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Jeschurun · 1893-06-23 · 25 (23.6.1893) · p. Seite 400

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
25 (23.6.1893)
Date
1893-06-23
Page
Seite 400 (sequence 14)
Language
German
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Seite 400. I e s ch u r u n. Nr. 25. Bevor die Familie Maimun in Fostat festen Wohnsitz genommen, begleitete sie Jephet nach den heiligen Orten. Mitte Oktober brachen sie auf und besuchten zunächst Jeru- 1 salem. Ihre Seelen erzitterten in Erwartung dessen, was sie sehen sollten. s Unterwegs begegneten sie lauernden Beduinen in weißen * Hemden und braunen härenen Mänteln, welche auf muntern Rossen umherschweiften oder in ihren Zelten von der Jagd ausruhend und vergnügt die Bärte streichend, kauerten und die Fremden neugierig anglotzten. Hie und da auch eigenartigen Kriegern, die die Kreuzfahrten ins heilige Land führten, Komthuren aus den großen Burgen der Johannisbrüder am Libanon, Sarazenen, Kurden und , Arabern, Mannschaften des Scheikh aus den Bergen, die in 1 jener kriegerischen Zeit das Land durchstreiften. Doch zwei Führer, rohe aber zuverlässige Sarazenen, brachten sie sicher in die Stadt ihrer Sehnsucht. Als sie der Stadt nahe kamen übermannte sie die Bewegung. Sie setzten sich auf eine Steinbank und falteten die Hände. „Dort die Burg auf dem Gipfel jenes Hügels," machte sie Jephet aufmerksam, „ist die Davidsbnrg auf Zion." „Zion!" ertönte es voll freudiger Überraschung aus dem ' Munde aller Begleiter. „Zion!" rief das Mädchen, „das ist die Burg, wo der Held gewohnt, der den Riesen Goliat bezwungen, der j König, der einst Hirtenknabe gewesen, der kleine Mann mit I dem großen Geiste, der tapfere Feldherr und der Dichter, der die herrlichsten Psalmen gesungen: dort erklang die i wunderbare Leier, deren Saiten durch Jahrtausende hallen > sollten!"! „Zion!" sagte Moses, „das ist noch in unserer Gegen-! wart das Zauberwort gewesen, welches unserem innigsten! Dichter, Inda Halevy die ergreifendsten Lieder hervorlockt. I Ich bin kein Freund der Poesie, weil das Beste daran das; Erlogene ist, aber die Zioniden Halevys haben mir, so oft! ich sie gelesen, das Herz gerührt und mein Gemüt ungewöhnlich aufgeregt." Sie bestiegen den Hügel, und Maimun rezitierte wie unwillkürlich die Worte: „Ach wie einsam liegt die Stadt; die einst so volkreiche, wie eine traurende j Witwe."! „Wir müssen jetzt," sagte Jephet, „alle Klagetöne und Mißklünge, die diese Stadt in uns hervorruft, unterdrücken, uin uns den Genuß nicht zu verderben. Der Himmel ist wolkenlos und begünstigt die Fernsicht. Hier ist jeder Berg, edes Thal, jeder Stein Zeuge großer Begebenheiten; die Anhänger aller Religionen, Juden, Christen und Muhamedaner haben hier ihre heiligsten Erinnerungen und stehen voll Ehrfurcht und erhabener Enipfindungen vor denselben; denn das göttliche Licht, welches in diesem Lande , zuerst inner Heiligtum erhellte, hat in der Folge seinen himmlischen Glanz über viele Völker der Erde verbreitet. — Dort ist Morija, wo Abraham einst seinen einzigen geliebj ten Sohn auf Geheiß des Herrn opfern wollte, wo der! Tempel gestanden und heute die Moschee des Omar sich! erhebt, nächst der in Mekka das größte Heiligtum der Muhamedaner, weil nach ihren Legenden da die Stelle sein soll, wo ihr Prophet gen Himmel fuhr. Gerade gegenüber das jetzt wasserlose Bett war in alter Zeit der Bach Kidron, über welchen eine Brücke zum Ölberg führt, der in der jüdischen, wie christlichen Überlieferung fromme Erinnerungen wachrnft. ($? stehen noch uralte Ölbänme daselbst, und die Aussicht von da ans die Stadt und Umgebung ist unvergleichlich; auf den höhern nördlichen Gipfel soll der Stifter des Christentums in den Himmel gefahren sein. Rechts von der Kidronbrücke befinden sich die Gräber Absalons, Josaphats und des Propheten Sacharja. Die Mnhamedaner haben einen Haufen Steine vor das Grab Absalvns, der gegen seinen Vater David Krieg geführt, geworfen. Es liegt ein hoher, sittlicher Ernst in diesem Brauche; indem sie Steine vor seine Gruft werfen, sprechen sie laut einen Fluch aus gegen den widerspenstigen Sohn und wider jeden, der seinen Eltern nicht gehorcht. Die Thvre, welche wir ringsum sehen, sind: das alte Thalthor, von wo aus man nach Jaffa gelangt, das Damaskusthor, früher das Thor Ephraim, das Töpfer- und Ziegelthor und das Wasserthor; dort in der Nähe der Ruinen von den Thürmen Hanael und Mea das Schasthor, das Brunuenthor in der Nähe des alten Teiches Siloah Die liebliche Quelle Siloah oben am Ende des Thales Josaphat ist ein wahrer Segen für die Bewohner der Stadt, denn Jerusalem ist sehr wasserarm; nirgends in der ganzen Umgebung findet der Pilger einen frischen Quell, um die lechzende Zunge mit einem Trünke Wassers zu erquicken, nirgends findet er einen kühlenden Schatten, um von der mühseligen Wanderung auszuruhen, nur am Quell Siloah ist es ihm vergönnt, den vertrockneten Gaumen zu benetzen, das von Hitze und Staub ermattete Haupt in Schatten der Terebintheu und Olivenbäume niederzulegen und sich neu zu stärkeu." (Fortsetzung folgt.) Lose §Mtt Aphorismen. Bon 3] W. Frank. Einsamkeit ist die Zufluchtsstätte für große Geister und eine Folterkammer für Flachköpfe. * Warum wird die Wahrhüt unablässig verfolgt? Unrerfolgt würde sie die Epistenz der Menschheit gefährden. Dem Eitlen ist der Spiegel, was dem Talent das Sell'stbewußtsein. Was keiner wissen läßt, um nicht verachtet zu werden, ist sein wahres Ich. Biete sind wissentlich ihre eigenen Betrüger, unwissentlich alle. Der Humor ist heitere Satpre, und die Satvre ernste'' Humor. Neugeprägtes Kupfer trägt des alten Goldes Glanz und Farbe. Zwischen echt und unecht entscheidet die Zeit (Wird Mtaeseüt 1 * Ju der offiziellen Ansprache des Präsidenten der ungarischen Delegation an Se Majestät den Kaiser und König von Österreich-Ungarn lauten die Schlußworte: „daß der Gott der Ungarn Eure Majestät im besten Wohlergehen bis au die äußerste Grenze des menschlichen Lebens erhalte." Es wird wohl keinen Querkopf geben, der uns ehrlich glauben machen wollte, daß der ungarische Jsten ein Nationalgott ist. Jedermann weiß, daß in Ungarn, die christliche Religion in ihren verschiedenen Konfessionen, so

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