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Jeschurun · 1895-01-18 · 3 (18.1.1895) · p. Seite 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1895)
Issue
3 (18.1.1895)
Date
1895-01-18
Page
Seite 45 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3. Aefchrrriin. Seite 45. Versammlung, um in längerer Rede, namentlich die reformatorische Thätigkeit des^ Gefeierten zu würdigen. Der Jubilar sei, wo es sich um Gemeinde-Angelegenheiten gehandelt, stets zu sprechen gewesen, das charakterisiert ihn. Eine unverwüstliche Arbeitskraft und Frische habe ihn ausgezeichnet und das eifrige Bestreben, den Kern der Gemeinde dadurch zu festigen, daß unter Mehrung der Pfeiler, aus denen das Judentum ruhe, überall in den Gemeinde-Institutionen den Anforderungen der Zeit entsprochen worden sei. Das habe dahin geführt, daß auch die Widerstrebenden sich nach und nach gerührt hätten, so daß Frieden und Eintracht, ausgehend aus der Vertretung, die Signatur der Gemeinde sei. Die Versammlung danke dem Jubilar aufs herzlichste und habe diesem Danke in einer Adresse Ausdruck gegeben, die er zur Verlesung bringen wolle, Nachdem dies geschehen, ergriff der Redner nochmals das Wort, um zu betonen, daß dieser Tag auch seine gedenkliche Fortdauer finden soll, indem das Bild des Jubilars als Vorbild für die Nachkommen seinen Platz im Sitzungssaale finden solle. Darauf fand die Enthüllung des Bildes statt, das in Del gemalt dem Saale zur Zierde gereichen dürfte. — Der Jubilar dankte tiefbewegt, indem er betonte, daß er bescheiden genug von seiner Thätigkeit denke, als daß ihm nicht Zweifel darüber gekommen seien, ob er würdig sei, daß fein Bild neben denen figuriere, die so Großes für die Gerneinde gethan. Umsomehr danke er, namentlich erfreut über die Einmütigkeit, mit der man ihn geehrt habe. Nur durch die Mitwirkung aller seien Erfolge erzielt worden, weshalb er allen zunächst danke, die in der Arbeit ihm treulich zur Seite gestanden. Die Arbeit sei keine geringe gewesen, da der Berliner Gemeinde die Stadt allmählich zu enge geworden, mithin überall neue Bahnen hätten eingeschlagen werden müssen. Daß sei ihm, dem Redner, aber eine Genugthuung, daß das Band der Gemeinde keine Lockerung erfahren, daß alle Glieder des großen Körpers enge zusannnenhalten. Selbst die Reformgemeinde hänge aufs innigste nüt der großen Gemeinde zusammen, so daß von ihr zu hoffen stehe, daß sie wie nach der entgegengesetzen Richtung, die orthodoxe in Zukunft auch wieder zur großen Gemeinde zurückkehren werde, da Berlin auf die Dauer kein Boden für die Hyperorthodoxie sei. Ihm werde der Tag unvergeßlich sein, und so wie seine Thätigkeit durch das Vorbild des Vaters ihren vornehmsten Antrieb erhalten habe, so hoffe er, daß es auch bei seinen Kindern nicht in Vergessenheit geraten werde. — Gesang des Synagogenchors beschloß die Feier. —r. — Auf eine Anregung, die seitens des hiesigen „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen" ausgcbildeten Krankenpflegerinnen an auswärtige Städte resp. kleinere Orte, woselbst der Gründung eines denselben Tendenzen entsprechenden Vereins aus eigenen Mitteln nicht erreicht werden kann, zu überlassen, erklärt der Vorstand: „Wir können diese Frage dahin beantworten, daß wir unsere Schwestern überall hinsenden, wo man ihrer Hilfe bedarf und daß wir auch unseren Satzungen entsprechend, die Krankenpflege Unbemittelter unentgeltlich ausüben lassen. Unsere zur Zeit fertigen drei Schwestern, welche bereits Außenpfiege betreiben, sind schon verschiedene Male außerhalb Berlins thätig gewesen, und denken wir, uns auch in der Folge nicht nur auf unsere Stadt zu beschränken. Um indessen eine so ausgedehnte Wirksamkeit ausüben zu können, bedürfen wir selbstverständlich einer erheblich größeren Zahl ausgebildeter Schülerinnen, und wir dürfen hoffen, daß uns eine solche, da zur Zeit vierzehn Schülerinnen in der Ausbildung begriffen sind, nach Ablauf des kommenden Jahres zu Verfügung stehen wird. Alsdann werden wir gern bereit sein, auch auswärtigen Gemeinden unsere Schwestern für die Krankenpflege bereit zu halten und mit den betreffenden Vorständen bezüglich Ueberlassung von Krankenpflegerinnen in Verhandlung zu treten." — Das XII. Stiftungsfest des Vereins „Gemilus Chaßodim" fand am Sonntag den 13. d. M. in den Drüselschen Festsälen unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder resp. Freunde des Vereins statt. Der Vorsitzende, Herr I. Rosenthal, begrüßte die Gäste und hob hervor, wie nur durch das einmütige Zusammenwirken aller Beteiligten, der Verein es zu seiner heutigen Höhe brachte (der Verein zählt 420 Mitglieder), er bat auch ferner das Interesse des Vereins fördern zu wollen und schloß mit einem Hoch auf die Gäste. Fräulein Moses trug einen schönen Prolog vom geduldigen Hiulel, der die Nächstenliebe als das Fundament des Judentums pries, in herrlichster Weise vor, worauf Herr Dr. med. Mose's in ausführlicher Weise klarlegte, wie besonders notwendig geworden in unserer Zeit es sei, insolange es keine interkonfessionelle Vereüre gebe, die ohne Rücksicht auf Glaube und Abstammung Humanität üben, müsse es speziell die Aufgabe des Judentums sein, der Not im eigenen Lager nach Kräften zu steuern. Ein Festlied verfaßt vom ' Herrn Ball, würdigte die Verdienste der einzelnen Vorstandsmitglieder und wurde recht begeistert von der Gesellschaft ausgenommen. Verschiedene Gesangs- resp. Violinvorträge von Geschwister Lepkowitz trugen wesentlich zur Feier dieses schönen Festes bei, das noch lange in Erinnerung der Teilnehmer bleiben wird. —-n. * i. Im Litteratur-Verein in Königsberg sind im ersten Vierteljahr 1894—95 folgende Vorträge gehalten worden: 1. Leopold Zunz, 2. Moritz Lazarus (Herr Sekretär Klein), 3. Prof. II. Cornills Schrift: „Der israelitische Prophetismus" (Rabbiner Dr. Bamberger), 4. „Bilder und Skizzen aus Alt-Judäa" (Herr Max Feinstein), 5. Vorlesung aus „Ludw. Aug. Frankls Werken" (Herr Inspektor Peritz), 6. „Die Nächstenliebe" (Herr Rabinowitz). Sämtliche Vortragende sind Königsberger Vereins-Mitglieder. * h. Einen interessanten Vortrag hielt am 8. d. M. in dem dicht gefüllten Saale der Bürger-Ressource in Königsberg Herr Professor Dr. Cornill vor den Mitgliedern und Gästen des Litteratur-Vereins. Ter Redner, dessen Studien über die alttestamentliche Litteratur hier noch besonders gewürdigt werden soll, hatte sich das gerade in unserer Zeit doppelt beachtenswerte Thema gewählt: „Das alte Testament und die Humanität". In geistvoller und von tiefer Kenntnis zeugender Weise zog der Vortragende in erster Reihe die Thora mit ihrer Fülle von Gesetzesvorschriften, dann die prophetischen Schriften, Psalter und Sprüche und endlich, als das hohe Lied der Humanität, das Buch Hiob heran, um zu erweisen, daß die Humanität in jenen Schriften mit einer Eindringlichkeit gepredigt werde, die davon zeuge, in wie hohem Maße das Volk der Israeliten schon in jenen grauen Zeilen die Nächstenliebe gepflegt habe. Aus zahlreichen Belegstellen bewies der Redner, daß die Humanität nicht blos als Tugend gepriesen, sondern geradezu von dem Gesetz gefordert wurde, und daß dabei Witwen und Waisen, Fremdlinge und Leviten, Arme und Kranke mit der gleichen Liebe umfaßt, ja selbst die Verbrecher und Tiere nicht ausgeschlossen würden, wie denn gerade die Kriminaljustiz des alten Testaments von einem Geiste der Humanität durchweht werde, der

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