Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 28 (14.7.1893)
- Date
- 1893-07-14
- Page
- Seite 440 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 440. I e s ch u r u n. Nr. 28. ganzer Seele und aus allen Kräften treu zu erfüllen, nun sollte ich mich jetzt, wo dieser Wunsch in Erfüllung geht, nicht dessen freuen? Als er das letzte Wort des Glaubensbekenntnisses, das Echod sprach, hauchte er seine Seele aus. In, der Nacht haben die treuen Schüler seine sterblichen Überreste heimlich genommen und von Cäsarea nach Antipatris gebracht und dort in einer Höhle beigesetzt. (Midrasch Mischli 9.) Als R. Akrba, dieser hervorragendste Tanaite, in das bessere Jenseits abgerufen wurde, sagten seine Zeitgenossen von ihm: Mit dem Tode R. Akiba's wurden die Arme des Gesetzes gelähmt und die Quellen der Weisheit verstopft. (Sotah Ende) Zu den vorzüglichsten Schülern R. Akiba's gehörten: R. Meir, R. Juda, Jlai, Jose b. Halephta, Simon b. Jochai, Elieser b. Schamua, Elieser b. Jakob, R. Jochanan Hasandler u. a. m. (Ein sechstes Kapitel folgt.) Über den Ursprung der Vokalzeichen im Hebräischen. Nach dem Englischen von I. Bernstein. In der Jew's College Literary Society hielt Dr. M. Friedländer eine Vorlesung über den Ursprung und die Entwickelung der Vokalzeichen und Accente, welche wir hier im Auszuge wiedergeben. Dr. M. Friedländer beginnt seinen Gegenstand mit dem Hinweise auf die Eigentümlichkeit des hebräischen Alphabetes, welches nur aus Konsonanten besteht. Da aber keine Sprache der Vokale entbehren kann, so mußten diese aus dem Gedächtnis, oder der Imagination des Lesers ergänzt werden. Die Thorarolle, die Megilath-Esther und die rabbinischen Schifften haben keine Vokale. Beim Lehren der Thora bildeten die Konsonanten das geschriebene Gesetz: die Art aber, in welcher die Buchstaben ausgesprochen wurden, bildete den Gegenstand der ״mündlichen Lehre." Die Thatfache jedoch, daß in unserer Zeit zwei Schreibweisen — Text mit Vokalen und ohne Vokale — neben einander zu finden sind, giebt uns zu verschiedenen Fragen Veranlassung, nämlich: Ursprung, Zeitpunkt, Autor und Gründe der Einführung der Vokalzeichen. Die Antwort auf diese Fragen soll nun in Folgendem in Kürze gegeben werden. Im Hebräischen giebt es vier lautlose Buchstaben, (א ף, 1י) deren Vorhandensein in einem Worte nur dann gerechtfertigt werden konnte, wenn, so nahm man an, es die Bedeutung eines Vokales hatte. Es muß demgemäß angenommen werden, daß ursprünglich die hebräische Sprache vier Vokalrepräsentanten gehabt haben müsse und zwar a, 6, i, u. Man ist nun auch berechtigt zu fragen, auf welche Weise sind die übrigen Vokale dargestellt worden? Beweise, welche alte hebräische Inschriften, Münzen und alte zu verschiedenen Zeiten geschriebene Bibelbücher lieferten, leiteten zu der Annahme, daß die Hebräer die Fähigkeit des leichten Aussprechens der Vokale zu irgend welchem gegebenen Konsonanten besessen haben mußten. Das korrekte Lesen und Rizitieren des Thoratextes scheint ursprünglich von Geschlecht zu Geschlecht niündlich überliefert worden zu sein. Das Bedürfnis nach geschriebenen Vokalen scheint erst dann entstanden zu sein, als das Gedächtnis durch geschriebene Ui künden unterstützt werden mußte. Wenn die vom Zentrum des religiösen und nationalen Lebens entfernt wohnenden Juden religiöse Fragen durch Boten und Abgesandte an die Gelehrten richteten und von ihnen Antwort erhielten, wurden Fragen und Antworten höchstwahrscheinlieh schriftlich empfangen und erteilt. Lehrer und Leser konnten nun nicht in gleicher Weise ihrem Gedächtnisse vertrauen; sie mußten sich da privatim Notizen machen, auf die sie sich in zweifelhaften Fällen verlassen durften, auf welche Weise ihre Bibelabschriftcn und Pentateuchbücher wahrscheinlich verschiedentliche Bemerkungen erhielten, die Gestalt von Strichen und Punkten hatten, die nun unsere Vokale und Accente ausmachen. Solche Zeichen wurden namentlich solchen Schriftstellen beigefügt, wo ähnlich aussehende und ähnlich geschriebene Passagen in der Aussprache differierten, wie z. B. Deutronomimn XXV. 19. wo es ohne Vokale zweifelhaft ist, ob das זכר sachar oder secher heißen soll. Hinsichtlich der Punkte und Striche, die unsere Kritik beschäftigen, finden wir im Talmud keine Erwähnung. Dessenungeachtet giebt es Gelehrte, die behaupten, die Zeichen und Accente seien älter als der Talmnd, von welchen wir hier der Kritik des Asaria de Rvssi in מאור?{ינים erwähnen. In der Gaonimperiode aber (500—1000) finden wir schon die vollständige Entwickelung des Vokalsystems. Wir wissen sogar von zwei Vokalsystemen; dem babylonischen und palästinischen oder liberianischen. Das letztere ist das bei uns in unfern Büchern gebräuchliche. Die zweite Bezeichnung, ״babylonisches System," muß ein Versehen sein. Denn Saadia, einer der prominentesten der Gaonim in Babylonien, kannte nur das gewöhnliche System, und wenn er in seiner Nachahmung des biblischen Stiles, Vokale und Accente in seinen Kompositionen anwandte, so sind es die, welche bei uns gebräuchlich sind. Die Karaiten beanspruchten hinsichtlich der Anwendung der Vokalzeichen und Accente in der heiligen Schrift, die Priorität über die Rabbaniten. Allein, wenn die Daten, welche Dr. Friedländer in bezug auf die Einführung der Vokalzeichen anführt, korrekt sind, können die Karaiten diese Priorität nicht beanspruchen, da sie, als die Vokalzeichen schon in Gebrauch waren, noch keine separate Sekte bildeten. Ein Dokument von Abraham ben Simcha im Namen der Juden in Susa, giebt aber Moses Hanakdan als den Erfinder der Vokalzeichen an; die Karaiten behaupten aber, daß dessen Vater sein Mitarbeite! gewesen war. Wenn man die Korrektheit eines Postskriptums in einem Kodex der Odessaer Bibliothek dermaßen anerkennen würde, daß sie Glauben verdiente, würde da kein Zweifel obwalten, daß während die Chosriten ungefähr im neunten Jahrhundert keine Bibeln mit Vokalen und Accenten gehabt haben, waren Vokale schon seit einiger Zeit in Palästina, Babylonien und ׳Persien im Gebrauch. — Alle Argumente zusammen fassend, kam Herr Dr. Friedländer zu dem Schlüsse, daß, da schon im neunten Jahrhundert die Vokale als eine alte Institution existierten, und da ferner im Talmud keine bestimmte Erwähnung über dieselben anzutreffen ist, die Gaonimperiode diejenige Zeit sei, in welcher die Vokalzeichen in der hebräischen Litteratur aufgetreten ist. Was den Grund zur Einführung der Vokal- Zeichen anlangt, so können wir die Erleichterung des Lesens der Targume als solchen ansehen, und sind wir zu dieser Annahme umsomehr berechtigt, als die Targume für die,