Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1895)
- Issue
- 3 (18.1.1895)
- Date
- 1895-01-18
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3. I efchurrrn. Seite 35. heitspröben: Alles Geld haben — die Juden. Sie besäßen zwei Drittel des gesamten Nationalvermögens und zwar — ausgerechnet! — achtunddreißig Milliarden. Die ganze Reichsbank gehörte den Juden. In derselben säßen 31 Juden, die haben da eine Staatspapier-Maschine in einer Ecke stehen, aus der sie kilometerlange Papierstreifen herauskurbeln.^Davon schnitten sie lauter Hundertmarkscheine ab. Die verkaufen sie den Leuten für bares Geld. So brächten sie alles Geld an sich und gewinnen im Handumdrehen hunderte Millionen. Kommt dann ein Deutscher auf die Reichsbank (— z. B. ein solcher wie Ahlwardt? —), um sich Geld zu leihen, so sagen die Juden: Du bist uns nicht ganz koscher, und dann fordern sie von ihm auf 300 Mark 100 Mark Zinsen. Die Juden können nicht Soldat spielen, denn sie haben krumme Nasen und schiefe Beine: damit schändeten sie die deutsche Armee. Aber ihr Geld sollen sie dafür hergeben; sie haben's ja! — und sich Leute kaufen, die für sie dienen. Aber damit nicht genug. Sein ganzes Raudau-Raubsystem offenbart er darauf in folgendem Vorschlag zur Güte, wie man die Juden mit bester Manier los werden und sich ihres Geldes bemächtigen könne. Und zwar so: Man stecke jedem derselben 50 000 Rtk. als Reisegeld in die Tasche und schiebe sie damit schleunigst ab — nach Palästina. Das Uebrige — natürlich! — müsse ihnen abgenommen werden; damit wäre den Arbeitern schon geholfen. — Schade, daß der Rektor a. D. nur ein verkrachter Schulmeister und nicht Börsianer geworden ist. So aber bleibt es denn doch noch etwas zweifelhaft: spekulierte er nun auf die überschüssigen Reichtümer der Juden oder blos auf die begehrlichen Leidenschaften derer, die nicht alle werden? Den armen Juden freilich will er keine 500000 Mark mitgeben, sondern blos einen Pflug und Karst und ihnen je ein Stück Land irgendwo in der Wüste anweisen, das sie pflügen könnten; — nur eins hat er dabei noch vergessen: den Ochsen vor den Pflug zu spannen. Ganz ergötzlich war's, als dabei ein alter simpler Schäfer vom Lande in seiner Gewiffensnot Ahlwardt um Mäßigung und Schonung der von ihm zur Deportation Verurteilten anflehte: „Aber, ach! Herre Ahlwardt! das kann doch nicht alles so ganz plötzlich, auf einmal geschehen, wenigstens nur ein beten sachte, nur so a peh a peh!" — Die Juden, so meinte A. weiter — und nun kommt das köstlichste! — hätten gar keine Ursache, sich über ihn zu beklagen, da er es ja nur zu gut mit ihnen meine. Wenn sie aufstehen, dann sehen die Juden nach Osten hin, wo die Sonne aufgeht, wickeln sich Riemen um die Hand und beten: „Gott Abraham's rc. führe uns in's gelobte Land, wo Milch und Honig fließt; sei aber ein Rächer denen, so uns daran hindern". Darum sei nun er, Ahlwardt, auferstanden als ihr Messias, um ihnen zur schleunigen Erfüllung ihres täglichen Morgengebetes zu verhelfen. Weil sie gar so fleißig gebetet hätten, habe Gott die Antisemiten erschaffen, daß sie die Juden austreiben sollen. — Zwar, Gott hat ja die Bösen geschaffen, wie die Guten; daß er aber gerade Ahlwardt zu ihrem Messias bestellte — ist das wohl eine „göttliche" Idee? In seiner plötzenseeligen, unfreiwilligen Muße hat wohl Ahlwardt recht tüchtig Hebräisch studiert, und da ist ganz plötzlich der Geist der „heiligen Einfalt" über ihn gekommen, der ihn lehrte, wie er sich die Gebete der Juden auslegen solle,. gerade so, wie er neulich auch den 137. Psalm so schön in diesem Geiste interpretiert hat. Wie bitter ernst es ihm sei, sich weltenweit fern von den Juden zu halten und jede Verbindung mit ihnen zu meiden, das deutete er nur mit der verfänglichen Frage an: Wenn hier eine schöne Jüdin wäre, die 5000 Mark hätte, würde sie wohl einer von Euch nehmen? — Wer weiß! Bei solchen verlockenden Propositionen, ob sich da nicht der Rektor a. D., wenn inan ihn damit wirklich auf die Probe stellen wollte, doch noch eines andern besänne, vielleicht gar noch drum — beschneiden ließe?! Einmal, so hörten wir, soll er sich zu einer Verbindung mit Juden als ihr Freund und Bundesgenoß sogar schon um einen weit geringeren Preis angeboten haben! Und wiederum schade, ewig schade, daß so ein Ahlwardt uni ca. 4000 Jahre zu spät geboren und aufgestanden ist. Wäre er z. B. zu seligen Pharaos Zeiten in Egypten gewesen, er hätte diesem ein schönes Licht aufstecken können darüber, daß er blos die Knäblein der Juden in's Wasser werfen ließ und nicht auch ihre schönen Mägdelein. Die hier in: Wahlkreis eingesessenen Juden verhielten sich diesmal dem allem gegenüber absolut passiv. Sie schienen stillschweigend überein gekommen zu sein, dieses alles über sich ruhig — herschwatzen zu lassen und sich von den Ahlwardt- Versammlungen gänzlich fern zu halten. Nicht einnral die Freude gönnten sie ihm, wie voriges Mal geschehen, daß er irgend einen kleinen „Judenkantor", der sich schüchtern zu einer sanften Gegenrede hervorwagte, gleich beim ersten Worte am Kragen packen und unter dem Beifallsjohlen seiner getreuen Scharen hinausspedieren ließe. Ob dieses passive Verhalten ' der hiesigen Juden nun eine Feigheit oder eine politische Klugheit zu nennen war? Allenfalls scheint der Unstern Ahlwardts auch ohnedies hier schon im Erbleichen begriffen, trotzdem seiner jämmerlichen Judenhetze von keiner Seite irgendwie Einhalt gethan wurde. Nicht einmal ein freisinniges Gemüt wagte sich hervor, um die hirnverbrannten Quatschargumente acl absurdum zn führen, so daß man von manchem biederen Bürgersmann nach deren Anhörung äußern hörte: „Nu aber einmal und nicht wieder. Jetzt wähle ich gar keinen mehr, wenn sie nur auch noch so viele Zettel in's Haus schicken". Eine Vorahnung seines koinmenden Falles scheint darum auch aus allen seinen lüsternen Spekulationen und Rechenexempeln auf den Reichtum der Juden als Achillesverse hervor. Sie mögen nun stimmen oder nichts sein Fall ist nahe. Dafür sorgt schon der — Ahlwardt selbst, getreu nach dem Spruche der Nemesis: Wer andern eine Grube gräbt rc., mit seiner immer prononzierter werdenden Linksnligung nach der Seite des „Umsturzes" hin. Lassen wir ihn also ruhig schießen; denn: „Die Toten reiten schnell!" 14. Gedenkblatt zum ersten Jahrzeitstage. Von Dr. Julius David, Preßburg. II. In seiner Begeisterung für die jüdische Litteratur und seinem Drange nach Verbreitung jüdischen Wissens gründete er in Wien vor mehr als 30 Jahren mit andren hochherzigen, die jüdische Wissenschaft teils fördernden, teils selbst pflegenden Männern eine jüdische Lehrstätte, ein Bet-ha-Midrasch, in