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Jeschurun · 1895-01-11 · 2 (11.1.1895) · p. Seite 28

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Journal
Jeschurun
Volume
4 (1895)
Issue
2 (11.1.1895)
Date
1895-01-11
Page
Seite 28 (sequence 12)
Language
German
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v.*;v '■ * - f Sü ■'«rr^r 3T :citc 28. DescHurun. Nr. 2. eine durchgreifende Säuberung der siNatrikellisten, welche so leichtfertig geführt wurden, zu dringen. ES ist eine Pflicht der Selbsterhaltung, für die rufstfche Judenheit, eventuell zuständigen Crteö die Mittel zur Verfügung zu stellen, und derjenige, der die Jniative hierzu ergreift, kann der freudigen Mitwirkung weitester Greife sicher sein. *m. „Und dräut der Winter noch so sehr, — es must doch Frühling werden!" . . . Trotz des geifernden Eifers, mit dem vor kurzem noch auch deutschantifentitifche Blätter über die von russischen Juden zur Erleichterung ihrer schrecklichen Lage geschehenen Schritte gelhan und welche von den crsteren als „katzbuckeln" hingestellt wurden, scheint im Lande des Zaren mit dem jungen Herrscher 'Nikolaus II. eine Wendung zum besseren für die armen russischen (Glaubensgenossen eingetreten zu sein bezw. eintreten zu wollen. Mehr noch als die verfügte Sistierung der bekannten, boshaft erdachten und eben so gehandhabten Answeisungsordre für alle der Grenze näher als fünfzig Werst lebenden Juden spricht hierfür die THatsache, daß endlich auch einmal wieder ein antisemitisches russisches Blatt, der „Grahdanin", eine allerdings nur einseitig beschränkte Kundgebung zu Gunsten der Juden veröstentlicht, indem es einen „Militär" den Nutzen schildern läßt, den die russischen Juden speziell dem Militär bringen. Tie Truppen seien froh, dast es Juden gäbe, dast sie von den letzteren alles billiger und williger erhielten, als beispielsweise von den Polen. Ter Autor schließt seine Ausführungen mit folgender Bemerkung: „Es koiiiml z. B. ein Offizier in den Flecken, um irgend etwas zu kaufen; er wendet sich an irgend einen Juden und erbält von demselben allerlei Waren ans Borg; der Jude sieht ihn zum ersten Mal, sein Regiment liegt vielleicht 5 -6 Werst weit im Lager, und dennoch verlangt der Jude nichts Schriftliches, fragt nickt einmal nach dem Familiennamen — wie ich es selbst erlebt habe. Anders sei der Pole, der keinen Kredit giebt — wie der Autor selbst erfahren hat. als er ein erhandeltes, doch noch nicht bezahltes Pferd besteigen wollte und der Verkäufer sein quod non sprach." Ter „St. Petersburg Herold", dem wir diese Notiz entnehmen, bemerkt dazu, daß das zwischen Juden und Militär bestehende Verhältnis fast ideal erscheine und bemängelt die Ansicht des Autors, welche es von dem Einflüsse der Juden aus die örtliche Bevölkerung ausspricht. — — Wir müssen es tins versagen, aus die Notiz weiter einzugehen, glauben jedoch in dem Umstande, daß hervorragende russische Blätter die Zeit für gekonnuen erachten, auch einmal der Pflicht der Gerechtigkeit den Juden gegenüber Nachkommen zu dürfen, ein Zeichen zu erblicken, das auf anderen Wind iit den oberen russischen Regionen schließen läßt. Zeit wäre es schon. (Gemeinde, -Synagoge und schule. * Berliner Nachrichten. Tie Sitzung^ der Repräsentanten am Sonntag erhielt ihre besondere Signatur durch den Umstand, dast sic die erste des laufenden bürgerlichen Jahres war, in unsicher statutengemüst die Konstituierung des Büreans stattfinden must. Tie infolge dessen vorgenommenc 'Wahl hatte das Ergebnis, daß der erste Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger, fast einstimmig wiedergewählt wurde, dem als zweiter Herr Tr. Tiktin sich zugefellle. TaS Amt des ersten Schriftführers übernahm Herr Sanitätsrat Tr. Maren sc, dasjenige als zweiter Herr Leichtentritt. 'Nach der Erledigung des WahlgeschäftS gelangte zunächst ein Schreiben des Rabbiners Tr. Ungerleider zur Verlesung, in welchem derselbe der Versammlung für die ihm gelegentlich seines 25 jährigen Tienstjubiläums erwiesene Ehren-Kundgcbungen seinen Tank ausspricht. Die dann folgenden eigentlichen Verhandlungen nahmen einen flotten Verlaus, erbrachten jedoch keine Fragen von größerer prinzipieller Bedeutung. Tie nach den Ausführungen des Vorsitzenden durch Ablauf der Zeit eigentlich nicht mehr zu Recht bestehende Petitions-Kommission fand ihren Rechtsboden wieder, indem zu den bisherigen Mitgliedern derselben, welche mit Ausnahme eines Herrn, der zmn Vorstände übergetreten, wiedergewühlt wurde, mährend an Stelle des Ausgeschiedenen Herr Stadtrat Tr. Weigert trat. Tie Kommission besteht demnach aus den Herren Sanitätsrat Tr. Boas, SanitätSrat Tr. B l u m e n t h a l, G. Löwe n b erg, Sanitätsrat Tr. Kirstein und Stadtrat Dr. Weigert. Auch dem Finanzausschüsse gehört der letztgenannte Herr an neben den Herreit Maurermeister F r ä n k e l, Heilmann, Louis und Leonhard Sachs und Martin Simon. Als schönste Vorlage der Sitzung wurde der Versammlung ein Testament zur Annahme vorgelegt, in welchem Herr Louis Aron und besten Gemahlin der jüdischen Gemeinde ein Kapital von M. 70,000 mit der Maßgabe vererbt, daß die Zinsen dieses nie angreifbaren Kapitals unheilbaren Kranken der Gemeinde zu Gute kommen sollen. Die Annahme wurde selbstverständlich genehmigt. An Ausgaben wurden bewilligt M. 150 pro Quartal zur Leitung des Gottesdienstes an den Wochentagen, sowie M. 429 zur Beschaffung neuer Bänke in der Präparandenklaffe der jüdischen Lehrerbildungsanstalt. Ter letzte Gegenstand der Tagesordnung betraf die Vermietung der Plätze in der Lindenstraßen-Synagoge, welche das erfreuliche Resultat ergab, daß in diesem Jahre ein Plus von M. 1558, mithin eine Einnahme von M. 37,698 erzielt worden ist. Gelegentlich der Besprechung dieser Position wurde angeregt, die Frauensitze, nach welchen der Nachfrage nicht genügt werden konnte, nach Möglichkeit zu vermehren, während Herr Ruß bemängelte, daß Fremden in dieser Synagoge Stuhlsitze zu ermäßigten Preisen eingeräumt worden seien. 'Nachdem der Vorsitzende noch bemerkt, daß im Schoße des Gesamtvorstandes die fernere Vermietung derartiger Sitze für die Folge als unthunlich erachtet morden fei, wurde die Sitzung geschloffen. — r. — Am 13. d. M. mittags 12 Uhr findet im Sitzungssaale der Repräsentanten eine Festsitzung zu Ehren des Vorftandsvorsitzenden Hrn. Justizrat Meyer statt. Zu dieser Sitzung sind besondere Einladungen an die Herren gesandt worden, die ein Ehrenamt in der Gemeinde bekleiden. — Ter „Gemeindebund" versandte neulich 'Rr. 39 seiner „Mitteilungen". Dieselben bringen eine wiederholte Aufforderung an die Gcmeidcvorstände um Angaben über den in verschiedenen Gemeinden bezüglich der anunb abziehenden Mitglieder angewandten Besteuerungsmodus, ferner die Statuten der Herrheimer- Stiftung, Mitteilungen über außerordentliche Zuwendungen, über die Bibliothek, welche jetzt 5200 Bünde umfaßt, über die Thätigkeit des Ausschusses, einen Bericht über das Borstcherjubiläum des Herrn Rechtsanwalt Lehmann, Dresden, und schließlich Nekrologe. H

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