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Jeschurun · 1895-01-25 · 4 (25.1.1895) · p. Seite 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1895)
Issue
4 (25.1.1895)
Date
1895-01-25
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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Seite 60. AefcHurun. Nr. 4 der Sultan ungeordnet, daß das Asyl eine Synagoge, eine Moschee und eine Kirche erhalten soll. Das Asyl wird in kurzer Zeit vom Sultan persönlich eröffnet werden. *8 Aus Paris schreibt man uns: Gegenwärtig, wo die ganze Judenschast in Frankreich durch den ordinären Teil der Pariser Presse herabgewürdigt wird wegen eines Verbrechens, das von einem jüdischen Offizin begangen worden sein soll, ist es doppelt angenehm, von der Beförderung zweier Juden zu einer der höchsten Ehrenstellungen im. Heere Kenntnis zu nehmen. Oberst Aron vom 29. uud Oberst Wolff vorn 15. Artillerie-Regiment sind beide bei der Artillerie zu Brigade- Generalen ernannt worden. Die jüdischen Generale in Frankreich bilden nun jetzt eine ganz stattliche Anzahl, und wenn nur noch zwei oder drei hinzukommen, ist ein „Minjan" voll. Zu den meist bekannten unter diesen Offizieren gehören General Lambert, der einst Kommandant der Pariser Garnison und Obcrstkotnmandierendcr der französischen Armee in Tunis war, General See und General Levy, aber ihre jüdischen Kameraden, die im gleichen Range stehen, zeichnen sich durch die brillanten Dienste, die sie dem Staate leisten, nicht weniger aus als die namentlich aufgeführten Herren. — Ein anderer mit Gcnugthuung erfüllender, und vielleicht noch bedeutungsvollerer Vorfall ereignete sich bei der diesjährigen offiziellen Neujahrsfeier und verdient besonders hervorgehoben zu werden. Wenn inan das beklagenswerte Geschehnis, auf welches wir oben angcdeutet haben, in Betracht zieht, scheint es mehr als bloßer Zufall zu sein, daß in diesem Jahre zum crstentnale der damalige Ministerpräsident Dupuy in seiner Eigenschaft als Kultusminister die Häupter der jüdischen Gemeinde, und zwar sowohl die kirchlichen als die Verwaltungsbeamten, zu dem Empfange einlud, den er veranstaltete. Diese Aufmerksamkeit von Seiten des Herrn Dupuy darf ohne Uebertreibung als ein Zeichen von Sympathie für die jüdische.Gemeinde bezeichnet werden, deren Vertretern gegenüber der Ministerpräsident denselben, den Patriotismus der Juden anerkennenden Gefühlen Ausdruck verlieh, welche er einige Monate vorher dem Oberrabbiner von Toulouse gegenüber ausgedrückt hatte. Gemeinde, Lyuagoge und Lchule. * Berliner Nachrichten. Am 1. Februar mittags um 12 Uhr, wird die neu begründete „Jüdische Lesehalle" und Bibliothek zu Berlin in der Burgstraße Rr. 16 (Eaffels Hotel) eröffnet werden. Sie ist jedermann zugänglich. Außer einem reichen Vorräte von Büchern, die allen Richtungen der jüdischen Litleratur angchören, enthält sie in annähernder Vollständigkeit alle irgendwie bedeutenden israelitischen Zeitschriften. . —s* * h. Im Verein für fortbildcnde Vorträge in Königsberg hat Herr Prof. D. Eornill am 8. d. M. eine Reihe von Vorträgen über die Geschichte des Volkes Israel bis zur Zerstörung Jerusalems durch Titus begonnen. Je mehr sich heutzutage Unberufene in gehässiger Weise mit dem _ Judentum beschäftigen, um so mehr erfreulich ist es, daß ein so hervorragender Kenner des „Alten Testaments" wie Herr Prof. I). Eornill die jüdische Geschichte vom streng wissenschaftlichen Standpunkte aus gemeinverständlich darstellen will. * z. Ein Doppel-Jubiläum. Herr Dr. Saatfeld, Rabbiner der israelitischen Gemeinde in Mainz, beging dieser Tage sein 25 jähriges Amtsjubiläum und das Fest der silbernen Hochzeit. Der allverehrte Jubilar, deffen segensreiches Wirken in Mainz vielfach empfunden und gepriesen wird, ist an seinem Jubeltage nicht nur von seiner Gemeinde gefeiert worden, auch sämtliche iSrael. Gemeinden des Kreises Mainz, der Verein israel. Lehrer im Grobherzogtum Heffen rc., haben Deputationen entsandt, um ihre Glückwünsche darzubringen. Die Gemeinde hat dem Jubilar ein Ehrengeschenk dargebracht. — Auch wir reihen uns den Gratulanten an und bringen nicht nur dem Jubilare, sondern auch der Gemeinde, die ihn zu würdigen und zu ehren versteht, unsere Glückwünsche. * x. Das Amtsjubiläum des Rabbiners Tr. Kahn in Wiesbaden, des Begründers der dortigen orthod. Gemeinde, gab zu zahlreichen Kundgebungen für den Jubilar Veranlassung, und nur durch ein freundliches aber entschiedenes Veto des Herrn Dr. K. erfuhr die Zahl der ihm zugedachten Ehrungen eine Beschränkung. So hat Dr. Kahn u. a. die Annahme des auf mehrere tausend Mark bewerteten Ehrengeschenks der Gemeinde abgelehnt. Ein FestgotteSdicnst unter außerordentlicher Beteiligung aus Rah und Fern, deffen Glanzpunkt die Festpredigt war, gab der Weihe des Tages einen entsprechenden Ausdruck. DaS abends im badischen Hof veranstaltete glänzende Festbankett, zu dem sich auch zahlreiche auswärtige Kollegen, Freunde und Anhänger des Jubilars eingefunden hatten, endete erst am frühen Morgen. Die aus allen Weltgegenden eingelaufenen telegraphischen und brieflichen Glückwünsche und Blumenspenden zeugten von der hohen Verehrung, deren sich Herr Dr. Kahn im Kreise seiner Gesinnungsgenossen und weit darüber hinaus erfreut. * g. Aus Culmsee wird uns geschrieben: Im „Kultur- und Litteratur-Verein" hielt neulich Frau Rahida Remy einen Vortrag über ,/Nächstenliebe im Alten Testament"; derselbe wurde mit enthusiastischem Beifall ausgenommen. — Am Sonnabend den 12. d. M. veranstaltete der hiesige Synagogcn- Gesangvcrein ein Wohlthätigkeitskonzert, Theater und Ball. Die Ehöre wie die Solos, die vom Dirigenten Herrn Kantor Schließenberg zur Aufführung gelangten, fanden bei dem zahlreichen Publikunt (über 600 Personen, wobei die Behörden und Spitzen der Stadt vertreten waren) großen Beifall, wie Theater, welches unter Leitung des Vorsitzenden Herrn Kaufmann I. Springer zur Aufführung kam, folgte ein rauschender Beifall. Der Verein deckte sämtliche Kosten aus der VereinSkaffe und überwies die Bruttoeinnahme von über 200 Mk. dem städtischen Krankenhause. * „Ein pietätvoller Verehrer des Dr. Jellinek" klagt in einem Wiener Blatte: „Es ist auffallend, daß gelegentlich des ersten Jahrzeitstages des verewigten Herrn Dr. Adolf Jellinek nicht einmal in der Seitenstetten-Synagoge eine ihm, seiner seltenen Bedeutung, seinem umfaffcnden Wiffen und seiner einzig dastehenden Beredsamkeit rc. würdige Frier stattfand, ja, daß beim Abcndgottesdienste nicht einmal ein Vorstandsmitglied anwesend war." — In einer westpreußischcn Gemeinde hatte der Lehrer und Kantor derselben vor kurzem das Vergnügen, auf eine 25 jährige Amtsthätigkeit zurückzublicken, ohne daß die Verwaltung es der Mühe wert gehalten hätte, dieses Tages auch nur durch einen schlichten Glückwunsch, deffen Uebersendung fünf Pfennig gekostet hätte, zu gedenken. *i Dem eben erschienenen 53. Berichte des Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Juden"

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