Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 26 (30.6.1893)
- Date
- 1893-06-30
- Page
- Seite 416 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 26. Seile 416. | e f I um n. -<~ „Dil denkst brav, mein Bruder, würdig eines Maimnn, der von spanischer Grandezza und zugleich fleißig wie der niedrigste Arbeiter ist. Du machst der Erziehung irnseres gelehrten und wackeren Vaters Ehre, der uns fromme und vortreffliche Lehren, streng nach dem Schriftwort, wo er ging und stand, zu Hause und auf der Reise, früh und spät eingeschärft hat. Dein Vorsatz ist edel, doch glaube ich, neben der praktischen Ausübung der Heilkunde noch Zeit für gemeinnützige Zwecke, zur geistigen Hebung und Belehrung unserer Brüder übrig zu haben. Es wird wohl auch lioch lange dauern, bis ich hier im fremden Lande Vertrauen und Kundschaft finde, und durch den ärztlichen Beruf meine Zeit zu sehr in Anspruch genommen wird." Die Brüder lebten hierauf einige Jahre zurückgezogen und friedlich, Moses im Dienste der Wissenschaft und wie vorauszusehen war, von der medizinischen Praxis wenig abgezogen, David als verständiger und umsichtiger Leiter des Geschäfts; er gab dem vom Vater übernommenen Juwelenhandel eine größere Ausdehnung, inachte Reisen bis nach Indien und ernährte die Familie ausreichend, wenn auch nicht ohne Mühe und Anstrengung. Aber auch diese schwachen Sonnenstrahlen sollten bald von schwarzen Wolken verdüstert werden.- Das echte Gold wird im heißen Schmelztiegel geläutert, im scharfen Scheidewasser geprüft. Alles Wahre und Strahlende muß im Kampfe sich bewähren, durch Schmerzen und Leiden gestählt, in der harten Schule des Lebens erprobt werden. Auch Israels größter Geistesheld im Mittelalter sollte schwere Prüfungen bestehen, mit harten Schicksalsschlägen heimgesucht werden. Die Schreckenskunde, David sei im indischen Meere uutergegangen, hatee ihn fast zur Verzweiflung gebracht. Der Tod des heißgeliebten Bruders und zugleich der Verlust fast des ganzen Vermögens und noch anderer zum Geschäftsbetriebe entliehenen Gelder, der trostlose Anblick der verlassenen Witwe nebst ihremverwaisten Töchterlein; Mutter und Schwester ohne Stab und Stütze, diese kläglichen Umstände, zu welchen sich noch Angebereien wegen seines Religionswechsels gesellten, hätten seine Kräfte aufgerieben und seinen Mut gebeugt, wäre Maimonides keine gottesfürchtige und vertrauensstarke Natur gewesen. Doch ganz spurlos gingen diese Leiden an ihm nicht vorüber. Sein Körper blutete an allzu vielen Wunden; dieses Übermaß der Schmerzen warf ihn aufs Krankenbett, auf welchem er schwere, schmerzliche Tage znbrachte. Als er einmal aus seinen Fieberträumen erwachte, stand die Schwester am Bette, legte ihre Hand auf seine brennende Stirn und sprach ihm Mut zu. „Versuche doch, geliebter Bruder, den Gram zn bekämpfen", bat sie mit erheuchelter Standhaftigktit, „dann wird auch die Krankheit schneller gehoben werden. Was die Erde deckt, soll der Mensch vergessen, wenigstens nicht immerfort im Gedächtnisse stragen. Rege Dich nicht auf; auch die entliehenen Gelder werden wir nach und nach bezahlen. Die Gläubiger nehmen an unserem Schicksale lebhaften Anteil und drängen nicht. Weißt Du, wovon Dir geträumt hat? Von einem Baume in der Wüste, der ohne schützendes Laubdach, ohne nährende Quelle von der sengenden Glut verzehrt wird. Ich erinnerte mich, daß Du einmal eine ähnliche Stelle aus Deinem Werke dem seligen Bruder vorgelesen hast und ließ mir deshalb Spruch und Bibelvers von einem Deiner Schüler, die täglich Herkommen und nach Deinen: Befinden fragen, aufschlagen. Da machst Du eine Anmerkung, die Du vor allen Dingen für Deinen Zustand Dir. merken müßtest. Du schreibst: „Weß' Weisheit größer als seine Thatkraft, gleicht einem Baume in der Wüste." Diesem Satz stimmen alle Philosophen bei: der Weltweisheit müssen schöne Vorsätze und Thaten vorangehen. Auch Du mußt Dich ermaunen, wenn Deine Philosophie Wert haben soll. Wenn Du jener Baum in Deiner Fieberhitze sein solltest, so kannst Du unmöglich in einer Wüste verlassen dastehen; ans wessen Geiste so zahlreiche labende Quellen fließen, der verwandelt rasch die Einöde in fruchtbares Ackerland und dessen Schatten ist labend und erquickend. Die Schüler, die täglich aus Deinen frischen Quellen schöpfen, können die Zeit nicht erwarten, da Du sie wieder labest und erquickest. Die gute Mutter und ich werden uns bemühen, Dir als schützendes Laubdach zu dienen, um von Deinem Haupte die sengende Glut abzuwehren. Siehe zu, daß Du bald wieder genesest, denn ein kranker Arzt, ein phanatasierender Lehrer und ein verzweifelnder Philosoph sind in der That mit einem dürren Baum zu vergleichen, der keine Früchte trägt; sobald Du aber gesund wirst, werden Deine Blüten wieder ihren Duft verbreitet, und Deine Früchte Auge und Herz erfreuen." (Fortsetzung folgt. Lose Klatter. Aphorismen. Bon 4) W. Frank. Geduld ist passiver Mut. und Mut aktive Geduld. Beide im Bunde überwinden die Welt. * Wo das Wissen anfängt, da hört der Glaube auf, und wo das Wissen aufhört, da fängt - ^der Aberglaube an. Wäre unser Gewissen angeboren und unser Charakter unerzogen, so käme jenes zu früh und dieser zu spät. Unfähigkeit ist der Vater desZNeides, der Haß dessen Sohn. Kleine Geister gleichen den Raketen, sie steigen in die Hlh, blähen sich auf, platzen und lind tot für innner. Die Sorge ist der Quell der Zähre, die Wangenfurche rh Bett, das sie sich selbst gehöhlt- (Wird wrtaesevt.I * In einem Artikel „die Sagen des sächsischen Königshauses" finden wir in der „Nordd. Allg. Ztg." folgende Bemerkung: Es war inzwischen die Zeit gekommen, daß fast ein jeder der deutschen Fürsten sich einen Adepten oder Hofastrologen hielt. So auch Kurfürst Augustus. Der Rabbi Mardachai de Stelle spielte um 1575 eine gar wichtige Rolle am Dresdner Hose, eine ähnliche fast, wie Leonhard Thurueyßer in Berlin. Wir besitzen, angeblich von ihm, eine „Weissagung von der Zukunft des Hauses Wettin," mit handschriftlichen Zusätzen von Kurfürst August selbst vermehrt. Sie beginnt mit dem bekannten kabbalistischen Gallimatthias, prophezeit dann August's baldigen Tod — er erfolgte jedoch erst 1586 —, verkündet dann das Elend des 30järigen Krieges, — „das Land wird fast verzagen wollen," — und weiter eine glänzende Erhebung zu Ende des 17. Saeculi. Haus Sachsen wird die Königskrone erringen und behalten; „ehe aber Adonaj sein Reich mit dem Untergänge dieser aus Feuer und Salz —■