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Jeschurun · 1893-07-14 · 28 (14.7.1893) · p. Seite 439

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
28 (14.7.1893)
Date
1893-07-14
Page
Seite 439 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28 Seite 439. 0 -s^Ieschurun. r<- Allein die Krone aller talmudischen Aussprüche über Adam ist folgender: Siehe,- sprach einst ein Mischna-Lehrer, hier am Beginne des 5. Kapitels der Schöpfungsgeschichte vier Worte: „Dies das Geschlechtsregister Adams," denen dann Namen von Adams Nachkommen und Zahlen ihrer Lebensjahre folgen. Merke dir diese einfachen vier Worte: sie bilden einen Haupt- und Fundamentalsatz, sind eines der höchsten und wichtigsten Prinzipien der Thora. Sie lehren dich die Einheit der gesamten Menschheit! Eins ist sie von Anfang an, durch ihre Abstammung, eins sei sie, bleibe sie, fühle sie sich überall ans der ganzen Erde, unter allen Himmelsstrichen, durch Nächstenliebe und Brudersinn. „Dies das Geschlechtsregister Adams," das ist die Wurzel, „liebe deinen Nächsten wie dich selbst" die goldene Frucht der Thora! Die hervorragendsten Apologeten aus der talmudischen Zeit. Bon Dr. M. H Friedländer. V. R. Akiba. (Schluß.) In der Zeit, als Akiba blühte, trat Bar Kockba aus, der seiner Riesenkraft, seiner majestätischen Gestalt, seiner Unerschrockenheit wie seines kühnen Mutes wegen der großen Volksmasse zu imponieren wußte. Akiba, in dessen Brust die staatlichen Hoffnungen lebendig waren und der sie auch zu vorwirklichen aus allen Kräften bestrebt und bemüht war, schloß sich dann Bar Kochba breitwilligst an. Ja er unternahm sogar deshalb weite Reisen bis nach Kleinasien, um das Feuer der Revolution in den Gemütern seiner von Hadrian tief bedrückten Glaubensgenossen anznfachen. Wie ein Mann erhoben sich die Juden Asiens und bald stand ein Heer von 100000 kampfgerüsteten Männern, die den Bar Kochba zu ihrem Könige ernannten und ihre Feinde in die Flucht jagten. Bar Kochba ließ, um die Selbständigke t des jüdischen Staates zu konstatieren, jüdische Münzen prägen, die man Bar Kochba- Münzen nannte. Allein diese Freude war nicht von gar zu langer Dauer; denn Kaiser Hadrian schickte seinen tüchtigsten und tapfersten Feldherrn Julius Severus mit einer großen Macht nach Palästina, um den Aufstand zu unterdrücken. Diesem Severns gelang es, mehr durch Schlauheit als durch Tapferkeit, dem Gegner aller Lebensmittel abzuschneiden und auf diese Weise alle festen Plätze wieder abzunehmen. Nun wurde Jerusalem abermals zerstört, die Juden in allgemeinen Blutbädern hingeschlachtet, ohne daß das Jammern der Mütter, das Wimmern" der Kleinen unschuldigen Kinder und das Seufzen der wehrlosen Greise geschont worden wäre. Bar Kochba fiel auf dem Schlachtfelde und der edle Akiba wurde bald darauf auf grnnd verschiedener Denunziationen hingerichtet. Im Talmud wird uns folgendes hierüber berichtet: Einst hatte die syrische Regierung dem ihr unterthänigen Israel das Studium der Gvtteslehre aufs sterngste untersagt. Da kam Papus b. Jehuda und fand den Akiba, wie er umgeben von großen Zuhörermassen Vorträge hielt, ohne sich um die Regierung und ihre Verordnungen viel zu kümmern. Akiba, fragte jener erstaunt, fürchtest du dich denn nicht vor der strengen Regierung? Höre Papus, entgegnen sanft Akiba, ich will dir ein Gleichnis erzählen, das hier am Platze sein mag. Em Fuchs schlich einst langsamen Ganges am Ufer eines Flusses und bemerkte, wie die Fische zu Massenzusammengedrängt, in ängstlicher Hast hier und dorthin Schutz suchend, schwammen. Da sprach der Fuchs zu ihnen: Warum fliehet ihr denn so angstvoll herum, und vor wem? Vor den Netzen fliehen wir, welche die Menschen für uns überall ausbreiten, antworteten sie ihm. Hört, sprach er, wenn ihr nicht abgeneigt seid, will ich euch einen nicht unannehmbaren Antrag stellen. Konimt nämlich zu mir aufs trockene Land heraus und da wollen wir friedlich und freundlich nebeneinander wohnen, wie meine Väter friedlich neben eueren Vätern wohnten. Ei, sagten die Fische, mit Unrecht wirst du als das schlaueste der Tiere gepriesen; du bist vielmehr das thörichteste derselben. Sieh doch nun an! Hier im Wasser, in dem Elemente, welches unser Leben bedingt, haben wir Grund zur Besorgnis und Furcht, wie erst dort auf dem trockenen Lande, wo uns die Urbedingung zum Leben fehlt. Dort müßten wir sicher dem Tode verfallen. Dieselbe Bewandtnis, sagte R. Akiba, hat es auch mit uns. Siehe, jetzt wo wir in Hege und Pflege des Studiums unserer heiligen Thora beflissen sind, von der es heißt: „Denn sie ist dein Leben und die Verlängerung deiner Tage", sind wir Gefahren preisgegeben, wie wäre unser Leben erst bedroht, wenn wir aus ihr hinausgingen und sie gänzlich vernachläßigen würden? Es dauerte nicht lange, und R Akiba wurde seines kühnen Mutes wegen angeklagt und in den Kerker geworfen. Zufällig wurde aber auch Papus eingezogen, weil auch er wegen einer Anschuldigung, die zwar mit der Religion in keinem Zusammenhänge stand, in den Anklagezustand versetzt wurde. Als er hier den frommen Märtyrer R. Akiba erblickte, rief er ihm zu: Wohl dir Akiba, denn ou leidest des heiligen Gotteswortes wegen, wehe aber dem Papus, den nur eitle Dinge ins Unglück stürzten. (Berach. 61) Trotz der strengen Bewachung, der R. Akiba im Kerker unterzogen war, gelang es denn doch den Gelehrten, sich, natürlich mit schwerem Gelde, Agenten zu verschaffen, deren Aufgabe es war, durch List und Klugheit zu dem frommen Rabbi gelangen und von ihni über verschiedene religiöse Angelegenheiten Auskunft holen zu können. (Jebam. 108.) Einst zahlten sie einem Boten 300 Denare, damit er durch List zu ihm dringe und Bescheid in einer kasuistischen Frage von ihm überbringe. — Sein Schüler Josua aus Gerasa wurde ihm im Kerker zu seiner Bedienung gegeben. Es war dies die einzige Nachsicht, die die Ruchlosen gegen den frommen Rabbi hatten. Josua war aber auch aus allen Kräften bestrebt, seinem frommen Lehrer in seiner furchtbaren Situation so viel als möglich förderlich zu sein. (Erubin 21.) Als der entmenschte.Tyrann Rufus R. Akiba verurteilte, wurde der fromme Märtyrer zum Richtplatz geführt, wv ihm von den Henkern mit eisernen spitzigen Kammzähnen das Fleisch vom Leibe gerissen wurde. Still und mutig ertrug er diese furchtbaren Qualen, ja er las während dieser von wahrer Bestialität zeugenden Operation andachtsvoll das Schema. Als aber die Schüler wehmütig ausriefen: So w-üt geht dies? antwortete er: Es war stets mein sehnlichster Wunsch das göttliche Gebot: „Du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott mit ganzem Herzen

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