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Jeschurun · 1893-07-14 · 28 (14.7.1893) · p. Seite 443

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
28 (14.7.1893)
Date
1893-07-14
Page
Seite 443 (sequence 9)
Language
German
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-^Irschurun. Seite 443. Nr. 28. Versammlung beiwohne. Herr Dr. Lewinsky dankt für die freundliche Begrüßung und betont sein wärmstes Interesse und seine vollste Sympathie für die jüdischen Schulen und deren Lehrer. Die Velagshandlung W. Jakobsohn L Co. in Breslau hatte der Versammlung mehrere in ihrem Verlage erschienene Schriften zugesandt, darunter: „Die Geschichte der Juden und ihrer Litteratur" von Dr. Brann und „Homilien über die Sprüche der Väter" von Dr. Meisel. Diese Bücher wurden von den Herren Dr. Kroner und Dr. Lewinsky sehr günstig beurteilt; namentlich empfiehlt Dr. Kroner die Geschichte der Juden aufs wärmste, da sie klar deutlich und berzeugend geschrieben sei. — Herr A. Levin in Tilsit hatte eine Anzahl von Nummern des „Jeschurun" gesandt. Der Vorsitzende verteilte dieselben an die Versammlung und empfahl das Blatt der Berücksichtigung und Förderung. Nachdem hiermit die geschäftlichen Mitteilungen erledigt waren, erfolgte die Vorstandswadl. Der bisherige Vorstand samt den Schriftführern wurde durch Acclamation wiedergewählt. (Schluß folgt.) Kleine Chronik. Bürgerliche Verhältnisse. * Der bekannte Bismarck-Verhimmler Max Bewer, der an unfreiwilliger Komik auch bisher recht Erkleckliches geleistet hat, veröffentlicht in einer der letzten Nummern der „Antis. Kor." einen Aufsatz „Zum Mord in kanten," den man fast für eine Parodie auf die ganze Ritualmvrdlitteratur Hallen könnte, wenn nicht Bewers Name und die „A. K." für den blutigen Ernst bürgten. Der Bismarckomane schreibt anschließend an die Tantener Affaire: „Ich bitte dringend daran festzuhalten, daß es ein medizinisches Gesetz giebt, nach welchem der Blutbedarf der Juden zu erklären ist. Begehen sie Ritualmorde, so begehen sie die Morde nicht aus Irrsinn, sondern mit dem klarsten Bewußtsein und dem kältesten Raffinement. Im behaupte in meinem Buch (,Gedanken'), daß das medizinische Gesetz, nach dem die Juden Ritualmorde verüben, das Gesetz der Jsopathie ist; dies Gesetz bestimmt, daß, wenn man sich von einem Krankheitsstoff infiziert fühlt, man von demselben Stoff ein ganz Minimales zu sich nehme, um durch diese subtile Reizdosis den Organismus zu einer Gesamtreaktion gegen die schon früher aufgespeicherten Krankheitsstvffe zu provozieren. Die Juden haben nun den festen Glauben, daß durch das Blut derjenigen Völker, unter denen sie dauernd leben, ihr Blut und zwar schon durch den bloßen Verkehr verunreinigt werde. Um sich nun von Zeit zu Zeit zu reinigen, genießen sie nach dem Gesetz der Jsopathie ganz minimale Dosen des fremden Blutes, das sie sich in seiner spezifisch wirkenden Reinheit durch Kindermord verschaffen." Bewer führt nun zum Beweise seiner epochalen Entdeckung ganz klassische Zeugen an, die Juden nämlich aus Deckerts Broschüre. Es hieße wirklich der Narrheit zu viel Ehre anthun, wenn man sie mit Mitteln der Vernunft behandeln wollte, nur des pathologischen Interesses halber mögen Bewers weitere Ausführungen hier Platz finden. Durch die „Aussagen'' (sie!) sämtlicher Juden im Trienter Prozeß sieht er seine Annahme, „daß die Juden bei ihrem Blutgebrauch uach dem isopatischcn Gesetz verfahren, voll bestätigt. Von Fanatismus oder Irrsinn ist keine Spur zu entdecken, vielmehr hat man das Gefühl, als blicke man in eine durch ,weise und erfahrene Obere' geleitete Apotheke, die jedem echten', d. h. durch Mord, nicht etwa durch Aderlaß gewonnenen Ehristenblut ein Beglanbigungsattest mit auf den Weg giebt. Blut nämlich, das durch Aderlaß gewonnen wird, hat bei weitem nicht die animalische Potenz desjenigen Blutes, das unter höchster Seelenangst einem Gemordeten entfließt." — Die Enthüllungen Bewers sind ebenso neu als belustigend. Ja, seine Bosheit ist noch belustigender als die des Shakespeare'schen Thersites; Herr Bewer scheint nämlich der reine und nicht bloß ein geheuchelter Schalksnarr zu sein. Begierig sind wir nur auf die Talmudstellen, die der geniale Entdecker, wie es sich gehört, zum Beweise dafür erbringen wird, daß die Inden schon vor Maimonides' Zeiten die Lehren der homöopathischen Heilkunde dem armen Hanemann rein vorweggenommen. * Den verurteilenden Auslassungen so vieler hervorragender deutscher Männer über den Antisemitismus reihen sich ebenbürtig Aussprüche des Professors der evangelischen Theologie, Karl Sigfried in Jena, an. Sie finden sich in seinem „Theologischen Jahresbericht", Band 12, 1893, in welchem er die literarischen Erscheinungen des vergangenen Jahres auf dem Gebiete des Alten Testaments, der hebräischen Sprache, über Talmud, Judentum u. s. w. bespricht. Bei der Beurteilung der dort erwähnten antisemitischen Schriften sagt Professor Sigfrid: „Wenn die Antisemiten nur den Talmud in Ruhe lassen wollten, denn damit .haben sie jedesmal Unglück . . . . Dalmann führt einige Beispiele schändlicher Quellenfälschung an, die sich in des berüchtigten Rohlings elenden Machwerken und in dem Antisemiten-Katechismus von Th. Fritsch finden. Eine Sache, die nur Lurch die frechsten Lügen gestützt werden kann, muß mau von vornherein für eine verlorene halten. Zu den abscheulichsten dieser Verleumdungen gehört bekanntlich die von jüdischen Ritualmorden. Die besten christlichen Kenner des Judentums, wie Franz Delitzsch, Dalman, Strack und Wünsche, haben gegen diesen rasenden Wahn wiederholt ihre Stimme erhoben. Um so empörender ist es, daß jene Blutlügner, der edle Rohling natürlich wieder an der Spitze, den bethörten Massen diesen Unsinn immer wieder einzureden suchen." Später spricht Sigfrid von „der schmachvollen Rede des Freiherrn von Wackerbarth." Bei der Besprechung der Schrift P. Nathans: „Der Prozeß von Tißa-Eßlar" sagt Sigfrid: ,,Jn der Einleitung ist den Wackerbarth'schen Faseleien die Ehre einer ausführlichen Widerlegung zuteil geworden." * Zur Charakteristik des „einflußreichsten Mannes des deutschen Reichstages," des Dr. Böckel nämlich, bringt die „Frft. Ztg." einen interessanten Versammlungsbericht. In Klein-Gemünden, wo Böckel eine Wahlrede für seinen Genossen Zimmermann hielt, wurde er interpelliert, ob es wahr sei, daß er von je hundert Mark, die für Warenbezüge seines Mitteldeutschen Bauernvereins den Großhändlern, Fabrikanten re. gezahlt würden, zwei Mark erhalte? Herr Dr. Böckel war entrüstet: „Das ist eine infame Lüge!" — Der neugierige Frager zieht hierauf einen Brief ans der Tasche, unterzeichnet vom Vorsitzenden des Mitteldeutschen Bauernvereins, und verliest ihn. Der Inhalt ist kurz folgender: „Der Adressat, ein Großlieferant, wird auf-

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