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Jeschurun · 1895-02-01 · 5 (1.2.1895) · p. Seite 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1895)
Issue
5 (1.2.1895)
Date
1895-02-01
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5. e f «H u r u n. Seite 69. aus einem naheliegenden Grunde verständlich. Ist nun das Trifolium Rabbiner, Kantor und Schochet in Deutschland sowenig nach seinem Wirken gewürdigt, so erklärt sich aus diesem "Umstande auch, das; die Wertschätzung genau denselben Maßstab angelegt und daß demnach der Kultusbeamte in Deutschland gegenüber seinem Kollegen in Rußland in keiner Beziehung gewinnt und ebenso, weil er hier in mancher Gemeinde kein Bedürfnis ist, den traurigen Namen Meschubad führt. Aus diesen meine;; Ausführungen ist genügend zu ersehen, daß diesen; Uebelstaude nur dadurch abzuhelfen wäre, wenn die königl. Regierung ihnen gleiche Rechte mit ihren christlichen Kollegen zuerteilen wollte. Solange dieses nicht geschieht, ist und bleibt der jüdische Beamte der Spielball der Gemeinde.' J. Gr. Etwas vom liiblifdp GkjWts»ntmichte. Bon M. A b r a h a m , Kettwig. II. Ich möchte hier eine beiläufige Betrachtung nicht unerwähnt lassen. — Seitdem der Jude der Welt n;ehr angehört, können wir uns täglich inehr davon überzeugen, daß sich der sittlich erhaltende und reinigende Einstuß des jüdischen Familienlebens verringert. Mehr als es früher der Fall war, kommt Jung-Jsrael mit den die Sitte und die Sitten zerstörenden Faktoren unserer Zeit in Berührung. Sollten wir da nicht drei- und viermal den Bildungsstoff unserer Jugend prüfen und alles das ausscheiden, was irgendwie das ästhetische Gefühl verletzen, das Geinüt verrohen könnte? Das „86mxsr aliquid haeret“ gilt auch hier. Nehmen doch die königlichen Regierungs-Verfügungen betreffend die profane Geschichte einen ähnlichen Standpunkt ein, warum sollen wir uns im Religionsunterricht auf einen gänzlich entgegengesetzten stellen? „Die Phantasie des Kindes darf iuuner nur in den; Gebiete des Guten und Schönen geübt werden, und alles muß vermieden werden, was die Gedanken aus die Bahn des Selbstsüchtigen und Gemeinen treiben könnte." Schade, daß inan nicht auf den; Wege der -psychologischen Untersuchung feststellen kann, wieviel Roheiten jugendlicher und auch älterer Verbrecher auf Rechnung des Bildungsstoffes konimen, mit den; wir unsere Jugend vollpfropfen — es kämen da interessante Ergebnisse zu Tage. — In eine Reihe ruit Kajin und Abel müssen wir die Erzählungen : die Sündflut, Hau; verspottet .... stellen. Beide sind nichts für die Unterstufe. (Genau genommen, könnten sie überhaupt gestrichen werden.) Eine derartige sittliche Verkounnenheit, wie sie in den; Benehrnen Harns zu Tage tritt, darf 6—12 jährigen Kindern gar nicht vorgeführt werden, sie sollen nicht einmal ahnen, daß ein Kind so gegen den Vater verfahren kann. „Wenn in den alten Jahren die größten Beispiele moralischer Moinente vor uns vorübergehen, ohne unser Leben inehr aus feiner Bahn zu rücken, als ein vorbeifliegender Bartstern die Erde, so wirst im tiefen Stande der Kindheit der erste innerliche oder äußerliche Gegenstand der Liebe, der Ungerechtigkeit u. s. w. Schatten oder Licht unabsehlich in die Jahre hinein; — der erste Fall und der erste Flug bewegt das ganze Leben. — Womit wir sonst noch auf die Welt wirken können, dies findet immer schon eine bestimmte erhärtete und schon unseres Gleichen; nur aber mit dem Erziehen säen wir auf einen weichen Boden entweder Gift oder Honigkelche; und wie die Götter zu den ersten Menschen, so steigen wir — physisch und geistig den Kindern Riesen — zu den Kleinen herab und ziehen sie groß oder — klein." (Jean Paul, Levana 1,17.) — Zur Bekräftigung des fünften Gebots können wir der Geschichte Hains recht gut entbehren; denn dies Gebot bedarf an; wenigsten der Belege; außerdem genügt uns die hübsche Geschichte Josefs, von der der Koran sagt: „Wir wollen Dir erzählen die schönste der Geschichten." — Sogar für höhere Altersstufen hat die Erzählung keinen sittlich-veredelnden Wert; denn die Strafe, die in dem Fluche Noahs liegt, begreift kein Kind; und es ist zu schwierig, auch einem 14 jährigen Kinde die weltgeschichtliche Bestätigung dieses uralten Prophetenwortes klarzumachen. — Welche Gedanken erweckt nicht auch der sich in seiner Trunkenheit wälzende Noah! — Die Erzählungen für die ersten Jahrgänge dürfen nur gute Vorbilder, keine abschreckenden Beispiele enthalten. Auf der Unterstufe soll jede Nutzanwendung vernüeden, den Kindern nur etwas erzählt werden und zwar sie Ansprechendes, um Sinn für Geschichtliches in ihnen zu wecken und um dem erwachenden sittlichen Bewußtsein eine gewisse Richtung zu geben. Bei Kindern ist das Gefühl noch vorherrschend. Geben wir diesem in dem Anschauen guter, erhabener Muster eine kräftige Nahrung, daß es erstarke und zum sittlichen Wollen werde, halten wir aber alles fern, was irgendwie das sittliche Urteil beirren könnte; eine Verfrühung rächt sich nirgends schwerer als bei der Erziehung. — Es bedürfte einer eingehenden Arbeit als es diese sein soll, um den biblischen Unterrichtsstoff für die Mittel- und Oberstufe auszuwählen und diese Wahl zu begründen. Nur einige in die Augen fallende Beispiele greife ich heraus, un; nachzuweisen, daß unser gesamter biblischer Unterricht einer gründlichen, sich auf psychologische Maximen stützenden Resorn; bedarf. — Betrachten wir die Geschichte der Richter. — Daß die Erzählung von dem Opfer Jipthtachs aus einem Schulbuche wegbleibt, sollte sich von selbst verstehen; und trotzdem finden wir sie in jeden; Geschichtsbuche. Es ist etwas Ungeheuerliches, Kindern von der Thatsache eines Menschenopfers in Israel zu erzählen. Ich weiß, verehrter Herr Kollege, daß Sie auf die eine oder andere Weise diesen Gedanken bemänteln, aber weshalb erzählen Sie überhaupt die Geschichte Jiphtachs? Sie finden ja Dutzende anderer Geschichten, die Ihnen Veranlassung geben, die sittlichen Lehren zu entwickeln, die Sie in jener finden. — Die Geschichte der Richter dürfte überhaupt eine Verkürzung erfahren. Gideon, Ruth, Eli, Samuel, das sind die einzigen Erzählungen aus dieser Zeit, die ausgenommen werden dürften in ein Schulbuch, welches zu dem grundlegenden Fundament des religiösen Wissens und Glaubens beitragen soll. — Erzählungen wie die von Ehud und Simson haben wohl den Vorzug, daß sie uns die sittlichen und religiösen Zustände des damaligen Israels recht drastisch zeigen — wem es beliebt, der n;ag ja auch gelegentlich seinen Schülern — aber nicht in der Religionsstunde — vom starken Simson erzählen, die Kinder freuen sich an der urkrüftigen Gestalt — aber das Beginnen, etwaige ethische Gesichtspunkte dieser Erzählungen im Religionsunterricht zu verwerten, wird nur eine Verwirrung der sittlichen Begriffe des Kindes zur Folge haben. (Ist in der 'Raturgeschichtsstunde von der Biene die

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