Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1895)
- Issue
- 2 (11.1.1895)
- Date
- 1895-01-11
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 26. JescHururr. Nr. 2. Mordachaj Jurborg besaß eine reizende Tochter mit schönen, dunklen Augen und klassischen Zügen — nach dieser mars er alle seine Netze aus. Diirjam hieß das liebliche Geschöpf, die jetzt der Gegenstand seiner glübendsten Schwärmerei wurde, und die er nun, so oft es anging, in ein Gespräch hineinzog und an sich zu fesseln suchte. Das ahnungslose, unschuldige Mädchen sah nichts Arges darin, mit dem Gaste, der ein anständiger Kaufmann zu sein schien und vielerlei zu erzählen mußte, zu plaudern. Er bewegte sich anfangs ganz in den Grenzen des Anstandes, und da sie, während er mit ihr sprach, zumeist mit einer Arbeit beschäftigt war, entgingen ihr die zärtlichen Blicke, die er ihr dabei zuwars. Mirjam war, wie er gesprächsweise erfuhr, bereits verlobt, sie war die Braut eines Moskauer Kaufmannes, mit dem sie in einigen Monaten ihre Hochzeit feiern sollte. Daran kehrte sich aber der edle Kochanski wenig, der stets blind seiner Leidenschaft, niemals aber der Stimme des Gewissens folgte. (Fortsetzung folgt.) Alrrandn in Judäa. Auf seinen Zügen durch die Morgenlande Kam Alexander auch mit seinem Heer, Dem sieggewohnten nach des Jordans Strande. Da zogen mit Geschenken reich und schwer, Judäas Bölker eilig ihm entgegen, Deß Ruhm erschollen über Land und Meer. Doch wollt er sich zum Frieden nur bewegen, Wenn sie sein Bild im Tempel ausgestellt, Bor diesem betend auf die Knie sich legen, Wie sie cs thateu vor dem Herrn der Welt; „Wo nicht, — so spricht er, — will ich schnell zerstören Den heil'gen Tempel und was er enthält Das ganze Land zur Wüstenei verheeren. Wenn unerfüllt Ihr lasset mein Gebot!" Ta nahen ihm die Priester: „„Unsre Lehren, O großer König, künden uns den Tod, Wenn wir zu einem andern Gotte flehen In unsrer Freude wie in unsrer Rot."" „Woran denn sonst ihr Störrigen, soll ich sehen, Daß ihr als einen Herrscher mich verehrt?!" Rust Alexander, und die Armen stehen Bon seinen Zorncsblickeu ganz verstört: So soll ein fremdes Bild den Tempel schänden Des Gottes, der den Vätern sich bewährt? — lind zu den Aeltsten ihres Volkes wenden Tic greisen Priester sich beratend hin, Ob sie in Eile wohl ein Mittel fänden, Zu beugen Alexanders harten Sinn. — Bald kehren sie zum Mächtigsten der Erde: „„Was bringt Dir unser Elend für Gewinn? Was frommt es Dir, wenn Judas kleine Herde Du, Großer, niedertrittft in tiefen Staub? Daß zum Gespött sie bei den Völkern werde. C, gieb uns der Verzweiflung nicht zum Raub! Erwirb dir noch zu Deinen Siegeskräuzen Des heil'gen Lelzweigs immer grünes Laub! — Dein Bild darf nicht in uw'erm Tempel glänzen, Wo wir beschworen unsrer GotteS Bund, Wo wir der Dpfer heil'ges Blut kredenzen —, Doch geben wir durch andre Zeichen kund. Daß wir als großen König Dich verehren. Daß Frieden uns ertönt' auS Deinem Mund: Die Knaben, so die Frauen uns gebären, Die jetzt mit schwangrem Leib gesegnet sind, Sie sollen nur auf Deinen Namen hören, Und Alexander heiße jedes Kind. Das schwören wir! — Dann lebt Dein Nam' auf immer. Getragen durch Aeonen wie im Wind, Zu unsren spätsten Enkeln, bis in Trümmer Die Welt und ihre Sonne einst zerstäubt; Und ewig neu glänzt Deiner Thaten Schimmer Wenn man den Namen Alexander schreibt!""- Da lächelt ihnen zu mit Göttermilde Der große Held und spricht: „M ein Name bleibt! Doch thut also; dann braucht vor meinem Bilde Ihr nicht zu flehen. Nur haltet Schwur und Wort!" Er sprach's, verlassend Israels Gefilde, Und zog zu neuen Siegen rastlos fort. L. K. Der Judentum. Die „Rordhäuser Zeitung" schreibt: Bei Gelegenheit der Besichtigung von zu einem Schulneubau geeigneten Plätzen in unserer Stadt ist, wie bekannt, auch der Rähmenplatz in Frage gekommen und dabei erörtert worden, daß derselbe durch Abbrechung des Judenturms und der von ihm auslausenden Mauer sich recht wohl noch beträchtlich vergrößern lassen werde. Dies hat das allgemeine Interesse auf diese, vielen ganz unbekannte Gegend unserer Stadt gelenkt, und wir geben über die Lertlichkeit deshalb folgende Mitteilungen. 1356 wird zum ersten male „das alte Judenhaus in der Hütergasie" erwähnt. Der Judenfriedhof befand sich damals auf dem Rühmen, und zwar wahrscheinlich in der Ecke beim jetzigen Judenturme. Hier wird also auch die bekannte Verbrennung der hiesigen Juden im Jahre 1349 vor sich gegangen sein. Der Rähmenplatz hieß damals Löseberg. Auf einem Teile des Platzes waren bereits 1456 auch Rahmen zum Trocknen des Tuchs aufgestellt, und zwar auf der Seite nach dem Tuchmachergildehause, welches minder jetzigen Frauenberger Stiege lag. Daher der Ramc „^uchrähmen" und später kurzweg „Nähmen." Die zweite (äußere) Stadtmauer zwischen dem unteren Rautenthore und der Mauer, welche von dem Thorturme an der Fraucnberger Stiege hinüberlies, scheint weit älter, als der an ihr gelegene Judenturm, dessen Erbauung man etwa in das Jahr 1840 zu setzen hat. Die an ihm eingemaucrten vier jüdischen Grabsteine sind älter, und also wohl dem dortigen Judensriedhofc entnommen und in das Mauermerk des Turmes eingesetzt. Sie stammen aus den Jahren 1416—1438, und sind wohl die ältesten jüdischen Grabsteine im ganzen mittleren Deutschland. Die Inschriften lauten in Uebersetzung: 1. (Juli 1416) „Diesen Stein, welchen ich gesetzt habe als ein Denkmal, wurde errichtet zu dem Haupte des Herrn Joseph, des Sohnes des Herrn Salomo, des hier Begrabenen, am 1. Tage, dem 17. des Monats Tamus, des Jahres 176 nach der Zählung