Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1895)
- Issue
- 5 (1.2.1895)
- Date
- 1895-02-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 5. Jefchrrrrrrr. Seite 67. keineswegs fester geworden ist, nicht den Mut haben, hierin unsere Meinung osten und unumwunden auszusprechen. Die Haltung der Rabbinen in unseren Tagen ist in diesem Punkte nicht ganz zweifelsfrei. Entweder — oder. Das geschichtlich gewordene, in seinen letzten Entwickelungscpochen in Glaubensdingen nur allzusehr vom Christentum beeinflußte Judentum hat sein Gesicht allerdings durch allerlei dogmatische Uebermalungen — durchaus zu seinem Nachteil — zu verschönen gesucht, daß aber das antike, das mosaische Judentum, uns nicht in die Fesseln buchftabengläubiger Knechtschaft schmieden wollte, dürfte bei vorurteilsloser Betrachtung aber ebenso sicher sein. Die Schrift des Dr. Guttmann behandelt einen äußerst interessanten Gegenstand, allerdings in einem durch einen Vortrag von selbst gebotenen engen Rahmen. Sie sei hiermit — ohne uns mit ihr in allen Pakten zu identifizieren — allen denkenden Lesern eindringlich und warm empfohlen. Auch rin offener Kries. Liebe Staatsbürgerzeitung! Es ist heute ein abscheuliches Wetter, und ich habe gräßliche Kopfschmerzen. Da ist es doppelt verzeihlich, wenn ich zu ernster Arbeit nicht aufgelegt bin und mich daher auf ein Stündchen zu Dir flüchte, um mich an den Gebilden Deiner lebhaften Phantasie ein wenig wieder aufzurichten. Weiß ich doch aus Erfahrung, daß Deine lustigen Kapriolen und Bocksprünge mehr als alle Pillen und Tränklein des gestrengen Herrn Doktors geeignet sind, meiner etwas galligen Veranlagung als medizinisches Heilmittel zu dienen. Ich beschäftige mich mit Dir, lasse mir das Zwerchfell ordentlich einmal in Bewegung bringen und danke den Göttern — wenn Du so willst — und Dir, daß ich die richtige Leibes- und Geistesverfassung wieder habe, um an ernstliche Arbeit denken zu können. Verzeihe nur, daß ich so selten komme, und sei versichert, daß es nicht meine Schuld ist, Du kennst ja wohl auch das Sprttchwort: Erst die Arbeit und dann das Vergnügen, das ich nota bene stets habe, so bald ich Dich nur zu Gesichte bekomme. Besonderes Vergnügen hat mir Deine Nummer vom 22. Januar gemacht, in der Du „die Alten und die Jungen im internationalen Judentum" behandelst und zeigtest, wie der Kampf zwischen diesen beiden Richtungen sich vollzieht. Und noch vielmehr, als Du zeigtest, ließest Du als echte Künstlerin— ahnen, in dem Satze, daß die Oeffentlichkeit hier viel weniger erfahre, als bei dem Kampfe der politischen Parteien, weil die „Judas" gar zu verschmitzt und verschlagen seien. Und nun wirst Du zur Heldin und hältst es für Deine Pflicht, angesichts des Umstandes, „daß die innerpolitischen und religiösen Angelegenheiten der Juden derart mysteriös und rabulistisch gehalten werden, daß es dem Deutschen schwer wird, daraus das richtige Verständnis zu gewinnen", das deutsche Volk rechtzeitig und genau darüber aufzuklären, „was dieser so gastfreundlich geduldete Staat in unserem Staate auf deutschem Boden plant und unternimmt". Das ist recht so, liebe Staatsbürgerin, immer hübsch pünktlich und genau sein! Damit nimmst Du es nun allerdings, zu Deinem Lobe gesagt, sehr genau, denn Du schilderst den 'gräßlichen Kampf der „Alten und Jungen" so präzise, wie dies bisher noch keinem Menschen gelingen wollte, noch ehe er überhaupt stattgesunden. Was ist da alles zwischen den Zeilen zu lesen! Mord und Totschlag, Pech, Feuer und Schwefel, so daß Du entschieden in Deiner Berichterstattung vom jüdischen Kriegsschauplätze eine Unterstützung verdienst, die wir Dir nicht vorenthalten werden, schon weil Du auch unserer in Deinem Berichte gedacht hast. Ich nehme an, Du weißt es so gut wie ich, daß dieser von Deiner Phantasie heraufbeschworene Kampf, der sich auf ein Konkurrenz- Scharmützel zwischen dem „hochorthodoren Israelit" und dem „fanatischen Jeschurun" hinausspielt, genau dieselbe Bedeutung hat, wie Deine neulichen Ausführungen gegen die Verschmelzung dreier Deiner kleinen Konkurrentinnen zu einer einzigen großen. Für Deine Abonnenten wäre dieser Umstand allerdings zu verschweigen, schon damit sie nicht dahinter kommen, daß auch bei Dir der „übergroße" Geschäftssinn, den Du den Juden immer vorwirfst, derart vorwiegt, daß Du eine neue antisemitische Gründung größeren Stiles im voraus verketzerst, weil Du — das jüdisch-kaufmännische Wort „Konkurrenz" nicht leiden kannst. Dagegen wäre den Abonnenten von den stattgefundenen Vereinsschlachten vielleicht unter der Spitzmarke „Ritualmorde im größeren Stile" zu erzählen, hervorhebend, wie viel blutige Köpfe es gesetzt, wie viel, nach antisemitischer Redefreiheitsbestimmung antisemitische Gegner, gehörig verkeilt, an die Lust geflogen und namentlich, welche endlichen Resultate auf dem Kampfplatze erfochten seien. Ach wie würde das Deine Leser erbauen, wie würden sie sich freuen über alle die toten Juden, die hier einander abgethan. Es wäre eine Lust, dies zu lesen, besonders in der jetzt so fröhlichen Karnevalszeit, in der es für derartige, wollt' sagen derlei artige Schwänke die passendste Zeit des Jahres ist. Nun aber einen wohlgemeinten Rat, beste Freundin! Du mußt nicht allzu „dicke" thun, wie der Berliner sagt. Du prahlst und flunkerst zu viel, daß nach den Angaben unseres Dir sympathischen Freundes „Israelit" der „Jeschurun" sich durch „seine unwissende und herausfordernde Kampfesweise gegen die Staatsbürgerzeitung lächerlich gemacht" habe und wie sonst die hübschen Dinge alle heißen, die Du ihm in liebenswürdigster Weise an den Kops warfst. Verzeihung, liebe Staatsbürgerin; wie ich Dir schon oben andeutete, warst Du ganz und gar Nebensache, da die Hauptsache die Konkurrenz gewesen, die einem Menschen und einem Blatte oft gar seltsame Ueberraschungen von befreundeter Seite bieten kann. Alan soll niemals sagen, was eine Sache ist. Und nun zu Deinen Ueberraschungen selbst. Du hast mit Deinem längst bekannten Scharfsinn herausgefunden, daß die „Jungen", zu denen zu zählen Du auch mir vergönntest, nicht Gleichheit anstreben, sondern herrschen wollen; die Herrschaft erstreben sie, die sie „als ihr Vorrecht ansehen!" Allen Respekt vor Deinem Scharfsinn, der schon entdeckt hat, was demnächst der jüdischen Jugend gelehrt wird, daß sie nämlich „zur Weltherrschaft berufen sei, und daß es Bestimmung und Aufgabe des Judentums sei, die Welt zu erobern und alle Menschen seinem Bekenntnis und seiner Lehre unterthan zu machen". Auch ich habe schon manchmal eine Ahnung gehabt, daß die Juden derartige Pläne haben, nur habe ich die Andeutungen nicht verstanden, die Du jetzt in eine so grelle Beleuchtung gebracht hast. Es ist ja sonnenklar, daß eine jüdische Burschenschaft — Sprevia soll sie heißen —