Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 26 (30.6.1893)
- Date
- 1893-06-30
- Page
- Seite 407 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 407 Nr. 26. I e s ch eine hohe Meinung, aber solche Kraftleistung traue ich ihm denn doch nicht zu. Ob ich nicht zu leichtgläubig bin? Wer weiß. In kleinen Zügen zeigt sich der Meister — auch der Meister der Unwahrheit. Eine solche ist es, und zwar der allergefährlichsten Art, wenn er von verunglückten zionistischen Studenten spricht. Die zionistischen Studenten haben sich bisher fast ausnahmslos — sollte es Zufall sein? — durch Lerneifer, rasche Erreichung des Studienzieles und durch fachliche Erfolge im Leben ausgezeichnet. Wenn Herr Lemberger es wünscht, wird ihm eine Deputation zionistischer Studenten — und zwar deutschjüdische: wozu war die kleine Tendenzalbernheit mit den russischen, rumänischen und galizischen Studenten nötig? — die bezüglichen Daten überbringen. Die jungen Herren sind aber natürlich keine Diplomaten, keine Wortklauber, und würden ihm wohl bei solcher Gelegenheit ihre Meinung unumwunden sagen, wie man ein Vorgehen wie das seinige bei dem rechten Namen nennt. Ich bin leider nicht mit den Glücksgütern des Herrn Lemberger gesegnet, und kann darum mit Fonds und deren Zinsen nicht nur so umherwerfen wie er. Aber hätte ich's, könnte icksts, ich würde eine Stiftung machen, ans deren Zinsen Schulen erhalten würden, in welcher ein Antizionismus von der Art des Herrn Lemberger gelehrt würde. Dann werde ich sicher sein, daß man ,,den Seuchenherd — die Zionsvereine und ihre Führer nicht so bald ganz isoliert und unmöglich gemacht haben wird." Wissenschaft und Litteratnr. Ackerbau und Handwerk unter den Juden in Vergangenheit und Gegenwart. Von Dr. L. Munk. II. Wie die Juden jedoch durch das Verbot, Ländereien und Häuser zu erwerben, allmählich von der Bodenbearbeitung zurückgedrängt wurden, so suchte man sie auch vom Betriebe des Handwerks auszuschließen. Im Jahre 1412 erließ die Regentschaft von Arragonien ein Edikt, das den Juden verbot, irgend ein Handwerk zu treiben; ein gleiches Edikt erließ Papst Benedikt XIII. im Jahre 1415). Pius V. verbot ihnen 1566, irgend ein anderes Geschäft als Trödelhandel zu treiben. „Die ganze Ausbildung des gewerblichen Lebens und des Jnnungswesens", schreibt Stobbe, „schloß den Juden t>ou jeder Teilnahme am Handwerk und Handel aus, und es blieb ihm keine andere Wahl, als vom Schacher und Wucher zu leben; der mittelalterliche Staat ließ ihnen keine anderen Erwerbsquellen." Der Ausschluß vom Ackerbau und Handwerk dauerte fort, bis die französische Revolution und ihre Folgen ihn aufhob; in einem großen Teile Deutschlands wurde mit den Beschränkungen erst im Jahre 1848 vollständig aufgeräumt. In Deutschland haben sich gegenwärtig bereits viele Juden dem Handwerke wieder zugewandt. Eine Berufsstatistik, bei welcher auch die Konfession berücksichtigt ist, existiert in Deutschland nur für Preußen und zwar für das Jahr 1882. Die Angaben derselben, wieviel Juden in Preußen, wieviel in Frankfurt den verschiedenen Berufsklassen angehören, dürften von Interesse sein. — Der Landwirtschaft, Gärtnerei und Züchterei widmeten sich r u n. *<r~ in Preußen 1643 sin Frankfurt 7) Juden, der Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei 34, dem Bergbau- und Hüttenbetrieb, der Salz- und Torfgewinnung 285 (1), der Industrie der Steine und Erden 199(3), der Metallverarbeitung 841 (30), der Verfertigung von Maschienen und Apparaten 592 118), der chemischen Industrie 276 (11), dem Gewerbe der Leuchtstoffe, Fette und Harze 212 (9), der Textilindustrie 1308(70), der Industrie der Nahrungs- und Genußmittel 9272 (166), dem Bekleidungs- und Reinigungsgewerbe 10864 (292), dem Baugewerbe 1311 (19), dem Buch- und Kunstdruck 554 (43), der Kunstbildnerei 118(9),, Gewerben unbestimmter Art 208 (2), dem Waren- und Produktenhandel 63718 (2429), dem Geld- und Kredit- Handel 2908 (682), dem Buch-, Kunst- und Musikalienhandel 450 (29), sonstigen Haudelsgewerben 6702 (505), dem Versicherungsgewerbe 212 (12), Post-, Telegrapheu- und Etsenbahnbetrieb 132 (6>, dem Fuhr- und Frachtwesen 384 (14), dem Wasserverkehr 33, dem Beherbergungs¬ und Schankgewerbe 3657 (41), dem Heerwesen 926 (25), der Verwaltungs- und Rechtspflege 1070 (43), der Religivnspflege, Erziehung und Unterricht 2493 (138), der Gesundheits- und Krankenpflege 1066 (40), der Schriftstellerei, Musikausübung und Schaustellung 695 (45), ohne Beruf, Rentiers, Pensionäre, Zöglinge, Anstaltsinsassen 17690 (1297), ohne Berufsangabe 256 ,3), Dienstboten zur Bedienung 3699 (529), Angehörige ohne Haupterwerb 22016 (7436), in Summa 357,551 (14,012). Statistische Mitteilungen finden sich ferner vor für Rußland aus d. I. 1887 und zwar für die 16 Gouvernements, in denen den Juden der Aufenthalt gestattet ist und die nicht an der Weichsel liegen. Unter 2,404,256 Juden waren, abgesehen von den Flößern, den Handlangern, Fabrikarbeitern, Waldarbeitern und Steinsetzern, deren Anzahl nicht festgestellt wurde, 383,353 Handarbeiter. Hierzu gehören 11,713 Hutmacher, 73018 Schneider, 45838 Schuhmacher, 20131 Tischler, 14172 Schlosser und Schmiede, 11487 Dachdecker und Zimmerleute, 5502 Gärtner, 62 Schriftsetzer und Drucker, 1501 Seiler, 3102 Müller, 18778 Fischer und Fleischer, 17352 Kutscher, 17595 Schornsteinfeger, Holzhauer, Pflasterer und Erdarbeiter. Die jüdischen Handarbeiter Rußlands bilden 15,9 Prozent der jüdischen Bevölkerung. In Preußen bilden die Handarbeiter überhaupt nur 9,1 pCt., in Frankreich 10,6 pCt., in Rußland nur ea. 1 pCt. der Gesamtbevölkerung; es giebt also in Rußland verhältnismäßig 15 mal mehr jüdische als christliche Handarbeiter. Ähnliche Verhältnisse liegen in Rumänien vor. Dr. Klauber früher Bezirksarzt in Jassy, schreibt: „Einzelne christliche Arbeiter ausgenommen, ist das Handwerk ausschließlich in den Händen der Juden, Schneider, Schuster, Tischler, Bildhauer, Spengler, Kupferschmiede, Zimmermaler, Gold- und Silberarbeiter, Uhrmacher, Gelbgießer, Müller, Brotbäcker, Wagner, Lackierer, Gerber, Maurer, Zimmerleute, Schmiede, Schlosser u. s. w. sind fast nur durch Juden vertreten. Die Zahl der jüdischeli Handwerker ist sehr groß, daß fast jede jüdische Handwerkerinnung in Jassy ihr eigenes Bethaus hat; so befindet sich dort eine Schuster-, eine Schneider-,, Maurer-, Musiker-, Zimmermaler-Synagoge u. a. m. Über die Juden in Galizien sagte der gegenwärtige Präsident des österreichischen Abgeordnetenhauses, Exzellenz von Smolka, im Jahre '1.868: „Äuch ist es nicht lange her die Herren, welche in meinem Alter oder älter sind, werden