Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 30 (28.7.1893)
- Date
- 1893-07-28
- Page
- Seite 479 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 479. Nr. 30. I e f ch u und wollen heute nur in Kürze bemerken, daß der Hauptgrund der Teilnahmlosigkeit der war, daß die Gattin und dre Söhne des Verstorbenen, (der eine Sohn ist Amtsgerichtsrat in Hirschberg, der zweite Prokurist bei Bleichröder, der dritte Direktor der Edison-Gesellschaft, der vierte ist in einem großen Bankgeschäft in London) sich eine größere Beteiligung verbeten haben, bezw. keine Einladungen ergehen ließen. Dies ist darauf zurückzuführen, daß der Vorstand von Breslau nach dem Ableben des sel. Deutsch der Frau aufgetragen hatte, die so viele Jahre innegehabte Wohnung zu räumen und ihr eine Pension von 500 Thalern anbot. Gerechterweise war die Frau Deutsch über ein solch' undarkbares Vorgehen entrüstet, räumte die Wohnung und verzichtete auf die 500 Thaler Pension. Wenn man nun bedenkt, daß der sel. Deutsch über 40 Jahre in der Breslauer Gemeinde gewirkt, und so gewirkt, so wird man das Vorgehen der Frau Deutsch berechtigt finden! Dies war also der Dank für das epochale Wirken ihres geliebten Gatten!? Was sollen erst kleine Gemeinden thun, wenn eine Gemeinde wie Breslau die Manen ihres verstorbenen, hochgeachteten und allgemein beliebten Kantors so ehrt?! * In der Straße Cadet in Paris wird bis zu den kommenden Herbstfeiertagen eine neue Synagoge eingeweiht und zwar soll darin der Gottesdienst in alter Form, ohne Chor und Musik, abgehalteu werden. Die Kosten sollen durch freiwillige Gaben gedeckt werden. * g. Den 20000 Franes-Preis der Pariser Akadeinie der Inschriften wurde nach fünf Abstimmungen dem Philologen Darmestetter, einem Juden, erteilt. * Am 13. d. M. verschied nach längerem Leiden der allgemein hochgeachtete Revd. Kayser in London, welcher dreißig Jahre lang als Kantor und Sekretär der Hanpt- Svnagvge Dukes-Place fungierte, aber in folge seiner geschwächten Gesundheit schon ea. l0 Jahre außer Funktion trat. Der selige M. Kayser war ein geborener Holländer, ein Chasan alten Styls, genoß die Achtung und Liebe der ganzen Gemeinde. * Die sephardische Gemeinde in Sofia hielt eine größere Versammlung ab, um über die Schulangelegenheit zu beraten und fand es für zweckmäßig der Regierung die schlechte Lage der Gemeindeverhältnisse vorzutragen, um dieselbe zu veranlassen, die jüdischen Kinder in ihre Staatsschulen aufznnehmen. Die Zahl der jüdischen Schüler beträgt 1230, welche bis nun ein Jahres-Budget von 32000 Frcs. erforderten. Die Summe soll nun der Regierung zur Last fallen, statt der 8000 Frcs., die sie der jüdischen Gemeinde aus den Schulsteuern zuzuweisen pflegte Es wird sich nun zeigen, ob die Regierung in diese Mehrbelastung willigen wird, andernfalls muß dieselbe eine adaequate Subvention erteilen. Ob aber das Judentum dabei gewinnen wird, wenn die Regierung die Verpflegung der jüdischen Kinder mit Unterricht in der bulgarischen Sprache übernimmt, möchten wir sehr bezweifeln. Die Spaniolen haben alle Ursache ihren bis nun leider sehr verfehlten Lehrplan völlig umzugestalten und den Unterricht in jüdische Bahnen zu lenken, wenn Anders ihnen das Judentum noch am Herzen liegt. Geschieht dieses nicht, so wird die nächste Generation dem Christentum als billige Beute der burd) ihre staatliche Macht imponierenden orthodoxen Kirche zufallen. * Die israelitische Bevölkerung Surinams (Holl. Guyana beträgt 1500 Seelen; die Hälfte derselben ist r u n. Krspanischen Ursprungs und scheint von den Juden herzustammen, die Spanien bewohnt haben und sich nach Guyana gerettet, um der Inquisition zn entfliehen; die andere Hälfte ist holländischen Ursprungs und seit langer Zeit im Lande ansässig. Die Mehrzahl gehört dem Handelsstande an und genießt einen vorzüglichen kaufmännischen Ruf. Einige Portugiesen nehmen öffentliche Stellungen ein, besonders im Richterstand, oder haben einen wissenschaftlichen Beruf, wie die Medizin, die Advokatur rc. Ohne daß sich unter ihnen große Reichtümer befänden, besonders seit der Aufhebung der Sklaverei, leben sie alle im Wohlstand und nehmen von der Regierung keinerlei Hülfe an, um die wenigen Armen, die sich unter ihnen befinden, zu unterstützen. Sie besitzen zwei Synagogen, die eine wird ausschließlich von nach portugiesischem Ritus lebenden Israeliten besucht, die andere von denen, die dem deutschen Kultus folgen. Diese Teilung soll nicht etwa bedeuten, daß irgend welches Mißverhältnis unter den Mitgliedern der Gemeinde herrsche. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit ist dort vielleicht lebhafter und ausgesprochener entwickelt, als in Europa. Personalien: Herr Lehrer Dreifuß ist von Schweich nach Andernach übergesiedelt; Herr Lehrer Höxter aus Reiskirchen ist nach Flonheim; Herr Kantor Schreiber von Reetz nach Grätz; Herr Lehrer Cohn von Arnstadt nach Driesen versetzt. Maimonides. Historische Erzählung von Dr. M. Dessauer. (Fortsetzung.) „Zu dem Satze im ersten Kapitel der Sprüche Salomos: „Um zn verstehen Gleichnis und Lehrspruch, die Worte der Weisen und ihre Rätsel," bemerkt ein Gelehrter, die Schriftworte waren vor dem Auftreten Salomos mit einem Brunnen zu vergleichen, dessen kühlendes Wasser so tief lag, daß kein Mensch dazu gelangen konnte. Was ist da zn thun? Man bindet Strick an Strick, Schnur an Schnur, schöpft herauf und trinkt. So ging Salomo von Bild zu Bild, von Gedanke zn Gedanke, bis er dem Sinn der Schrift auf den Grund kam. Die Rabbiner: sagen: Wenn jemand einen Edelstein in seinem Hause verliert, so darf er nur einen Docht von geringem Werte anzünden und er findet den Edelstein. Ebenso ist das Gleichnis an sich unbedeutend, allein man gelangt dadurch zur Einsicht in die oft dunkeln Worte der Schrift. Welchen Wert hat der Edelstein im Hanse, wenn er verschwunden und seine Stelle unbekannt ist? Man kann ihn aber, wie gesagt, finden, wenn man ein Licht anzündet. Damit hat allerdings das Gleichnis eine treffende Ähnlichkeit. In dieser Beziehung spricht der Weise: Wie goldene Äpfel in durchsichtigen, silbernen Schalen, so ist ein Wort, geschickt ausgedrückt. Wie trefflich bezeichnet dieses Bild das kunstgerechte Gleichnis! Es will nämlich sagen, daß bei jedem Worte, das einen offenen und einen geheimen Sinn hat, der offene so gut wie Silber, der geheime aber noch besser als der offene sei, so daß jener sich zu diesem wie Gold zu Silber verhalte, der offene Sinn jedoch so beschaffen sein müsse, daß er den Betrachtenden ans den liefern hiuleite, so wie es mit dem in einem fein durchbrochenen, silbernen Netze liegenden goldenen Apfel der Fall ist. Sieht ihn nämlich jemand