Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 28 (14.7.1893)
- Date
- 1893-07-14
- Page
- Seite 449 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 28, Seile 449. ־<״ | f f d] iiru n. ksich nicht vor dem unerbittlichen Tribunal der klaren menschlichen Einsicht rechtfertigen läßt, galt ihm als Aberglauben oder Wahnwitz. Sein Drang nach Wahrheit und Gewißheit führte ihn zum völligen Bruche mit der ihm von Jugend auf liebgewonnenen Religion. Als er im Judentume nicht mehr die Wahrheit zu finden vermeinte, brachte er es nicht mehr über sich, dessen rituelle Vorschriften zu befolgen. Erstellte allmählichde׳! Besuch derSynagoge ein,kümmerte sich nicht mehr um Sabbate nnd Festtage und verletzte die Speisegesetze. Die Vertreter des Rabbinatskollegiums und Vorsteher durften diesem systematischen Aufheben des Judentums und ihrer umlauerten Religion nicht mit gleichgültigem Blicke zusehen. Kamen doch noch immer Flüchtlinge aus Portugal und Spanien, welche ihre geachtete Stellung aufgaben, ihr Vermögen und Leben aufs Spiel setzten um sich zum Judentume frei zu bekennen! Das Rabbinerkollegium hatte sich vorher Gewißheit über Spinoza's Sinneswaudlung verschafft und Zeugnisse gesammelt. Er wurde vorgeladen verhört und ermahnt, zu seinem alten Wandel zurückzukehren. Das Rabbinal verfuhr sehr gelinde mit ihm und ließ, so unter der Hand,. Spinoza durch seine Freunde eine jährliche Pension von 1000 Gulden aubieten, wenn er keinen feindlichen Schritt gegen das Judentum thun und sich von Zeit zu Zeit in der Synagoge blicken lassen wolle. Allein Spinoza konnte nicht zum Aufgeben seiner Überzeugung gebracht werden, und er beharrte darauf, die Freiheit der Forschung und Prüfung nicht fahren lassen zu wollen und seine Lehre jüdischen Jünglingen mitzuteilen. So verschärfte sich die Spam.ung zwischen den Vertretern des Judentums und ihm immer mehr. Ein Fanatiker glaubte dieser Spannung durch einen Messerstich gegen den gefährlichen Apostaten ein Ende machen zu können. Er lauerte Spinoza beim?lullritt aus dem Theater auf und fuhr mit dem Mordwerkzeuge gegen den Denker. Dieser hakte aber die feindliche Bewegung zeitig genug bemerkt und wich dem Streiche aus, so daß nur sein Rock davon beschädigt wurde. Spinoza verließ kurz nach diesem Vorfall Amsterdam und begab sich zu einem Freunde nach Oudekerk.?ln einer Aussöhnung Sp.'s mit der Synagge war nun nicht mehr zu denken. Daher sprachen die Vertreter der Gemeinde, Rabbiner und Vorstand, den schwersten Bann (Cherem) aus und verkündeten ihn in portugisischcr Sprache an einem Donnerstage, dm 6. Ab 28 Juli 1655 in der Synagoge von der Kanzel herab in Zierlicher Weise bei der geöffneten Lade. Eingesandt. Briefen, W./Pr. 10. Juli 1893. Unsere Nachbar-Gemeinde Rehden in Westpr. beabsichtigt einen Kultusbeamten anzustellen. Da sie jedoch nicht im stände ist, allein trotz der größten Anstrengungen einen solchen zu besolden, so hat sie sich in Verbindung gesetzt mit drei jüdischen Fleischern in unserer Gemeinde, die seit einiger Zeit unbotmäßig sich beno m m e n h a b e n und deswegen sogar gerichtlich b e st r a f t wurde n. Der «Gemeinde Rehden wurde vor einiger Zeit seitens unseres Vorstandes das?lnerbieten gemacht, gegen ein sehr uiäßiges Entgelt sich einmal in der Woche unseren Schochet kommen zu lassen, worauf die Rehd'ner jedoch nicht eingingen, indem sie sich selbst diesen kleinen Betrag zu zahlen außer stände erklärten.?tun!vollen sie mit den Friedensstörern in unserer Mitte gemeinsame Sache machen. ,,Dies dürfte genügen, um die betreffende Gemeinde zu charakterisieren. Wir glauben, daß kein Beamter, der nur irgend einen Funken religiös-sittlichen Gefühles in sich hat, sich wird bereit finden lassen, ein derartiges auf Stiftung von Unfrieden hinzielendes Engagement anzunehmen. Wir warne n^ hier m i t auch öffentlich vor Übernahme dieser stelle, da wir Mittel und Wege genug haben, dem Betreffendev s e in t r a u r i g e s Handwerk zu legen. Ebenso richten wir die Bitte an die berufenen Vertreter des Gotteswortes, an die Herren Rabbi nen, jedes Ersuchen der Gemeinde Rehden um Prüfung eines anzustellenden Beamten abzulehnen und so der Weiterverbreitung von Zwietracht vorzubeugen. Zur Zeichnung der betreffenden Fleischer diene auch die Mitteilung, daß dieselben unseren langbewährten Beamten, Herrn S. Blaustem mit ganz gemeinen Mitteln verfolgten, bloß weil er mit seinem religiösen Gefühl es nicht vereinbaren konnte, Bsropha für Koscher zu erklären, selbst vor Denunziationen bei der Staatsanwaltschaft, die natürlich abgewiesen wurden, sind sie nicht zurückgeschreckt. Wir hoffen, daß dieser Appell nicht ungehört verhallen wird, und daß kein״r sich zu solch frevelhaftem Tbun bereit finden wird. Usch’erith Jisrael 10 jaasu awla. Mit der nachdrücklichen Bitte um Beachtung dieses Eingesandt zeichnen Der Aorstaml der S1j11agogen־©emeim(e und I)r. S. Eppe11stein? Rabbiner. Westerburg (Luftkurort.) -Nervenleidenden und brustkranken, sowie allen der Erholung bedürftigen Personen sei der Aufenthalt in der ozonreichen Luft unseres 500 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen, von herrlichen Waldungen ringsumgebenen Städtchens hiermit dringend empfohlen. Gesunde Wohnungen stehen zu mäßigen Prellen jederzeit zur Verfügung. Auch für Bequemlichkeit und gute rituelle Kost ist bestens Sorge getragen. Der Berschönerungs-Verein. Wochen- Juli. ן! 1893. j Aw. 5653. Kalender. 1 Freitag . . .!4 i 1 > Sonnabend . . 15; 0 ממות משעי Sonntag... . Montag . >> . 16! 3 17! 4 Dienstag. . . 18 : 5 י Mittwoch 19 6 Donnerstag 20 j 7 Freitag . . . 21 | 8 Anzeige«. Israelitische Keil- und Mege-Austalt für Nerven« und Gemütskranke zu Sayn bei Coblenz a. Ehein. Bestand seit 1869. Gesonderte Abteilungen für 150 Kranke beider Geschlechter. 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