Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 28 (14.7.1893)
- Date
- 1893-07-14
- Page
- Seite 441 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 28. Seite 441 -s^Ieschurun. welche des Chaldäischen und Syrischen nicht mächtig waren, ein Buch mit sieben Siegeln war. Deshalb ist es fast mit Gewißheit anzunehmen, daß die Torgume der erste hebräische Litteraturzweig war, welcher mit Vokalen versehen wurde. In der Folge aber sind auch die Ketubim, die Newiim, namentlich aber die Haphtaroth und endlich auch der Pentateuch dieser Neuerung unterzogen worden. Das babylonische System scheint, nach seinen Überbleibseln zu urteilen, das ursprünglichste gewesen zu seiu; seine Entwickelung jedoch wurde von dem palästinischen beeinflußt und verdrängt. Die graduelle Entwickellung der Accente aus kleinen Anfängen anlangend, so meint Graetz, daß zu allererst der Beginn und das Ende eines jeden Verses markiert wurde, dann auch die Hauptteile desselben und so fort, bis endlich das System mit ergänzenden Zeichen, die die Verwandtschaft eines Wortes mit seinem Nachbar anzeigeu, vervollständigt wurde. Eine andere Theorie wird von Dr. Büchler aufgestellt, welche alle oder die meisten Accente von der vertikalen Linie unter den Buchstaben herzuleiten sucht, deren ursprüngliche Funktion der Name „Meteg" „Zaum" angezeigt. — Dieses Meteg, dient als Warnungszeichen für die geläufige Zunge, eine kurze Pause zu machen, und wurde es ursprünglich da Gesetz, wo die Zunge des Lesers eine ungehörige Beschleunigung anzunehmen geneigt war, wodurch gewisse Worte und Silben ihres legitimen Wertes und ihrer Bestimmung beraubt werden. Beide Theorien mögen in gewisser Beziehung Anspruch auf Korrektheit erheben, da beide die Notwendigkeit des Meteg selbst für unsere Vorleser in den Synagogen nicht verneinen. Katheder und Kanzel. Die leitenden Gesichtspunkte zu einer „Unterstufe des Gebete-Übersetzens". von Dr. 3. Goldschmidt. III. Bei Beantwortung dieser Frage, welche eine der wichtigsten, wenn nicht die allerwichtigste, unserer ganzen Religious-Schul-Pädagdgik ist, wird es in erster Linie darauf ankommen, klar zu erkennen, warum unser hebräischer Übersetzungs-Unterricht nicht interessant ist? — Die Mittel, denselben interessant zu machen, werden selbstverständlich verschieden sein müssen, je nach den Ursachen, welche dem Mangel an Interesse dafür zu Grunde liegen. Die Erkenntnis dieser Ursachen muß also vorausgehen, wie jede medizinischen Therapie eine richtige Diagnose voraussetzt. — Dies muß noch näher erklärt werden. — Der Mangel an Interesse kann begründet sein 1) durch Armut des Inhalts: für das Nichts, für das Gehaltlose, für das Unbedeutende kann sich kein natürliches Interesse einstellen. Selbstverständlich haben wir es hier nur mit dem natürlichen Interesse zu thun, und nicht mit dem künstlichen wissenschaftlichen, dem nichts zu geringfügig ist. Dieses ist erst die späte Frucht aus der richtigen Pflege und Entwickelung des natürlichen Interesses, welches letztere sich nur der Wirklichkeit u. z. nur der bedeutenden Wirklichkeit zuwendet, und alles Gehaltlose, Wässerige, Schale rc. verschmäht Der Mangel an Interesse kann aber auch eine Folge von Überfülle, von Ertötung durch erdrückende Überladenheit sein, wie der Magen durch Hungern, aber auch durch Überladung seine Funktionen einstellen kann. — Sprechen wir die Sprache der Pädagogik! „Nichts verspäten!" lautet die eine Lehre, und „Nichts verfrühen!" die andere, welche Diesterweg in seinem genial klaren Wegweiser ganz besonders der Beherzigung empfiehlt. Das „Verspätete" ist dem Geiste zu arm an Gehalt, das „Verfrühte" ist ihm zu reich an Gehalt. Woran krankt nun unser hebräischer Übersetzungs-Unterricht? Ist er zu arm oder ist er zu reich an Inhalt? Zu arm ist er! wird man mir von vielen, wenn nicht von allen Seiten zurufen. Und ich schwimme gegen den Strom und behaupte das Gegenteil: er ist zu reich an Gehalt! Und darum fehlt kür ihn das natürliche Interesse. „Das ist das Streben paradox zu sein", werden die geehrten Leser denken. Ich hoffe, diesen Verdacht ganz allgemein leicht beseitigen zu können durch die Frage: „Sind unsere Gebete, (das Material des Übersetzungs-Unterrichts) für unsere Zeit zu,schlecht, oder nicht vielmehr zu gut? Bei geringer Überlegung wird man zugeben: sie sind zu gut! Wenn unsre Gebete Reichtum, gute Geschäfte, Ruhm und Ehre, oder, für die Damen, schöne Kleider, funkelnde Diamanten und dgl. zum Gegenstände hätten: die Schar der Betenden wäre wohl größer und sicherlich andächtiger. Das verstünden wenigstens die Menschen unserer Zeit, dafür hätten sie Sinn und Empfindung, und wenn sie auch von der Wirksamkeit des Gebetes nicht gerade viel halten, so wären doch die durch dasselbe angeregten Vorstellungen: Reichtum, Ehre, Mode und drgl. so angenehm, daß die Synagogen-Bänke vielleicht nicht so konsequent ihren Beruf verfehlen würden. Aber unsere Gebete sind „unpraktisch!" Die Unvergänglichkeit der Tugend*) bis übers Grab hinaus'), Heiligkeit;') Weisheit; Kraft zur Bekehrung; Versöhnung mit Gott; Erlösung u. s. w. dieses Niveau der Schmorte eszre ist den Schwächlingen unserer Zeit viel zu hoch und zu erhaben. Unsre Gebete sind zu gut für unsre Generation! Sollte es jetzt auch noch so paradox erscheinen, wenn ich sage: der hebräische Übersetzungs-Unterricht ist zu reich an Inhalt, um interessant zu sein? — Nun wollen wir uns aber näher erklären und näher darlegen, in welchem Sinne ich von einem zu reichen Inhalte desselben für die Schule spreche. — In der Schule heißt es: Erst langsam, dann schnell! Erst das Leichte und dann das Schwere und Verwickelte! Im langsamen Schritt wird der Fluß des Geistes, wenn ich so sagen darf, „trainiert" für den schnellen; an dem Leichten nährt und entwickelt sich der Geist für das Schwere. Oder vielmehr: nach dem langsamen Schritt ist derschnelle nur scheinbar schnell, ebenso wie das Schwere nur scheinbar schwer, wenn das Leichte bewältigt ist. Was ist denn leicht, und was schwer? Leicht ist das Einfache, wo die ganze Kraft der Aufmerksamkeit nur von einem Punkte angezogen wird; schwer ist das Verwickelte, wo die Kraft des Geistes nicht nur durch das Viele zersplittert, sondern auch durch das Ineinander des Vielen verwirrt wird. Nehmen wir ein Beispiel aus unserem Gegenstände: Schema jiszroel: §üre Israel! die Übersetzung i) Mögen Awrohom; a) Mochajeh hamessim; :!) Hoel hakodausch u. s. w.