Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1895)
- Issue
- 3 (18.1.1895)
- Date
- 1895-01-18
- Page
- Seite 43 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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und habe an den getauften Juden viel Gutes gethan. Eva war eine Dirne und zugleich eine Prophetin; er, Dr. Kranshar, sei im Besitze eines Manuskripts mit politischen Prophezeiungen der Frankisteu. Dr. Kraushar teilte schließlich mit, er habe eine zweibändige Geschichte der Juden in Polen veröffentlicht. Der erste Baud seines Werkes über „Frank und die polnischen Frankisten" sei bereits vollendet. Beigefügt sei noch, daß Herr Pirazzi von Dr. Kraushar zwei Bilder von Jakob und Eva Frank erhalten hat, die nach authentischen Originalzeichnungen und Miniaturen aus den Jahren 1760 und 1775 — er in hoher Pelzmütze und Hermelinkragen, sie in Schnürenrock und Federhut — ausgenommen worden sind; die Photographien sind, nebst einer Photographie des Schädels des „Propheten", der im Besitz des Herrn Pirazzi ist, im Schaufenster der Buchhandlung Steinmetz in Offenbach ausgestellt. Wochen-Shronik. Bürgerliche Verhältnisse. * Berliner Beobachter. Am Freitag hatten wir zum erstenmale Gelegenheit, einer Sitzung des Reichstages im neuen Gebäude und in der aus den letzten Wahlen hervorgegangenen Zusammensetzung, beizuwohneu. Es wurde über die unglückliche Umsturzvorlage verhandelt, und auch unser Gönner, Herr Liebermann von Sonneuberg ließ sichs nicht nehmen, eine Rede vom Blatte vorzulesen. Eine Wahrnehmung, die wir bei dieser Gelegenheit gemacht, hat uns trotz der gehässigen Rede des Antisemiteuhäuptlings mit einer gewissen Genugthuung erfüllt. Wir haben nämlich wahrgenommen, daß Herr v. Liebermann, der pathetischeste und scheinbar ernsteste Vertreter des Judenhasses, im Reichstage nicht ernst genommen wird. Man hört ihm zu, um ein Witzchen oder eine Pikanterie zu erhaschen, — das ist aber auch alles. Die Art, wie Herr v. Liebermann „zur Sache" redet, entspricht vollkonnueu dem in der heutigen Rümmer veröffentlichten Schwank: „Eine Reichstagsverhandlung irr spe." — In der in Erfurt erscheinenden „Thür. Ztg." führt Rabbiner Dr. Salzberger eine schneidige Polemik gegen die Verächter der jüdischen Sittenlehre und Schmäher des Judentums. An der Hand von Zitaten aus den heiligen . Schriften der Christen und Juden beweist Dr. Salzberger, daß unsre Sitteulehre keine andere sei, als die christliche. Selbstverständlich werden die Auslastungen des mutigen Rabbiners von gegnerischer Seite als eine „Beschimpfung des Christentums" hingestellt, wie man dies auch von unfretn Blatte behauptet. Es gebricht uns leider an Raum, um das uns aus Erfurt übermittelte Material abzudrucken; vielleicht holen wir in einer der nächsten Nummern das Versäumte nach, _ ,* ".^/ue Pefter Journal" berichtet: In Abanj- Lzäntö ist dieser Tage der Kerer jüdische Privatlehrer Hermann Waldmann eines plötzlichen Todes gestorben. Der arme Lehrer war einer der Helden der Schlacht von Custozza und für seine damals geleistete Heldenkhat hatte sein — Hauptmann die goldene Tapserkeitsmedaille erhalten. Waldmann, der als junger Freiwilliger an dem ungarischen Freiheitskampfe teilgenommen hatte, wurde nach der Niederwerfung desselben in die kaiserliche Armee als „gemeiner" Artillerist eingereiht. In der Schlacht von Custozza war er als Wache bei einer an einem abgelegenen Waldessaume stehenden Batterie postiert, während die Mannschaft und die Offiziere —• da weit und breit vorn Feinde keine Spur war — drinn im kühlen Walde Rast hielten. Plötzlich kanr eine große Truppe feindlicher Reiterei herangesprengt, die durch den Wald dem österreichischen Lager in den Rücken fallen wollte. Waldmann hatte keine Zeit mehr, seine Kameraden herbeizurusen. Einer- Eingebung des Augenblicks folgend, feuerte er in raschem Aufeinander sämtliche Geschütze der Batterie ab, wodurch in den Reihen des Feindes große Verwirrung entstand, da es auch viele Tote gab. Die Mannschaft der Batterie stürzte aus dem Walde hervor und rasch ließ der Hauptmann noch einmal auf die feindliche Reiterei feuern, welche dadurch in die Flucht gejagt wurde. Rach der Schlacht erhielt, wie erwähnt, der Hauptmann die Tapferkeitsmedaille. Die Belohnung Waldmann's, über die er, nebenbei bemerkt, sehr erfreut war, bestand darin, daß er nach der Schlacht aus dem Militärdienste entlassen wurde. *h Aus Rumänien wird uns berichtet: Herr Gregor Moldovan, der Herausgeber der „Revue Ungarin", einerrumänischen Wochenschrift, hat ein offenes Schreiben veröffentlicht, das er an den Senator Ureche, den Vorsitzenden der Rational-Liga in Bukarest, gerichtet hat. Die Liga agitiert bekanntlich zu Gunsten der Rumänen in Siebenbürgen, die angeblich von den Ungarn verfolgt und unterdrückt werden. Herr Moldovan legt Gewicht auf die Feststellung der Thatsache, daß die rumänischen Juden in Rumänien selbst noch tausendmal ärger bedrückt werden als die rumänischen Christen im Auslande, obwohl die rumänischen Juden stets eine glühende Vaterlandsliebe an den Tag gelegt, und obwohl sie sich selbst mit den ungerechtesten Gesetzen, die gegen sie gerichtet wurden, einverstanden erklärt haben, ohne zu murren. „Was würdet Ihr sagen", fragt Herr Moldovan, „wenn ein fremdes Volk sich in unsere inneren Angelegenheiten mischen unh Euch beschuldigen würde, die Juden, entgegen den Festsetzungen des Berliner Vertrages, aller Bürgerrechte zu beraubend Ihr habt Mut genug, sie (die Juden) Steuern zahlen und im Heere dienen zu lassen: aber Ihr besitzt nicht Gefühl genug, ihnen für ihr Geld und für das Opfer ihres Lebens Bürgerrechte zu verleihen. Ihr haltet Hunderte, Tausende dieses Volkes in Sklaverei, obwohl sie schon vor Jahrhunderten Kinder dieses Landes waren, so gut wie Ihr und Euresgeichen. Euer unvernünftiger Haß gegen eine friedliche Nation, die Euch nichts Böses gethan hat, steht also gar nicht im Einklänge mit der Humanität und der Zivilisation, welche Ihr anruset, wenn es irgendwo ttu Auslände Euren Brüdern an den Kragen geht". Diese energischen Tadelsmorte eines hervorragenden christlichen Schriftstellers, haben als „Zeichen der Zeit" einen unendlichen Wert.— Ein anderer bemerkenswerter Zwischenfall, der die in Rumänien herrrschenden, .den Juden etwas günstigere Strömung kennzeichnete, ereignete sich bei der Gründung eines Studentenvereins an der medizinischen Fakultät in Jassy. Die Professoren ersuchten die Studentenschaft, keine Glaubensunterschiede zu macheil, und infolgedessen wurde eine stattliche Anzahl jüdischer Studen'en ausgesordert, dem Vereine beizu-