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Jeschurun · 1893-07-14 · 28 (14.7.1893) · p. Seite 448

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
28 (14.7.1893)
Date
1893-07-14
Page
Seite 448 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 28. Seite 448. | f [ j| 1m1 11.!4• Was sollen wir thun? Wer kehrt sich daran, daß unsere Humanisten und Philanthropen lauten Protest erheben, daß Hunderttausende unserer Glaubensgenossen in Rußland dem Untergang zugeführt werden! Sie zusammenpferchen ihnen den Lebensnerv unterbinden, daß sie langsam zugrunde gehen — schlimmer als die egyptische Sklaverei! Wer erbarmt sich des unsagbaren Elends und Jammers der Vertriebenen? Glücklich noch sind die zu schätzen, die der barmherzige Tod den Qualen entrückt. Und Israel soll kämpfen? Freilich diejenigen, welche sich den Juden nicht anmerken lassen wollen, werden unliebsam daran erinnert, daß der Antisemitismus keinen Unterschied macht zwischen den Alt- und Neujuden. Diese haben sich der ihnen unbequemen Gebote, welche dieselben als lästige Fesseln empfanden, entledigt. Dafür werden wir durch das Geräusch anderer Fesseln, welche uns unsere Feinde anlegen mochten, ausgeschreckt aus dem Taumel der Sinnesgenüsse. Allerdings haben wir zu kämpfen; aber unserer Kampf ist ein anderer als der, den Herr £. meint. I. Lautmann, Altenburg (Schwaben.) Me Mütter. Aphorismen. Von 6) W. Frank. Große Dichter gleichen echten Perlen, bergenden Muscheln: ist ihr Leib zerfallen, so erkennt man erst ihren unschätzbaren Wert. * Nichts darf dem Lehrer mehr behagen, als unerschrocken die Wahrheit zu sagen. Ach, so mancher Lehrerspaten sucht vergebens nach Geistes dukaten. Glaube Liebe und Hoffnung — die drei Learstöchter! Welche mag wohl Cordelia fetu V * Das Grab ist der sicherste Hafen für das Wrm ■׳.tue? Menschenherzens. '* Geistiger Diebstahl iff gerade so gemein, als bräche in einen Laden man ein. (Wird fcrll esewQ Jüdische Gedenktage. Zusammengestellt von Lehrer D. Mannheim. Am l. Ab 3457 (303 w. d. g. Z.) verkündete der Prophet Chagi, daß der Tempel wieder erbaut werde. Die gefangenen Juden fingen alsbald nach ihrer Rückkehr aus Babylonien an, den Tempel wieder aufzubauen und in den Stand zu setzen, daß man darin opfern konnte. Allein der Neid ihrer Feinde und die Verleumdungen der persischen Hofleute brachten es dahin, daß Cyrus schon im andern Jahre diese Erlaubnis widerrief (Chagi c. 1.) Als dessen Sohn Cambyses den Thron bestieg, ern-merte er dasselbe Verbot und so blieb der Tempel 14 Jahre in demselben Zustande stehen. Nach Cambyses Tode kam Darius, der Sohn Hystaspes zur Regierung, und Gott erweckte den Chagi, den Tempelbau wieder aufzunehmen. Der Prophet hielt dem Fürsten von Juda Zorobabel und dem Hohenpriester Josua, Sohn Jozadak's ihre Saumseligkeit vor, führte ihnen alle Plagen zu Gemüte, mit denen sie Gott seit ihrer Rückkunft heimgesucht hatte, und zeigte, daß Dürre und Hungersnot die gerechten Strafen für den verabsäumten Tempelbau wären. Die Vorstellungen Chagi's hatten die gewünschte Wirkung und im zweiten Jahre des Darius fing man an, wieder an dem Tempel zu bauen. * Am selben Tage d. I. 3537 (223 v. d. g. Z.) langte Esra von Babylonien mit 1700 Mann in Jerusalem an- (Esra 7, 0, 9—11) ׳Esra, ein zweiter Moses, war mit den herrlichsten Eigenschaften und Kenntnissen ausgestattet. Von dem persischeu Könige bekam Er die Erlaubnis, Richter und andere obrigkeitliche Personen einzusetzen und für sich die Macht, Israel zu regieren und zu unterweisen. Er ordnete öffentlichen Gottesdienst au und beschwor das Volk, die heidnischen Frauen zu entfernen (Esra c. 9). Esra behielt die Obergewalt in Jerusalem, bis Nehemias 3559 ankam, welcher von Artaxerxes als Statthalter nach Judäa geschickt wurde (Nehemias c. 1.). Esra ist durch die Einführung der Quadratschrift und des Tboralesens am Montag und Donnerstag berühmt. — Am 3. Ab 5159 (1299) wurden in Prag viele Juden, unter ihnen auch Tab Joini aus Mühlhausen, wegen Verleumdung des abtrünnigen Juden Peter פסח in den Kerker geworfen. Tob Jomi oder Lipmann war der Gelehrteste seiner Zeit. Er hat ein Buch gegen die christliche Religion geschrieben. Die Geistlichen staunten über feine Gelehrsamkeit und Kenntnis ihres Glaubens und wurden auch in demselben in ihren Zumutungen zurückgeschlagen, was aber nichtsdestoweniger das Unheil, welches über die Prager Juden verhängt war, nicht abänderte; denn als ein Jahr später die Deutschen den König Weuzel vom Throne drängten und an dessen Stelle Ruprecht von der Pfalz setzten, führten sie 77 Juden (am 22. Ab 5160—1400) mit Posaunen und Musikklang und nach 3 Wochen später abermals 3 Juden auf dem Richtplatz und verbrannten sie mit Jubel vor den Augen der Stadtleute. Die Anklage beruhte auf הכל וריק einem Satze am Ende des Gebetes (Olenn), welchen die Christen auf den Stifter ihrer Religion bezogen. * Ben Adereth ließ am 4, Ab, Sabbat 26) 5065 הזן. Juli 1305 mit seinem Beirate den Fluch gegen das Studium der Wissenschaften unter feierlichen Zeremonien, mit der Thora im Arme, verlesen. Wer unter 25 Jahren irgend eine wissenschaftliche Schrift lese, sei es in der Ursprache oder in hebräischer Übersetzung, sollte dem allerstrengste Banne verfallen, welcher mindestens ein halbes Jahrhun׳ dert in Kraft bleiben sollte. Unter den geächteten Schriften befanden sich auch Maimuni's Werke (Grätz VII. S. 258). * Baruch (Benedikts Spinoza ist 1632 geboreu, stammt von spanisck-südischen Eltern ab und besuchte mit vielen anderen Knaben die in Amsterdam neu errichtete siebenllassige jüdische Schule. Seine letzte Ausbildung im Talmudischen und Rabbinischen erhielt er von Saul Morteira, dem bedeutendsten Talmudisten jener Zeit, in Amsterdam. Schon als 15 jähriger Knabe soll "Spinoza seine Zweifel in Form von einschneidenden Fragen an seinen Lehrer Morteira ausgesprochen haben, welche ihn gewiß nicht wenig in Verlegenheit gesetzt haben mögen. Auch suchte er den Unterricht eines bedeutenden Philosophen seiner Zeit, des Arztes Franz van der Enden, auf, welcher für vornehme Jünglinge Vorlesungen hielt. Dieser war ein skeptischer und satyrischer Kopf, der sich über religiöse Gebräuche und Vorurteile lustig machte und deren Blößen aufdeckte. Was bei diesem bloß Laune oder Witz war, wurde in Spinoza's empfänglichem Geiste ein anregendes Element zum liefern Nachdenken und Grübeln und je mehr sich sein grader Verstand entwickelte, desto mehr wurde er dem Judentums entfremdet. Alles, was

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