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Jeschurun · 1895-01-11 · 2 (11.1.1895) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1895)
Issue
2 (11.1.1895)
Date
1895-01-11
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2. Z e f ch ir r ir rr. Seite 23. seine Zeitgenossen nach der damaligen Bildersprache diesen Vers. Gleich einem würzbeladenen Kaufherrn steigt Rabbi Elieser mit einem wohlduftenden Namen von der Wüste dieser Erde auf zum Himmel, denn er war ein Gelehrter und Lehrer in den Schriften des Judentums, ein Dichter und Prediger auf der Stätte der Belehrung und Erbauung (Karja we-tanja u-paiton we-darschon). Dr. Jellinek war ein selten großer Gelehrter und ist durch seine vielfachen und weitverzweigten Kenntnisse im Bereiche des jüdischen Schrifttums der Lehrer von Tausenden geworden, die aus seinen Werken, die weit über Hundert zählen, sich belehrten, Anregung fanden, Gedanken holten und Wissen schöpften. Daß er dies werden wird, versprach er schon als Kind, das als Wunderkind galt. Denn schon in zartester Jugend hatte er eine Fülle jüdischen Wissens in sich ausgenommen, und zu seinem 13. Jahre konnte er bereits die damals berühmte Jeschiba des großen Talmudisten und scharfsinnigen Kasuisten Moses Wannefried beziehen, wo sein ungewöhnlich scharfer Geist Aufsehen erregte. Wenn der jüngste Bachur Aron Jellinek eine Frage an seinen Rabbi richtete oder eine schwere Frage desselben sofort beantwortete, ruhten die Augen der großen Jüngerschar auf dem schwachen Jüngling und sie staunten über seinen aufblitzenden Geist und sein durchdringendes Denkvermögen. Wie es von der Geburt Moses nach agadischer Erklärung heißt: Die Mutter sah, daß das Kind schön sei, denn gleich nach seiner Geburt füllte ein ungewöhnliches Lichtmeer das Haus, so brach bereits in Jellinek's Kindheit und Jugend jenes seltene Geisteslicht hervor, welches später immer größer und stärker das Judentum und die jüdische Wissenschaft durchströmen sollte. Und der Mann hielt, was das Kind versprach: Aron Jellinek ist ein Hohepriester der jüdischen Wissenschaft geworden, einer der vornehmsten und erleuchtetsten Geister, ein klarer Denker, ein tiefer Forscher, ein kräftiger und unermüdlicher Träger der Thora, ein hochansehnlicher Gelehrter, Lehrer und Vertreter des Judentums, dessen geistiger Einfluß weit reichte, vor dessen wissenschaftlicher Autorität die jüdische Welt sich beugte und dessen Wort überall das größte Gewicht und die ungeteilteste Anerkennung genoß. Als Gelehrter und Lehrer hat Dr. Jellinek nicht nur das jüdische Schrifttum mit seltener Hingebung gehegt und gepflegt, die jüdische Litteratur mit unvergänglichen Schöpfungen bereichert und mit eigenen großen Kosten gefördert, sondern er war darin ein Schatzgräber und entdeckte Goldminen des Geistes, die Jahrhunderte vor ihm unbekannt waren, verborgen und unverwertet lagen. Durch die Gediegenheit und Gründlichkeit seiner biblischen und talmudischen, historischen und philologischen, literarischen und biographischen, philosophischen und theologischen Kenntnisse fand er im biblischen und talmudischen, historischen und philologischen, litterarischen und biographischen, philosophischen und theologischen Kenntnisse fand er im biblischen, talmudischen und nachtalmudischen Schrifttum neue Gedenksätze und Geistesquellen, die er zum Ruhme des Judentums und dessen Denker veröffentlichte und verbreitete. Mit ungeheuren Opfern an Geld und Mühe erwarb er alte Manuskripte aus früheren Jahrhunderten, um sie zu edieren und dadurch der jüdischen und nichtjüdischen Welt zu zeigen, welchen Reichtum an Wissen und Kenntnissen aller Gebiete alte jüdische Werke enthalten. und wie das geistige Leben, das litterarische Schaffen, das auf der Höhe der Zeit stehende Denken und Erkennen, auch in der Vergangenheit des Judentums nicht stille stand und lebendig pulsierte, selbst wenn der Druck der Zeit, die geistige Schlaffheit und Niedrigkeit der Umgebung den jüdischen Geist hätte beugen, erdrücken und verfinstern können. Jedoch hat er nicht nur verschollene Geiftesschäße an den Tag gebracht und den Freunden der Wissenschaft zugänglich gemacht, sondern war selbst ein fruchtba'.er und geistvoller Schriftsteller, produzierte neues aus altem, schuf neue Gedanken, entwickelte neue Ideen, stellte neue Grundsätze auf zum Verhältnis von Bibel und Talmud, bahnte neue Wege zum Eindringen in die litterarische Arbeitsstätte jüdischer Denker, zur Aufhellung der Geschichte, zur Erkenntnis des Entwickelungsganges des Judentums und zur Beleuchtung des Seelenlebens seines Volkes, für dessen Glauben, dessen Litteratur, dessen Ehre, dessen Beruf unter den Völkern er eine grenzenlose Begeisterung besaß und in Wort und Schrift hingebend thätig war. Die Iu-rn von öerlin zu Ende des vorigen und Anfang des jetzigen Jahrhunderts.*) Von V. Simon, Posen. Seine litterarische Bedeutung verdankt Berlin zunächst Lessing und Mendelssohn. Erft seit beide (1757) die berühmten Briefe über die Litteratur Herausgaben, strömten die deutschen Gelehrten und Schriftsteller dahin; allein öffentliches, soziales und wissenschaftliches Leben wurde da noch lange vermißt. Die Klasse der Großhändler, der Finanzen, wie man heute sagt, war einesteils noch gar beschränkt an der Zahl, andererseits hielt sie sich nach altväterlicher Weise, auf das Hauswesen beschränkt; ein eigentlicher Mittelstand bestand noch garnicht und fing eben an, sich zu bilden und suchte im Wirtshaus oder in der Tabakskneipe seine Erholung; der Beamte starb mit seinem erbärmlichen Gehalte Hungers oder war eine reine Arbeitsmaschine der Büreaukratie geworden, sofern er nicht dem Adelstande angehörte, wo er dann in strengster Abgeschiedenheit von seinen bürgerlichen Kollegen lebte; die hohe Aristokratie, ebenso stolz wie unwissend, blickte auf die Wissenschaft und ihre Vertreter als weit unter ihr stehend, hochmütig hinab. Am Hof war es traurig; Friedrich II., ohnedies ganz und gar der französischen Litteratur zugewandt und die deutsche Sprache als ein barbarisches Idiom verachtend, zeigte sich in späteren Zeiten kaum mehr außerhalb seines lieben Sanssouci, und die Königin lebte getrennt zu Schönhausen; auch wurde es nicht besser, als (1786) Friedrich Wilhelm II. den Thron bestieg. Das Verdienst, diesen zerfahrenen Elementen einen sozialen Mittelpunkt gegeben zu haben, gehört zum Teil einem Juden: Mendelssohn. Schwächlichen Körpers, mißgestaltet, arm — so kam er als vierzehnjähriger Junge nach Berlin, wo der jüdische Vorstand (1750) kurz nach seiner Ankunft einen jüdischen Knaben aus der Stadt vertrieb, weil er — im Aufträge eines Christen, ein deutsches *) Nach ungedrucktcn Duellen bearbeitet.

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