Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 29 (21.7.1893)
- Date
- 1893-07-21
- Page
- Seite 455 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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r Nr 29. I e s ch n S. 17 a) Sollen wir fortfahren in der Aufzählung ähnlicher Daten? Es ließe sich noch gründlicher und mannigfacher diese Reihenfolge darstellen, von dem ersten Verbote über Ev6r min Hacliaj bis zu dem geringsten rabbinischen Grundsatz über Rachmonuth und Achsorijuth. Was erzählen sie nicht alles, diese Grundsätze von jüdischem Tierschutz und Zartgefühl, nicht zu gedenken der fast typisch gewordenen jüdischen Warnung: „Rai taschchis!“ welche die Schädigung und Verletzung jedweder Kreatur überhaupt zu verhindern sucht?! Was nun mit Gesagtem bezweckt werden soll? Wir wollen — und damit kommen wir ans unsere Privatkorrespondenz über die Ethymologie von Hos. 5. 2, Jerm. 9. 7. u. s. w. in Zusammenhang mit dem Ungeheuer und dem Distanzritt — wir wollen konstatieren, daß uns die Ethvmolvgie genannter Stellen nicht recht klar ist, aber daß wir dessen klipp und klar überzeugt sind: Die jüdische Schächtmethode findet ihre Berechtigung darin, daß sie von demselben Geiste getragen ist, welchem Gebote wie die folgenden entsprungen sind: „Nur das Fleisch mit dessen Seele, seinem Blute, sollt ihr nicht genießen!" (1. M. 9. 4.) „Nur sei stark, damit Du nicht Blut genießest, denn das Blut ist die Seele, damit du nicht genießest das Leben mit dem Fleische" (5. M. 12. 23.) Daß dieser Zweck viel humaner und praktischer durch den kaum sekundenlangen Verendungsprozeß der Schächtmethode erreicht wird, als durch den grausamen Schädelschlag bei Horn- und dem martervollen, mit ohrenzerreißendem Schmerzensgebrülle verbundenen, Tod bei Borstenvieh, welcher einigermaßen Vertraute wird das in Abrede stellen? Das eine, welches beim rituellen Schächtverfahren etwa eine Modifizierung heischt, wäre vielleicht die Wurfmethode, welche indes bei gutem Willen bald abgeändert werden könnte. Allein darauf kommt es ja nicht an, und selbst alles zugegeben, ist jemals, fragen wir, eine solche ungeheure Tierquälerei jüdischerseits inauguriert worden, als jüngst beim Distanzritt? — Was sie wohl dachten, die armen Renner, als sie durch das sächsische Gebiet, das Land des Tierschutzes par excellence ihrem Tode mit keuchendem Atem und schnaubenden Nüstern evtgegentrabten? Sicherlich nicht schmeichelhafter, als jene Widerspenstige über weiland Bileam dachte. O glückliche Eselin, wie darfst du zufrieden auf deine spätern Leidensgenossen herabblicken; damals stritten selbst Engel für euch, während heute sich auch kein Teufel um ein zu Tode gehetztes Distanzroß kümmert — und wohl gemerkt — trotz Tierschutz und Schächtverbot. Es wird nicht an Meinungen fehlen, welche uns den Zweck des Distanzsports für Kriegstechnik u. s. w. entgegenhalten werden. Gut denn! So möge der Tierschutz dorthin oder auf andere Gebiete — und davon giebt es ja so viele — seine Thütigkeit verlegen. Dem Israeliten ist die Schächtmethode die einzig richtige, die einzig erlaubte und — was nicht unwichtig — die emsig praktische zur Deckung seines Fleischbedarfs. Oder sollte ihm etwa die „Tierschutztruppe" zumnten, nach berühmten Mustern des Distanzes seine Lebensweise einzurichten und mit roten Rüben und Zuckerwasser seinen Magen zu befriedigen? — r u n. Seite 455. Katheder und iiuiürl. Protokoll -er am 23. und 24. Mai 1893 im Laale -es Restaurateurs ffalk }i\ Hannover stattgefundenen 29. Versammlung -es Vereins jüdischer Uehrer in -er Provinz Hannover. Erste Kißimg, Dimsiag den 28. Mai narfmittags 4 Mit. (Fortsetzung statt Schluß.) Der Vorntzende erteilt hierauf dem Herrn Seminardirektor Dr. Kroner das Wort zu seinem Referate: „Die Bildungsanstalten für jüdische Lehrer in Deutschland und ihre Aufgaben." Der Herr Referent führt aus: Meine geehrten Herren! Ehe ich über mein Thema selbst spreche, empfiehlt es sich, die Veranlassung zu meinem Vortrage näher zu bezeichnen. Sie bestand zunächst darin, daß an Stelle des Herrn Dr. David, der für die diesjährige Versammlung einen Vortrag zugesagt hatte, aber infolge seiner Übersiedelung nach Düsseldorf nicht halten konnte, ein anderer Redner eintreten mußte. Dazu kam,' daß Herr Blnmenfeld-Adelebsen mich ersuchte, gegen den im Familienblatt des Dr. Rahmer veröffentlichten Vortrag des Lehrers Reuß-Neustadt-Gödens, welcher die jüdischen Lehrerbildungsanstalten heftig angriff, Stellung zu nehmen. Ich sagte sofort zu und bat um Übersendung der mir bis dahin unbekannt gebliebenen Ausführungen des Herrn Renß. — Ich fand den Ton des Vortrags erregt und bitter und nahm als gewiß an, daß er die Hannoversche Anstalt nicht gekannt. Zunächst fragte ich bei Herrn Renß an, aus welchen Quellen er geschöpft, und bat ihn dringend, der Versammlung beizuwohnen. Herr Reuß sagte zu und nannte als seine Quellen einzelne Schüler der verschiedenen Anstalten, die jetzt im Amte stehen. Nun wandte ich mich an die Direktionen aller bestehendenAnstalten um authentisches Material. Von Berlin, Cassel und Würzburg erhielt ich in dankeswerter Zuvorkommenheit teils Lehr-, teils Stundenpläne, Lehrberichte und Lehrmittelverzeichnisse, von Würzburg auf besondere Anfrage auch noch besondere Mitteilungen. — Sv, meine Herren, bin ich in der Lage, über die genannten vier Anstalten auf grund aktenmüßigen Materials zu referieren. Ganz Genaues kann ich leider nur über unsere hiesige Anstalt mitteilen. Meine Aufgabe zerfällt in 2 Teile, erstens rein sachlicher Bericht (— ohne jede persönliche Bemerkung —) über die auswärtigen Anstalten an der Hand der aktenmäßigen Belege, ferner Bericht über das Hannoversche Seminar an der Hand seines Stundenplans, aus dem ersichtlich ist, inwieweit Herr Reuß recht hat oder nicht, und zweitens Ausführungen über die Aufgaben der jüdischen Lehrerbildungsanstalten — Redner giebt einen geschichtlichen Rückblick über das jüdische Schulwesen seit 1781 im allgemeinen und die Seminarien im besonderen. Dabei zeigt er, daß die letzteren noch heute in der Entwickelung begriffen seien und dieses Stadium noch nicht abgeschlossen wäre. Darauf folgt an der Hand des vorhandenen Materials eine Darstellung der Einrichtung der verschiedenen Anstalten, namentlich in Rücksicht auf den gesamten Religionsunterncht und die Mittel, welche die Lehrer zur gedeihlichen Lehrthätigkeit in diesem Unterrichte heranbilden sollen; eingehend selbstverständlich nur von der Hannoverschen Anstalt. — Insbesondere wies Redner darauf hin, daß sowohl in Berlin, als auch in Cassel, Würzburg und Hannover prak-