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Jeschurun · 1893-07-28 · 30 (28.7.1893) · p. Seite 472

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
30 (28.7.1893)
Date
1893-07-28
Page
Seite 472 (sequence 6)
Language
German
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Seite 472. Nr 30. I e sch n und Prediger: Aub, Auerbach, Chorin, Friedländer, Gutmann, Kohn, Maier, Mannheimer, Philippson, Stein. Die unbefangene Geschichte wird zwar einerseits einräumen, daß die innerhalb der Grenzen der Hamburger Liturgie sich bewegenden gottesdienstlichen Reformen mit den talmudischen Kultusnormen wohl in Einklang zu bringen seien, sie wird aber anderseits auch nicht unterlassen, hervorzuheben, daß es verlorene Mühe wäre, den Geist, der in diesen Normen einen getreuen Ausdruck findet, mit dem Geiste zu versöhnen, der jene Reformen ins Leben rief. Die Kultusreform setzt in diejenigen Gemeinden, denen sie sich empfieblt, einen gewissen Grad allgemein menschlicher Bildung voraus, und sie stellt sich im Sinne der Erhaltung der väterlichen Religion die Aufgabe, der öffentlichen Gottesverehrung nach Inhalt und Form eine Einrichtung zu geben, welche geeignet ist, einen gebildeten Geist und einen geläuterten Geschmack zu befriedigen. Nun ist es aber gerade das jedes Gelingen einer Kultusreform bedingende Moment der Bildung, welchem die Orthodoxie jede Berechtigung abspricht, über die Art und Weise, wie ein religiöses Bedürfnis zu befriedigen sei, ein Votum abzugeben. Hieraus erklärt sich die merkwürdige Erscheinung des Widerstandes, welchen die Orthodoxie von altem Schrot und Korn der Synagogenreform leistete, während den kabbalistischen Reformen, die in manchen nicht unwesentlichen Stücken mit den neuern liturgischen Verbesserungen kongruieren, selbst von vielen Koriphäen der talmudischen Halacha aller mögliche Vorschub geleistet wurde. Dieses Rätsel findet seine Lösung nur in dem Umstande, daß die beifällig aufgenommenen Reformen die ehrwürdige Kabbala zur Mutter hatten, vor der man in Demut das Haupt beugte, den verketzerten Neuerungen hingegen die neueuropäische Bildung diente, die man verstopfen wollte, damit der ihr entspringende Strom den Garten der Orthodoxie nicht überflute. Nichtsdestoweniger haben auch die kabbalistisch-liturgischen Reformen gelehrte Kontroversen und leidenschaftliche Streitigkeit hervorgernfen, welchen trotz ihrer unverkennbaren Analogie mit der Polemik der neuern Zeit weder in jüdischen Geschichtswerken, noch in den einschlägigen Streitschriften die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Die Streichung der meisten Pijutim nach dem Vorgänge „älterer Rabbiner in Polen und Italien" als wünschenswert erklärend, erwähnt Zunz, daß die Chassidim in dieser Beziehung längst einige Änderungen getroffen haben; und die Reformen in Deutschland vom orthodoxen Standpunkte tadelnd, erzählt Pteßner: „Was unsere deutschen Verbesserer jetzt erst fühlen, das fühlte längst ein Teil unserer Mitbrüder in Polen. Auch ihnen war der ganze Betrieb des Gottesdienstes viel zu mechanisch, zu kalt, zu tot und herzlos, und auch sie suchten, wenn auch auf anderem, dem Judentums mehr natürlichen Wege, Erbauung zu wecken, sie suchten mehr Wärme und Herzlichkeit in den Gottesdienst zu bringen." Hierauf reduziert sich so ziemlich alles, was in neuester Zeit über kabbalistisch-liturgische Reform berichtet wurde. Wir glauben daher .nichts überflüssiges zu thun, indem wir in folgendem einen neuen Beitrag zur Geschichte der Synagogenreform zu liefern versuchen. (Fortsetzung folgt.) r u n. Katheder und Kanzel. Protokoll -er am 23. und 24. Mai 1893 im Saale -es Restaurateurs Ifatk zu Hannover stattgefun-enen 29. Versammlung -es Vereins jüdischer Hehrer in -er Provinz Hannover. Erste 8ißung, Kiefing «len 23. Rai nMiiüAgb 4 Ar. (Schluß.) Der Vorsitzende spricht dem Herrn Referenten für seinen sehr interessanten und fesselnden Vortrag den Dank der Versammlung aus und stellt die Frage, ob eine Diskusston beliebt werde. Die Mehrheit verlangt ein solche. — Zunächst erhält das Wort Reuß-Neustadt-Gödens. Derselbe giebt Aufschluß über die Entstehung seines Vortrages und führt bittere Klage darüber, daß die Anstalt, die er besuchte ihn zur Erteilung eines methodischen Religionsunterrichts nicht befähigt habe. — Seine Information, namentlich darüber, ob theoretische und praktische Methode gelehrt werde, habe er sich bei einer großen Anzahl von Lehrern geholt, die aus den bestehenden Bildungsanstalten in Deutschland hervorgegangen. In Würzburg und Köln sei es damit noch schlecht bestellt. Er freue sich, aus dem Vortrage des Referenten entnommen zu haben, daß inzwischen vieles besser geworden sei. Die dem Hebräischen gewidmete Stundenzahl sei in einigen Seminaren ganz ungenügend. Selig-Emden bemerkt, daß er den Vortrag des Herrn Reuß, den er im vorigen Jahre in einer Spezialkonferenz im Landrabbinatsbezirk Emden gehalten, als zu kraß schildernd beurteilt habe. Stern-Hildesheim erklärt, keine spezifisch jüdische Didaktik und Methodik zu kennen, ebensowenig, wie es spezifisch christliche gebe. Wenn nur die Grundsätze und Regeln der allgemeinen Didaktik und Methodik auch bei dem Unterricht in den hebräischen Fächern zur Anwendung kämen, so sei dies völlig artsreichend. Redner betont ferner, daß die erhobenen Vorwürfe das jüdische Lehrerseminar zu Kassel nicht treffen. Die Zahl der in der Hannoverschen Lehrerbildungsanstalt für das Schächtfach angesetzten Stunden findet er zu hoch, da er nicht begreife, wie zur Erlernung dieses Faches ein zweijähriger Kursus notwendig sei. Den Unterricht in einer fremden Sprache wünscht er nicht hauptsächlich wegen des spätern Erwerbes, sondern wegen der durch einen solchen Unterricht zu erreichenden formalen Bildung. Rabbiner Dr. Jacob - Göttingen bemängelt die Beschränkung der Ausführungen auf die jüdischen Fächer, die dem Thema gar nicht entspreche. Gegenüber der bezügl. Forderung des Herrn Reuß wünscht er eine Einschränkung des Rabbinischen. Die Anforderungen an den jüdischen Lehrer seien zu vielseitig, als daß er im Rabbinischen bei der gering bemessenen Zeit, die darauf verwendet werden könne, Nennenswertes zu leisten im stände sei. Er möchte im Interesse der Methodik Raschi und Mischna ausgeschieden wissen, damit für erstere genügend Zeit gewonnen werde. Entgegen der Ansicht des Herrn Stern betont er, daß diese Methodik nicht ohne weiteres der allgemeinen Methodik entspreche, und weist auf das Lesen und Übersetzen hin. — Redner wünscht, daß in Zukunft die Thesen den Vereinsmitgliedern mit der Einladung zur Konferenz

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