Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 26 (30.6.1893)
- Date
- 1893-06-30
- Page
- Seite 410 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 410 ■^ | f f dl u r u n. Nr. 26. ganzen Menschheit erworben werden. Das goldene Zeitalter fällt den Menschen nicht in den Schoß, sondern wir müssen es herbeiführen durch das Werk der Selbstveredlung und durch die Arbeit für die Veredlung der Nebenmenschen. Jedes Forschen aber über das, was gewesen sei, bevor Gott die Welt ins Dasein rief und über die Zeit, in welcher sich die messianischen Hoffnungen erfüllen werden, ist eitet und sündig. Die heilige Schrift, sagen die Lehrer des Talmuds, beginnt mit dem Buchstaben „2", der von drei Seiten geschlossen und auf der einen Seite offen ist. So sind uns drei Seiten verschlossen: das, war gewesen war, bevor Gott die Welt erschaffen hatte, das Ende aller Dinge und der Begriff der Unendlichkeit, unreines ist uns offen:die Schöpfung und die erschaffenen Dinge. (Ein zweites Kapitel folgt.) Amtlicher Bericht über die 12. Jahresversammlung des Vereins israelitischer Lehrer Südwest-Deutschlands, welche am 23. und 24. Maid. I. in Coblenz stattfaud. — Nachdem der Vorsitzende, Koll. Eppstein-Hoppstadten die Sitzung eröffnet und die zahlreich Versammelten begrüßt, verbreitete sich derselbe in längerer Rede über die Notwendigkeit der Zusammenkünste der israelitischen Lehrer. Zum ehrenden Andenken an den verstorbenen Koll. Schnerb-Merzig erhob man sich von den Sitzen. Dann ward vom Unterzeichneten das Protokoll der vorjährigen Versammlnug verlesen und genehmigt, der Kassenbericht erstattet und Decharge erteilt und der bisherige Vorstand durch St mmzettel wiedergewählt. Nun folgten die Begrüßungen von Herrn Günther, Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemeinde Coblenz, von Herrn Rabb. Dr. Singer-Cvblenz und Koll. Friedberg-Coblenz. Herr Bankier Gvldschmidt aus Bonn begrüßte als Delegierter des D.-J. G.-B. die Versammelten, ausführend, daß der von ihm vertretene Bund an der Konferenz des Vereins ein warmes Interesse bekunde, insbesondere aber an demjenigen Punkt der Tagesordnung,! der über den Zusammenschluß der israelitischen Lehrerver- | eine Deutschlands handelt. Man beschloß deshalb, über! diesen Gegestand zunächst zu beraten und nach langer Debatte, an der sich besonders Herr Bankier Goldschmidt- Boun, die Herrn Rabb. DDr. Cohn-Bonn, Singer-Coblenz! und Weingarten-Ems, Coll. Nußbaum-Trier und Stamm- ' Dierdorf lebhaft beteiligten, gelangte man auf Vorschlag > des Coll. Ransenberg-Neuwied zu dem Ergebnis, „daß der Vereins-Vorstand zu beauftragen sei, den Zusammenschluß mit gleichartigen Vereinen zu bewirken." Es folgte nun ein Vortrag über „Schul- und Gemeinde- Bibliotheken." Da der Referent, Liebstädter-Hoppstädten, nach Mrotschen versetzt ist, hatte Coll. Baum - Sötern dieses Thema bearbeitet. Er verbreitete sich über den Nutzen der Lektüre, Notwendigkeit der Bibliotheken, Beschaffung der Geldmittel, die Art der Bücherverteilung, Inhalt der Bücher und kam zu folgenden Leitsätzen: 1. Die Schülerbibliotheken sind im stände, Unterricht und Erziehung zu fördern, und es ist deshalb vom jüd. Lehrer dahin zu wirken, daß eine jede Schule ein Schulbibliothek erhalte 2. Um das Interesse für das Judentum zu heben, ist das Bestreben der Jetztzeit, Gemeindebibliotheken zu errichten vom Lehrerstande zu unterstützen. 3. Es ist deshalb zu wünschen, daß die Gemeinde alljährlich eine geroisse Summe zu diesem Zwecke in ihrem Etat auswerfe. Hiermit schloß die geistige Arbeit des I. Tages, und man freute sich ans das gemeinschaftliche Essen, das aber nur in seinem Preise die Erwartungen übertraf. Desto vergnügter stimmte die ausgezeichnete Bowle, die Herr Vorsteher Günther-Coblenz den Konferenz- Teilnehmern zum Besten gab, und welche dieselben . bei Gläserklang, Toasten und Gesang fröhlich beisam nenhielt. Am folgenden Tage wurde beschossen, daß die nächstjährige Versammlung am 13. und 14. Mai in Bingen startsinde und daß die Ausarbeitung eines Lehrplanes für die einklassigen israelitischen Volksschule in Angriffs genommen werde und zwar zunächst derjenige für den Religionsunterricht. Referent: der Unterzeichnete. 2. Der Lehrer als Prediger, Referent: Alexander- Bendorf. 3. Die Vorbildung des Lehrers als Kantor, Referent: Nußbaum-Trier und Nnßbaum-Bingen. Nun erhielt Koll. Nansenberg-Neuwied das Wort zu seinem Vortrage: „Stoff und Methode des nachbiblischen Geschichtsunterrichts in der jüd. Volksschule." Die vortrefflichen Ausführungen des Betragenden gipfelten in folgenden Leitsätzen, welche die Zustimmung der Versammlung fanden. 1. Der Unterricht in der nachbiblischen Geschichte ist zur religiösen Erziehung notwendig. 2. Während Einzelbilder bereits auf der Mittelstufe behandelt werden, ist der eigentliche Unterricht für die Oberstufe berechnet. 3. Er beschäftigt sich mit der Geschichte der Juden Kanaans, Babylons, Arabiens, Europas und speziell Deutschlands. 4. Der Lehrstoff wird nur im Einzel- oder Gruppenbilder gegeben und konzentrisch auf drei Schuljahre verteilt. 5. Viele Abschnitte werden dem Pensum der Weltgeschichte eilegeschlossen. 6. Es ist wünschenswert, daß den Schülern ein Lernbuch in die Hand gegeben werde. Inzwischen war die Zeit so weit vorgeschritten daß der Vortrag „über Chewroth" als erster auf die Tagesordnung der nächstjährigen Versammlung zurückgestellt werden mußte. Die Jakobsohn'schen Buchhandlung in ^Breslau hatte eine Anzahl von Schulwerken ihres Verlages der Versammlung zur Verfügung gestellt; ebenso Herr Levin-Tilsit eine Anzahl Exemplare des von ihm herausgegebenen „Jeschurnn." Herr Dr. Cohn-Bonn brachte eine Broschüre „Israelitische Religionsschulen" zur Verteilung, und ein früherer Kollege, Herr Kaufmann van der Walde-Euskirchen beteiligte sich in lebhaftem Eifer an den Besprechungen. Allen diesen Herrn sei auch an dieser Stelle der beste Dank ausgesprochen! — Nachdem der Vorsitzende den Vertretern der Gemeinden Coblenz und Neuwied für ihr warmes Interesse an unfern Bestrebungen, sowie allen Versammelten für ihre wackere Mitarbeit an unfern Verhandlungen gedankt hatte, wurde die Versammlung kurz nach zwölf Uhr geschlossen. Wittlich, 15. Juni 1893. Der Schriftführer. R. Nußbaum.