ausdruck zu geben, wie es Dich Dein Inneres thun heißt," — schloß Ulrich seine Ermahnungen an den Sohn. — „Das will ich, mein Baker," sprach Eduard, indem er ausstand und die Hand seines Baters erfaßte. — „Ich weiß, welche Sorge um mich ich bei Euch hinterlaffe. Aber sie kann und soll Euch erleichtert werden durch die Versicherung meinerseits, daß ich niemals aushörcn werde, ein Euch würdiges .Uittb zu bleiben. Es liegt hierin blos die Konsequenz der Erziehung, die Ihr mir habt angedeiheu lassen. Ich weis; noch nicht, was meiner im künftigen Leben wartet, ich kenne sie noch nicht die Schicksalskümpse, die mir beschiedcn und die Art der Verlockungen zum Unrecht, wie sie an mich herantreten werden, — aber das weiß ich, daß ich in mir berge den unerschütterlichen Vorsatz, meine Pflichten wie und wo sie sich mir offenbaren werden, nicht unerfüllt zu lasten." — (Fortsetzung folgt.) Mochen-Chronik. Bürgerliche Verhältnisse. * Der Beobachter. Wie erinnerlich, wurde im Dktober v. I. der Herausgeber der „Tägl. Rundschau", Dr. Friedrich Lange, von dem Berliner Schöffengericht zu 100 Mk. Strafe verurteilt, weil er in einen; Artikel über den Hannoverschen Spielerprozeß die Juden als (Hesamtheit arg beschimpfte und darum von drei Mitgliedern des „Zentr.-Vereins deutscher Staatsb. jüd. (Hl." ein Strafantrag gestellt wurde. Am 23. d. M. sprach jedoch die Strafkammer des hiesig. Landgerichts 1l. den appellierenden Angeklagten frei, mit der Begründung, daß den Klägern die Aktivlegitimation fehle, d. h. daß sie nicht berechtigt seien zu klagen, da sie nicht persönlich beleidigt worden seien. Vergebens wies der Vertreter der Kläger daraus hin, daß beispielsweise bei Beleidigung des Dffizierftandes jedes Mitglied dieses Standes berechtigt sei, einen Strafantrag zu stellen; der (Herichtshos gelangte zu dem schon mitgeteilten Erkenntnis. — Die freie Verbindung Sprevia der Berliner Universität ist von der „Staatsbürger Ztg. zu sensationellen Zwecken angegriffen worden. Um bei keinen; unparteiischen Beurteiler ein Mißverständnis aufkommen zu lassen, teilen wir kurz mit, welche Umstände zur Gründung der Verbindung d,pr6via geführt haben. Länger als ein Jahrzehnt ist ein Teil der christlichen Studentenschaft bestrebt, die Stellung ihrer jüdischen Kommilitonen herabzudrücken. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen ist die Schar der antisemitischen Akademiker immer größer und mächtiger geworden und beherrscht jetzt die Gemüter des größten Teils der studierenden Jugend. Sie hat dies Ziel einerseits erreicht, weil sie von allen Seiten unterstützt und wohlorganisiert vorgegangen ist, und weil ihr anderseits von jüdischer Seite kein nennenswerter Widerstand entgegengesetzt ist. Rach den; Vorgänge jüdischer Studierender in Breslau und Heidelberg, die den antifeinitischen Korporationen durch Gründung einer jüdischen Verbindung entgegengetreten sind, hat sich nun auch an der hiesigen Universität eine Verbindung mit gleichen Tendenzen, die von der Staatsbürgerzeitung angegriffene sprevia, aufgethan. Dieselbe soll einen Mittelpunkt bilden für alle diejenigen Studenten jüdischer Konseffion, welche gewillt sind, mit Aufbietung aller Kräfte für ihre Ehre und Gleichberechtigung einzutreten, ohne sich dabei hinter irgend welche Brustwehr, heiße sie nun freie Wiffenschast oder sonst wie, zu verschanzen. „Wir fordern", wird uns von Seiten der Verbindung geschrieben, „unser Recht, nicht weil wir Anhänger irgend einer politischen Partei, sondern weil wir Juden sind, die sich entweder gegen die erniedrigende Behandlung empören müssen, oder, wenn sie es nicht thun, dieselbe wirklich verdienen. Wir haben uns begnügt, der Redaktion der Staatsbürgcrzeitung eine Berichtigung der uns betreffenden Unwahrheiten zuzufcnden, im übrigen geben wir das Versprechen, provokatorischen Anzapfungen, von welcher Seite sie auch erfolgen mögen, nlännlich entgegen zu treten, wie es deutschen Studenten, seien es Juden oder Ehristen, geziemt. *.j. Vertreter der ungarischen Orthodoxen »nachten an; 23. d. M. bei;,; neuen Ministerpräsidenten Baron Desider Bansin ihre Aus»vartu»;g. Aus eine Ansprache des Szilagy-Somloer Dberrabbiners Moses Rosenbaum erwiderte der Ministerpräsident: „Geehrte Herren! Ich danke Ihnen für Ihr freundliches Erscheinen und nehme mit Vergnügen Ihre herzlichen Glückwü;;sche eittgcgen, anläßlich dessen, daß mich das Vertrauen Sr. Majestät unseres allergnädigsten Herrn an die Spitze der Regierung gestellt hat. Ich kann Ihnen versichern, daß ich es als eine meiner Haupt-

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