Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1895)
- Issue
- 3 (18.1.1895)
- Date
- 1895-01-18
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 40. $«r<$urun. Nr. 3. schreienden Mißständen nur durch eine ganz radikale und energische Reform zu begegnen ist. Meine Herren, es ist längst durch unsere bedeutendsten Physiologen bewiesen, daß die jüdische ^nfc nicht nur das hervorstechendste Merkmal, sondern daß sie der Accumulator aller jüdischen Schändlichkeit ist. Unser Bestreben muß deshalb dahingehen, jede, wenn auch noch so leise angedeutete Nasenbildung mit der Wurzel auszurotten und zu vertilgen. Unser unverrückbares Ideal muß sein: die allgemeine und obligatorische Einführung der Hurranase! Unter Hurranasen, meine Herren, versteht man stumpfwinklige "Nasen, Nasen, die sich mit unerschrockener, echt deutscher Offenheit zum Himmel richten und Regen und Sonnenschein gleichermaßen Eingang gewähren. Man hat diese Nasen deshalb so genannt, weil sie fortgesetzt aut eigene Verantwortung „Hurra" zu rufen scheinen. Wo nun die Natur ein Kind nicht mit dem Geschenk einer solchen Sturm- und Drangnase liebevoll begünstigt hat, da müssen die staatlich vereinigten Hebammen oder Aerzte gehalten sein, durch entsprechende Eingriffe die gesetzliche 'Nasenform herzustellen, und wo eine unglückliche Veranlagung solche Eingriffe wirkungslos macht, muß mit spartanischer Rücksichtslosigkeit das Kind entweder getötet oder nach Argentinien verschickt werden. Erst wenn so allüberall in deutschen Gauen dem urgermanischen, antisemitischen Geiste ein würdiges Organ geschaffen worden, erst dann kann dieser Geist sich machtvoll entfalten und brausend durch die deutschen Lande weh'n! Die Zeit ist da, der jüdischen Gumplokratie ein für allemal ein Ende zu machen und das lange genug unterdrückte deutsche Löschhorn zu heben und aufzurichten. Das, meine Herren, ist und bleibt die radikalste Forderung des Antisemitismus; in ihr ist die Ouinteffenz unseres reformatorifchen Programmetz zu erblicken jetzt und immerdar! (Minutenlanger, brausender Beifall; Lachen bei der Fraktion Böckel.) Rcichskauzler Fürst Ählwardt: Meine Herren, ich kann dem Herrn Vorredner zu meinem Bedauern keine Hoffnung machen, daß die Regierung sich zu seiner letzten Anregung sympathisch stellen wird. Dagegen würde die Regierung wahrscheinlich nicht abgeneigt sein, einem Anträge aus obligatorische Einführung des Nasenpolypen in wohlwollender Erwägung näher zu treten, da sich diese Art von Bildung für die Entwickelung und Konservierung des antiscmitzschcn Geistes unzweifelhaft förderlich erwiesen hat. Abg. E. v. S.: Als ich vordem abtrat, haben sich Böckel und Böckelgenossen erfrecht, zu meckern. Ich erkläre hiermit, daß die ganze Fraktion mit jüdischem Gelde bestochen ist; dasselbe gilt von Sr. Knoblaucht dem Herrn Reichskanzler. (Lärm und Beifall.) Reichskanzler Fürst Ählwardt: Sie Schutt, Sie Lump! Beweisen Sie mir das! Abg. E. v. S.: Ich verzichte darauf, hier den Beweis zu führen. Ich schlage mich ahlwärdts in den Busch der Volksversammlung. Die nötigen tausend Zentner Akten kann ich bis Morgen mit Leichtigkeit von den hiesigen Käsehöckcrn besorgen. Kommen Sie hin, meine Herren, ich verspreche Ihnen einen genußreichen Abend. Anfang 8 Uhr; Beginn der Enthüllungen 9 Uhr. Entree 1 Mark, von 9 Uhr an 1,50 Mark. Jeder Biedermann ist geladen." — Der Reichskanzler verläßt den Saal. Daraus vertagt sich das Haus, um zum Frühschoppen zu gehen. Morgen: Fortsetzung der heutigen Beratung. Ferner: Novelle zum Wuchergesetz. Aus Laron Kimigswarttt. Ter Vater stirbt, vermacht dem Sohn, Nächst seiner alten Religion, Dm schönen Titel „Herr Baron", Dazu so manche Goldmillion. Dem Erben wird auf einmal bang. Daß er zu viel des Glücks empfang', Er mustert all die Schätze lang: Den alten Glauben, Geld und Rang. Wie fiel ihm ohne Mühe blos So reiche Gabe in den Schoß! Ein dreifach Gut, so schön und groß, Das dünkt ibm nicht gefahrenloS — Wie PolykrateS er nicht ruht, Ihm banget vor des Schicksals Wut — Behält drum Titel nur und Gut, Giebt hin den Glauben, — welch' ein Mut! 8. M. M. Eine jüdische Mast. Humoreske von S. N. M a r g u l i c s. (Fortsetzung und Schluß). Und von dieser Leidenschaft fühlte er sich, je länger er mit dem schönen, reinen Mädchen zusammen war, immer mehr beherrscht. Er machte in seinem Herzen eine merkwürdige Entdeckung: er fühlte sich in das jüdische Mädchen ernstlich verliebt. Und sie, wie kalt begegnete sic ihm! und wie leuchteten dagegen ihre Blicke, wenn sie von ihrem Bräutigam sprach! O, wie haßte er ihn, ohne ihn zu kennen! Beinahe hätte diese Steigung, der er keinen Widerstand zu leisten vermochte, alle seine Pläne, mit denen er hcrkam, umgeworfen; er wäre für einen Augenblick fähig, mn sich den Besitz des JudcnmädchenS zu erringen, alles zu opfern: 'Namen, Stand und — Vorurteile. Aber nur für einen Augenblick, denn schon im nächsten verwarf er einen solchen Gedanken als mit feinen Standesbcgriffen unvereinbar gleich wieder; zu dem Mute einer solchen Entsagung konnte er sich doch nicht aufraffen. Seine Vernunft siegte, wie er meinte, über die Liebe, wenn auch nicht über feine Leidenschaft, und er vertraute seinen Vcrfübruugskünsten und der Allgewalt feiner Persönlichkeit, von der er, trotz vieler Mißerfolge, sehr eingenommen war, sich schließlich doch ins Herz des einfachen Mädchens einzuschleichen und ein galantes Abenteuer glücklich zu Ende zu führen. Da aber sein Betragen gegen Mirjam allmählich ein anderes wurde und seine inneren Gedanken zu verraten schien, zog sic sich mit dem richtigen Mädcheninstinkt von feiner Gesellschaft plötzlich zurück, und er konnte sie mehrere Tage gar richt zu Gesichte bekommen. Das schürte aber das Feuer feiner Begierden noch mehr, und als Mirjam'S Eltern eines Tages ausgegangen waren und er sie allein auf ihrer Stube wußte, stürmte er plötzlich zu ihr herein und begann nun, feine bisherige Maske ablegend, die ganze Skala trivialer Liebeserklärnngen abzuleiern. Natürlich war der Liebe Mühe umsonst;, feine Worte brachten bei dem überraschten Mädchen