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Jeschurun · 1893-06-23 · 25 (23.6.1893) · p. Seite 401

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
25 (23.6.1893)
Date
1893-06-23
Page
Seite 401 (sequence 15)
Language
German
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I e s ch 11 r 11 11. Nr 25. Seite 401. wie in den anderen europäischen Staaten, die Religion des Volkes ist, wovon nur die Juden eine Ausnahme machen. Wenn aber die Bibel den Schöpfer der Welt, den Ewigen den Gott Israels nennt, da entblöden sich moderne Schriftsteller nicht, hierin einen jüdischen Nationalgott zu finden. Allerdings hat jedes Volk seinen eigenen Gott, d. h. seine eigene Auffassung von Gott und seine eigene Vorstellung, unter welcher es ihn verehrt, was bei den verschiedenen Konfessionen besonders hervortritt. Der ungarische Gott zum Beispiel verlangt, daß die Menschen frei sein sollen, daß sie hochherzig, edelgesinnt und nicht fanatisch seien; rvährend bei anderen Stämmen geglaubt wird, daß man durch Engherzigkeit und Fanatismus Gottes Gunst erreichen könne. Auch die Juden haben ihren eigenen Gott, der nur geistig erfaßt und nicht vorgestellt werden kann; und der von ihnen verlangt, eher alles zu opfern, als diese ihre Überzeugung. In diesem Sinne aber hat ja fast jeder Mann seinen eigenen Gott; wahrlich, der Gott irgend eines unwissenden Juden ist nicht der Gott, wie ihn Maimonides ' gedacht, ebensowenig wie das Christentum irgend eines aberglüubischen denkunfähigen Menschen das Christentum unserer erleuchteten Männer ist. Neunen wir unseren Allvater Jsten, Jehova oder Gott, — immer ist er ein und derselbe, und er möge das Gebet des ungarischen Delegations- Präsidenten, erhören und es in Erfüllung gehen lassen, alle Bewohner Österreichs sprechen dazu: Amen! — Lektor M. Friedmann, Wien. Jüdische Gedenktage. Zusammengestellt von Lehrer D. Mannheim. Am 8. Thamus 5642 (25. Juni 1882) starb in Würzburg Michael Godefroi, der erste, der als Jude zum niederländischen Justizminister ernannt wurde. In Amsterdam 1844 geboren, war er ein ausgezeichneter Jurist, einer der bedeutendsten Mitglieder der niederländischen Kammer, der er mit kurzer llnterbrechung über 30 Jahre angehörte und der auf legislatorischem Gebiete Bedeutendes geleistet hat. Er war einer derjenigen Staatsmänner jüdischen Stammes, welcher, unerschütterlich treu dem väterlichen Glauben, Präsident des israelitrschen Konsistoriums, die Rechte seiner Glaubensgenossen sowohl in Holland als in der Schweiz und in Rumänien mit Entschiedenheit und Eifer vertrat. Sieben Jahre später verschied an demselben Tage Elias Karpeles, einer der ersten mährischen Rabbiner, zu Wien. Er verband mit talmudischer Gelehrsamkeit allgemeines Wissen und echte Religiosität mit moderner Wissenschaft. Einer Rabbinerfamilie angehörend, wurde er früh dem theologischen Berufe gewidmet. Er war als Nachfolger seines Vaters Rabbiner in Eiwanowitz und 27 Jahre in Loschitz, siedelte dann nach Wien über, wo er Mitglied des Rabbinats und Prediger in Wieden wurde. Die Predigt hielt er für den wichtigsten Teil des modernen Rabbinertums; er veröffentliche mehrere Predigtsammlungen, Trannngsreden, Grab-, Konfirmations- und Sabbatreden. Karpeles zählt zu den fruchtbarsten homiletischen Schriftstellern. * Am 12. Thamus starb in Toledo Jakob den Ascher (ben Jechiel ben Uri ben Eliakum ben Juda), dessen Grab sich neben dem seines Vaters, des berühmten Ascheri oder Rosch, befand. Er hat die vier Turim, einen Religionskodex, verfaßt, der auch heute noch in rabbinischen Kreisen als normgebend g'll- Der 13. Thamus hat den Juden Trauriges und-Freudiges gebracht. 1270 war in Weißenburg eine große Judenverfolgung, bei welcher viele Rabbiner und Gelehrte gerädert wurden. (Amude 11a Aboda Seite 100) 1868 wurde dagegen den Juden in Deutschland allgemeine Gleichberechtigung zuerkannt. AWU" Mit Nr. 26 beschließt der ״Jeschurun" das 2. Quartal des laufenden Jahrganges. Unsere gesch. Abonnenten, die das Blatt durch die Post beziehen, werden gebeten, das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen. Die Expedition. Wochen- .Inni. 1893. Tanmm8. 5653. Kalender. Freitag . . . 23 i 9 Sonnabend . . 24; 10 הקת Sonntag. . . 25 11 Montag. . . 26 12 Dienstag. . . 27 13 Mittwoch 28 14 Donnerstag. . 29 15; Freitag . . . 30 16 ' Germania, Lebens - Versicherungs - Aktien - Gesellschaft zu Stettin. Die am 18. Mai abgehaltene 35. ordentliche General- Versammlung genehmigte die von den 5 Revisoren geprüfte Jahresrechnung und ertetlte dem Verwaltungsrat und der Direktion Entlastung. Von dem verbliebenen Reingewinn des Jahres 1892 * in Höhe von M. 3,184,259 erhalten die Aktionäre als Dividende 15% ihres Bareinschusses mit zusammen M- 270,000, dagegen die mit Gewinnanteil Versicherten eine Prämien - Rückvergütung von M. 2,773,353. Von letzterer Summe fließen M. 181,00t in den Kriegsreservefonds, M. 722,898 oder 21 0/0 der 1892 gezahlten Jahresprämie beziehen die nach Dividendenplan A Versicherten, und M. 1,869,454 wurden dem Dividendenfonds B überwiesen, aus dessen Gesamtbeträge von M. 7,41)6,351 die mit steigender Dividende nach Plan B Versicherten 30/0 von der Gesamtsum me der seit Beginn ihrer Versicherung gezahlten Dividenden-Jahresprämien — z. B. die ans 1880 Versicherten 42% der 1892 gezahlten Jahresprämie — im Jahre 1894 als Dividende empfangen. — Neu ausgefertigt wurden 10,774 Policen über M. 39,552,043 Kapital und M. 216,084 Jahresrente. Nach Abzug der durch Tod und bei Lebzeiten Ausgeschiedenen verblieb Ende 1892 ein Versicherungsbestand von 171,261 Policen über M. 466,656,326 Kapital und Ai. 1,665,648 Jahresrente — mithin Reinzuwachs gegen den Bestand des Vorjahres 3,156 Policen mit M. 19,802,887 Kapital und M. 136,926 Jahresrente. An Prämien vereinnahmte die Gesellschaft im Rechnungsjahre M- 19,813,872, an Zinsen M. 5,199,751. Von der Jahreseinnahme wurden verwendet 39,1% mit M. 9,974,656 für Auszahlungell an die Versicherten. Die Sterblichkeit verlief günstig, trotz der zahlreichen Influenza-Todesfälle, wodurch allein M. 519,491 fällig wurden. Dem Prämienreservefonds wurden 37% der Jahreseinnahme mit M. 9,411,525 überwiesen und dessen Gesammtsume hierdurch auf 121,835,419 M. erhöht. Die Gesammt-Activa der ״Germania," von welchen 75,5% mit M, 111,875,766 in mündelsicheren Hypotheken angelegt sind, erreichten Ende 1892 die Höhe von 144,265,530 M. Von den im verflossenen Jahre eingetretenen 2157 Sterbefällen hat kein einziger zu einem Prozesse gegen die ״Germania" Anlaß gegeben.

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