Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1895)
- Issue
- 3 (18.1.1895)
- Date
- 1895-01-18
- Page
- Seite 46 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 46. AescHurrrrr. Nr. 3. sie hoch über die moderne GcrechtigkeitSpflege erhebe. ^Namentlich die Thora gab eine reiche Auslese von Porschristen her, aus welchen ein warmer Strom einer selbst des Feindes nicht vergessenden Menschenliebe hervorleuchtet. — lebhafter und anhaltender Beifall gab dem Redner den Tank zu erkennen, welchen die aufmerksamen Zuhörer ihm zollten. * Herr Hauptlehrer Herbst in Lissa sendet uns folgende Zeilen: Ten Mitgliedern des Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen teile ich in Verfolg unserer Beschlüsse in der Versammlung vom 21. November v. I. das nachstehende von Herr Geheimrat Tr. Kristeller mir zugegangene Schreiben vom 7. d. M. zur gefälligen Kenntnisnahme mit: „Ter Ausschuß des jüdischen Gemeindebundes hat mit Befriedigung von Ihrem gefälligen Bericht über die jüngste Jahresversammlung Ihres Vereins Kenntnis genommen. — Ter Beschluß, für das Bibellesen einen geeigneten Auszug in deutscher Sprache zu empfehlen, hat die volle Zustimmung unserer Abteilung für das Lehrwesen gesunden. Ist der Ausschuß doch bereits seit Jahren bemüht, die Aucrbachsche Bibel zu einem billigen Preise zu beschaffen. Bedauerlicherweise haben wir nicht das nötige Entgegenkommen seitens des Verlegers gesunden. — Ihr Gesuch an uns, unter Zuziehung von Volksschullehrern einen geeigneten Bibelauszug für Volksschulen zu billigem Preise herzustellen, wird von unserer Abteilung für Lehrwesen in wohlwollende Erwägung gezogen, wennschon wir die großen Schwierigkeiten des llnternehmens nicht verkennen. — Schließlich teilen wir Ihnen noch mit, daß die Vorbereitungsarbeiten für die Konstituierung eines Verbandes der jüdischen Lehrervereine diesseits mit Flachdruck betrieben werden." — Nachdem der jüdische Gemeindebund schon vielfach gegen unseren Verein sein Wohlwollen bethätigt hat, wird uns durch vorstehendes Schreiben ein neuer Beweis seiner Sympathie für unsere Bestrebungen entgegengebracht. Das Können des Bundes wird aber seinem Wollen noch mehr entsprechen, wenn ihm größere Mittel — sei es von Gemeinden oder Einzelpersonen — zusließen. Sorge darum jeder von uns in seinem Kreise, daß dies reichlich geschehe! * Am 1. d. M. fand in Essen unter dem Vorsitze des Herrn Prediger a. D. Blumenseld die alljährlich abzuhaltende Vorstandssitzung des „Vereins israelitischer Lehrer Rheinlands und Westfalens" statt. Zugegen waren sämtliche Vorstandsmitglieder. Tas Ergebnis der Kasse war recht befriedigend. Der eiserne Fonds ist im Lause des Jahres von 78 320 aus 80 300 Mk. gestiegen. Obgleich die PensionSquoteir an Zahl zugenommen, so konnten doch die Anteile nach den Bestimmungen 'der Statuten erhöht werden. An Zinsen, Mitglicderbeiträgen, freiwilligen Beiträgen von Gemeinden und Privaten waren 7863 Mk. zu verzeichnen; von dieser Summe mußten Zweidrittel laut Statut zur Verteilung gelangen. In den letzten Monaten sind dem Vereine 5 neue Mitglieder beigetreten. — Aus der letzten Hauptversammlung in Köln wurde Hamm als diesjähriger Konserenzort vorgeschlagen, indes glaubte der Vorstand aus Zweckmäßigkeits-Rücksichten Hörde wühlen zu sollen und somit wird hier am 1. und 2. Juni die nächste Konferenz stattftnden. * p. Tie israelitische ungarische Litteraturgesellschast, welche vor einem Jahre gegründet wurde und sich bereits einer großen Anzahl von Mitgliedern erfreut, hat soeben ihr erstes Jahrbuch herausgegeben und es mag gleich hier konstatiert werden, daß dasselbe über alle Erwartung gelungen ist. Ter Präsident der litterarischen Sektion dieser Gesellschaft, Professor Tr. Wilhelm Bacher und deren Sekretär Tr. Franz Mezey, welche als Redakteure des Jahrbuches zeichnen, haben eine so reiche Fülle der intereffantesten wiffenschastlichen und belletristischen Arbeiten gesammelt, daß das vorliegende Werk eine Zierde der ungarischen Litteratur wie des Judentums bildet. Tes letzteren aus dem Grunde, weil die Verfaffer der Arbeiten, welche den Inhalt des 30 Druckbogen starken Werkes bilden — cs sind ihrer beinahe ein halbes Hundert —, durchwegs jüdischer Konfession sind und ihre Leistungen aus einem hohen litterarischen Niveau stehen, welches ihrer Littcraturgesellschaft zu hoher Ehre gereicht. Dabei haben die Themata aller Arbeiten irgend einen Bezug zum Judentum. * Tie jüdischen Religionslchrcr in Ungarn reichten beim Kultusminister ein Memorandum ein, in welchem sie um die Verbcfferung ihrer Lage ansuchcn. In demselben setzen sie auseinander, daß sie, nachdem das 1868er Schulgesetz aus die Religionslehrer nicht ausgedehnt wurde, der Willkür der Schulhalter unterworfen sind, und daß sie der Landes-Lehrerpensionsfond ohne Weiteres ausschließt. Sie wünschen nur vorläufig die Aufnahme in den Pensionssond, uin sich eine einigermaßen annehmbare Existenz im Alter nach der mühsesigen Laufbahn gründen zu können. * Das Zcntralkonsistorium in Paris hat den Preis Wcill aus Straßburg, bekanntlich zu Gunsten von Rabbinern und Lehrern oder anderer Personen gestiftet, die durch ihre Schriften die Bildung der jüdischen Jugend gefördert haben, nach Bericht der Spezialkoinmiffion an folgende Herren diesmal verteilt: Großrabbiner Bloch in Nancy, Abr. Eahen und Js. L«wy in Bordeaur, L. Wogue, Rabbiner M. Mayer, Leon Kahn, Sekretär des israelitischen Konsistoriums in Paris, Lehrer Ury in Bordeaur, Schuldirektor Leopold und Madame I. Levy in Paris. Die zur Verteilung gelangende Summe beträgt <>500 Francs für dieses Jahr, so daß aus jeden der Genannten der Betrag von 650 Francs kommt. *6. Aus Amerika. Tr. Wise wehrt sich gegen die Angriffe des Advokaten Herrn Levy, über die wir in Nr. 1 ausführlich referiert haben, indem er in der „Tcborah" schreibt: „Wenn ein Advokat aus Galvefton vor dem Konvent der jüdischen Gemeinden sich erhebt und ohne irgend welche Kenntnisse vom Judentum zu besitzen, die Reform und die Reformer mit ihren Rabbinern und ihren Gemeinden verdammt, ist das nicht minder lächerlich, als wenn ein Paar Resormrabbiner, mit aller Gewalt Märtyrer werden wollen, immer davon reden, daß sie jemand aus dem Judentum hinauswerfen wollte, gleichsam die Welt auffordern sie mit einem Bannstrahl auszuzeichnen. Bis jetzt ist es wohl noch keinem eingefallen, den A. oder den B aus dem Judentum hinaus zu eskamodieren, weil die Herren so sprechen als wären sie etwas apartes, eine Eigenart, als hätten sie ganz neue freisinnige Lehren, niedagewesenes der Menschheit zu offenbaren. Beruhigen Sie sich, meine Herren, in Amerika wird kein jüdischer Lehrer in den Bann gcthan, weil er zu freisinnig ist, besonders nicht, wenn er bloS das Oftgesagte in anderen Worten wieder austischt. Im Judentum hat man zu allen Zeiten nur die großen widerspenstigen Geister mit dem Banne belegt, die Mittelmäßigkeit hat man immer ungestört vorüber ziehen lasten. Ein Komet ist zwar auch ein Stern, er unterscheidet sich aber von den andern Himmclsgefährten durch den langen Schweis und seinen unregelmäßigen Schlendrian. — Diese überlegen-satyrischcn Sätze des greifen Leiters des angegriffenen Rabbincrfeminars in Eincinnati widerlegen nicht nur nicht die Angriffe des Hrn. Levy, sondern bestätigen