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Jeschurun · 1895-02-01 · 5 (1.2.1895) · p. Seite 68

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1895)
Issue
5 (1.2.1895)
Date
1895-02-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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Seite 68. 3? C d) « r it tt. Nr. 5. nichts anderes sein kann, als eine geheime Judenverschwörung, die den Zweck hat, die Universitätslehrer und Dekane zu stürzen, um die Gesamtgenossenschast zu verjüdeln. Aber nicht nur die studierende jüdische Jugend verfolgt die von Dir so weise gedeuteten Hcrrschastspläne, auch bei dem ganz gewöhnlichen Hebräer findest Du die Spuren davon. Sieh Dir nur einmal die Namen der Juden an! Verdächtig ist es doch mindestens, daß diese Namen in so auffallender Weise mit dem Namen Hirsch in Verbindung gebracht werden. Hirschseld, Hirschberg, Hirschwald, und der Hirsch in allerlei Gestalt erscheint dieser 'Name, was doch offenbar den Gedanken nahe legt, daß hier eine Verschleierung des Herrschasisgedankens gegeben ist, der nichts geringeres bedeutet als: Herrscher im Felde, in den Bergen und im 'Walde. Die Bezeichnung des Eigentums an den Flüssen und Bächen findet ebenfalls in den Namen Bach, Auerbach, Rosenbach, Bachlcr :c. ihre Bestätigung. Wie Du also siehst, habe auch ich meine Entdeckungen gemacht, wozu ich durch Deinen Scharsfinn die Spur erhalten habe. Nun verfolge Du die Sache hübsch weiter. Ich bin gewiß, daß Du noch recht erfreuliche Resultate haben wirst. Doch noch Eins! In Deinem eigenen Interesse möchte ich Dich warnen, gegen die Juden mit Deinen Karnevals- Artikeln nicht allzu eifrig vorzugehen, so daß man in Wirklichteit auf den Gedanken kommen könnte, es fei Dir selbst damit Ernst gewesen. Siehe, Paprika und andere Gewürze sind ja recht begehrt, besonders in einer Lektüre. Das einzige Gewürz bei Dir ist aber, wie Du selbst zugeben wirst, der Judenhaß, ohne den es doch recht öde in Deinen Spalten sein würde. Gesetzt nun, es würde Ernst mit der Austreibung der minder Israels, so wärst Du das Einzige los, was Dich noch genießbar macht bei Deinen Lesern und jedenfalls damit auch diese selbst. Also überlege Dir den Fall, bis ich wieder das Vergnügen haben werde, mich einmal mit Dir unterhalten zu können. J. M. Dir llotlagr unfrrcr fwllusbraintrii. II. Ein wichtiges Mittel, der vorhandenen 'Notlage unserer Kultusbcamten in ersprießlicher Weise zu begegnen, ist die Selbsthilfe. Vor allem ist jeder College, der menschlich fühlt und denkt und in humaner Weise handelt, moralisch verpflichtet, sich beim Eintritt einer Vakanz vertrauensvoll an den bisherigen Inhaber der Stelle zu wenden behufs Einholung der Erkundigung, ob der bisherige Beamte nicht durch diese Bewerbung um seine Existenz gebracht, ins Elend gestürzt wird. Die an den Kollegen als Amtsvorgünger höflich zu richtende Anfrage mag etwa lauten: „Haben Sie eine andere Stelle angenommen oder ist Ihnen gekündigt worden?" Es ist dringend zu wünschen, daß alle Kultusbcamten bei der Bemühung um Aemter den vorgeschlagenen Weg betreten und ihre Bewerbung nach dem vom bisherigen Stellcninhaber cingelaufencn Bescheide einrichten. Ist die Auskunft des Stelleninhabers nicht günstig, wozu meldet Ihr Euch dann noch erst? Es wurde nämlich im Kreise der Beteiligten die Erfahrung gemacht, daß dort, wo einem Kultusbeamten die Stelle gekündigt worden, auch dem Nachfolger nach Verlauf einer kurzen Dienstzeit, sobald nur der Kontrakt abgelausen, in der Regel gekündigt wurde. Darum heget nicht die Meinung, daß Ihr besser seid und daß es Euch bester ergehen werde, als Eurem Vorgänger. Ein gewisses Selbstbewußtsein ist nicht vom Nebel, doch dürste diese Art Selbst bewußt sein sich gar bald als arge Selbsttäuschung zeigen, da in tnancher Gemeinde aus irgend einer nichtigen Veranlassung ein Beamtenw.echsel einzutreten pflegt. Woher kommt dies? Weil die Stellenfuchenden sich höchst selten dein bisherigen Beamten anvertrauen, uitd weil solchergestalt die Gemeinden nicht aus den Stelleninhaber Rücksicht zu nehmen, sondern bei eintretender Vakanz sich nur mit den jüdischen Blättern in Verbindung zu setzen brauchen. Ein ferneres Mittel, die drückende Lage unserer KultuSbeamten zu lindern, besteht darin, daß nicht auf drei Jahre ein Kontrakt geschloffen und so eine Art interimistischer Anstellung herbcigesührt werde, sondern der Vertrag zwischen Gemeinde und Beamten ist aus längere Dauer, sagen wir aus mindestens zehn Jahre abzufchließcn. Ilm nun die Anstellung auf einen langen Zeitraum zu ermöglichen, ist es vonnöten, daß die Knltusbeamten tmter einander möglichst einig sind. Zur Besprechung der wichtigsten Fragen und zur Eutwersung eines Aktionsprogramms dürste es sich besonders empfehlen, Versammlungen in den verschiedensten Gegenden des Reiches abzuhalten. Dies sind die Vorschläge, welche ich in schlichter Weise weiteren Kreisen unterbreiten wollte. Möge dieser Ruf nicht ungehört verhallen. M. B. * * * Der Herr Verfasser des Artikels in Nr. 2 des „Ieschurun": „Die Notlage unserer Kultusbeamten", will wiffen, weswegen ein Kultusbeamter in Rußland sich einer sicheren Lebensstellung zu erfreuen hat. Diesen Umstand will ich erklären. Wir richten zunächst unser Augenmerk auf den Rabbiner jenes Landes. Dieser Funktionär ist vollständig unentbehrlich in der Gemeinde, da seine Leistungen täglich und stüitdlich in Anspruch genommen werden. Der Kantor in Rußland, dessem Vortrag jedes Mitglied der Gemeinde, sei es der Kaufmann oder Handwerker, ja sogar der Tagelöhner mit gespannter Aufmerksamkeit, lauscht, ist dort eine geschätzte Person, ohne die cs keine Andacht giebt. Daher werden dem Kantor auch bezüglich der Dauer des Gottesdienstes keine Grenzen gestellt. Wir gehen nun zum Schochet über, der nicht minder unentbehrlich ist, denn auf welche Weise soll eine jüdische Familie nach religiöser Vorschrift leben, wenn er. fehlen sollte? — Anders verhält es sich mit den Kultusbeamten in Deutschland. Der Rabbiner, den man nicht zu viel belästigt, der alle vier Wochen einmal, oder auch weniger oft predigt, was vielen dort noch zu lange währt, hat wie schon neulich in diesem Blatte erwähnt morden ist, viel zu reden aber wenig zu sagen; ja man glaubt vielfach, sich die Kosten für die Anstellung eines solchen Herrn ersparen zu können, was man daraus ersehen kann, daß beispielsweise in den Regierungsbezirken Königsberg und Gumbinnen die Zahl der Rabbiner an den Fingern abzuzählen ist, und daß, wo sich ein solcher befindet, die Gemeinde ihn nur anstellte aus Rücksicht aus die christlichen Mitbürger, um nämlich „auch" einen Seelsorger ausweisen zu können. Wir gehen nun zum Kantor über. Wenn dieser nicht gleichzeitig auch Schochet wäre, so wäre auch er überflüssig in der Gemeinde. Von manchen Mitgliedern wird er kaum an den hohen Festtagen gehört. Daß der Schochet ^eine wenig geachtete Stellung in seiner Gemeinde einnimmt, ist

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