Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1895)
- Issue
- 1 (4.1.1895)
- Date
- 1895-01-04
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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“9^: i. Jefchirrurr. Seite 13. mit Eigensinn verwechselt werden. „Bin ich nur für mich, was bin ich dann, Selbständigkeit setzt Gründlichkeit voraus, ernstes Eingehen auf die Grundwahrheiten des Talmuds, wozu uns der Ernst der Zeit auffordert. „Wenn nicht jetzt, wann denn." — Nachdem Herr Volk mann m a. der Muse des Sanges gehuldigt hatten, ging die Festversammlung in gehobener Stimmung auseinander. h. — Zu unserer Mitteilung, daß der Gemeinde-Bund in den Osterferien die Delegierten des zu begründenden Lehrerbundes zu einer entscheidenden Beratung einladen werde, bemerkt ein auswärtiges Blatt in nicht mißzuverstehender Absicht: „ ... Es wäre wohl an der Zeit, daß die israelitischen Lehrer sich aufrafften, und ohne jede Beeinstussung und Bevormundung fremder Kreise, einmütig eine Vereinigung deutscher Lehrervereine schaffen würden. Nur so können sie ihre Selbständigkeit, die augenblicklich sehr gefährdet erscheint, wahren. Die Zersplitterung, die eben herrscht, läßt von allen Seiten Sonderinteressen hervortreten, die mit den Interessen der israelitischen Lehrer nichts gemein haben." — Wir können zur Beruhigung der Leser jener Zeilen auf Grund vertraulicher aber authentischer Angaben mitteilen, daß von einer Gefährdung der Selbständigkeit der Lehrer oder gar von einer Bevormundung derselben nicht die Rede sein kan n. Anderenfalls wären wir die letzten, die dazu geschwiegen hätten, wie wir die einzigen waren, die der ersten Mitteilung über das Eingreifen des Gemeindebundes nicht ohne Vorbehalt beigestimmt haben. — Am 1. d. M. waren 40 Jahre verstrichen, seitdem der vielbekannte Syndikus der jüdischen Gemeinde, Herr Sekretair Ph. Wertheim, sein mühe- und ehrenvolles Amt hier übernommen hat. — Am Mittwoch, den 26. Dezember veranstaltete das Mädchenstift, Münzstraße 23, das die Heranbildung von weiblichen Dienstboten zum Zwecke hat und durch die neulichen stürmischen Debatten in der Repräsentanten-Versammlung in den Vordergrund der Gemeindeangelegenheiten gerückt wurde, eine feierliche Chanukkabescheerung in Gegenwart zahlreich erschienener Damen statt. Nicht blos die jetzigen Jnstitutszöglinge, sondern auch die bereits entlassenen und in Stellungen befindlichen Mädchen wurden bedacht. Nach einer sehr warmtönigen, zu Herzen gehenden Ansprache des Herrn Direktors Dr. Strelitz wurden den Mädchen die in Wäschestücken, Winterkleidern und Gebetbüchern bestehenden Chanukkageschenke überreicht. Helle Freude huschte über die fröhlich erglänzenden Gesichter der Beschenkten, eine Freude, die durch die innige Teilnahme der anwesenden Ehrendamen erhöht und gesteigert wurde. Tr. *m. Der Verband israelitischer Wohlthätigkeits-Vereine und Stiftungen in Hamburg hat seinen Jahresbericht für das Jahr 1893 veröffentlicht. Danach gehörten Ende 1893 schon 24 Vereine dem Verbände an. Der Jahresbericht konstatiert, daß gerade in letzter Zeit sehr viele Vereine Einbuße an Mitgliedsbeiträgen erlitten haben, sowie daß unter Berufung an die schlechte Geschäftslage manche Mitglieder den Austritt angemeldet haben, während wiederum gerade infolge der schlechten Zeiten die Vereine mehr als sonst in Anspruch genommen werden und deshalb um so mehr auf Eingänge angewiesen sind. Werden aber erst die Reservekapitalien der einzelnen Vereine angegriffen, so liegt die größte Gefahr für ihr Fortbestehen vor. Es fanden außer diversen Ausschußsitzungen fünf Delegierten-Versammlungen des Verbandes statt. * r. Der Rechenschaftsbericht des „Vereins zur Unterstützung der Witwen uud Waisen armer israel. Lehrer und Vorsänger Württembergs" liegt uns vor. Derselbe enthält zunächst" einen sehr warm gehaltenen Nekrolog, der dem Begründer des Vereins, dem verstorbenen Oberlehrer Leopold Liebmann zu Anshausen gewidniet und von dem VereinSvorstande unterzeichnet ist. Ueber den sonstigen Verlaus des abgeschlossenen Jahres bemerkt der Vorstand, daß der Mitgliederstand sich auf seiner Höhe erhielt und wie seither alle israel. Lehrer und Vorsänger des Landes umfaßt. Auch die Teilnahme der württemb. israel. Gemeinden und die Unterstützung der Gönner und Freunde blieb dem Verein ungeschmälert treu. Mit ehrfurchtvollstem Danke verzeichnet er vor allem das gnädige Interesse Seiner Majestät des Königs und die fördernde Huld Ihrer Majestät der Königin, deren sich der Verein wieder erfreuen durfte. Und so war er in der glücklichen Lage, abermals den reichen Betrag von über 1800 Mark an Unterstützungsgaben verteilen und dabei noch eine ansehnliche Summe seinem Grundstock zuführen zu können. In den Septembertagen beteiligte sich der Unterstützungsverein an dem ehrenvollen Dienstjubilämn seines treuen Mitglieds N. Hühnlein, Lehrers und Vorsängers in Hall. Die Vereinsversammlung am 15. Mai d. I. im Hotel Eisig in Stuttgart mußte sich durch den gleichzeitig stattfindenden Lehrertag die Einengung auf die notwendigsten Verhandlungsgegenstände gefallen lassen; sie beschränkte sich im wesentlichen auf die Kenntnisnahme des Jahres- und Kassenberichts per 1893/94. Anwesend war zum ersten Male Herr Kirchenrat Dr. Krön er, der dem Verein den Ausdruck wärmster Teilnahme übermittelte. — Wir wünschen dem Verein auch fernerhin den besten Erfolg. * 2 An der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) in Frankfurt a. M. wird eine Aenderung im Unterrichtsplan vorbereitet, die allgemeines Interesse erwecken dürfte. Die schon seit langen Jahren beabsichtigte Aufhebung des Sonntagsunterrichts soll numnehr erfolgen, und zwar wird der bisher am Sonntag erteilte Unterricht auf den Mittwoch-Nachmittag und Samstag zu solcher Zeit verlegt werden, in der kein Gottesdienst stattsindet. Der Samstagsunterricht wird nur solche Gegenstände betreffen, in denen auch nach streng religiösen Vorschriften unterrichtet werden darf. Durch diese Maßnahme wird es nun endlich gelingen, die großen Schwierigkeiten, die bisher aus dem Sonntagsunterricht erwuchsen, zu beseitigen. Vorstand und Ausschuß der israelitischen Gemeinde haben bereits diesen Beschlüssen des Schulrats zugestimmt. Die Schule wird noch eine Rundfrage an die Eltern der Schüler richten, tun auch deren Ansicht zu hören, die voraussichtlich bejahend ausfallen wird, da es sich um eine die kommende Generation fördernde Maßregel handelt. — Hier in Berlin ließe sich eine solche Maßregel in den jüdischen Schulen infolge der ungeheuren Weitläufigkeit der Stadt nicht durchführen. * na. Die Notwendigkeit einer anderweitigen Regelung des jüdischen Religionsunterrichtes, die wir an einer anderen Stelle diefes Blattes bereits betont haben, ist in der Provinz Hannover erfreulicherweise die Ursache einer Verfügung geworden, welche dem laisser faire in Sachen dieser Disziplin, soweit es den jüdischen Religionsunterricht betrifft, einen Riegel vorschiebt. Von besonderem Interesse ist in dieser Verfügung der folgende Satz, den wir voll unterschreiben können: „So wünschenswert es sein würde, wenn