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Jeschurun · 1893-06-23 · 25 (23.6.1893) · p. Seite 397

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
25 (23.6.1893)
Date
1893-06-23
Page
Seite 397 (sequence 11)
Language
German
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3 f \ tt) n r u n. Hg- ©ette 397. Nr. 25 10. verlegt wurde. Eine große Anzahl Geschenke und kostbare Blumenspenden zeugten von der Anteilnahme weiter Kreise der Gemeinde. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde erschien in corpore unter Führung des stellvertretenden Vorsitzenden, welcher daS Jnbelpaar in einer Anrede namens des Vorstandes der Syn.-Gemeinde begrüßte und beglückwünschte. * Am Sontag, den 4. d. M. feierte Herr Lehrer Sassen in Linnich mit seiner Frau das Fest der silbernen Hochzeit. Des Morgens erschien eine Deputation der Gemeinde und überreichte dem Jubelpaar ein prächtiges Ehrengeschenk. Später war die ganze Gemeinde um die Gefeierten versammelt und besonders die Schuljugend feierte ihren verehrten Lehrer in herzlicher Weise. * Das israelitische Waisenhaus „Wilhelmspslege" in Gelingen hat seinen Rechenschaftsbericht pro 1. April 1892/93 veröffentlicht. Am 30. Oktober v. I. waren es 50 Jahre, daß diese Anstalt eröffnet wurde. Die Feier des 25jährigen Regierungsjubilänms Königs Wilhelms J. (1841) hatte die Anregung hierzu gegeben. Diese Jubiläumsfeier wurde in der Anstalt festlich begangen. Der Anstalt wurden wieder recht viele und reiche Gaben zugewendet, nämlich 4606 Mark Legate und Stiftungen, 10900 Mark Spenden und Beiträge, so daß das Vereinsvermögen jetzt 332236 Mark beträgt Die Anstalt, an der auch die israelitischen Zöglinge des Lehrerseminars und der Präparandenanstalt in Eßlingen beköstigt werden, beherbergt jetzt 31 Pfleglinge. * Der Präses des Vorstandes der orth. Kultusgemeinde in Prestbrirg, Herr Ivel Wolf, hat 8000 Gulden zum Ankauf eines Hauses für die zu errichtende Altersversorgungs- Anstalt gespendet. * Das orthodoxe Judentum Ungarns hat einen schweren Verlust erlitten. Einer feiner berühmtesten Männer, der „Wunder-Rabbi" Salomo Spira in Munkacs ist gestorben. Der Hingeschiedene genoß als Talmndist und gottesfürchtiger Mann einen weit über die Grenzen des Landes reichenden Ruf. Das Leichenbegängnis fand in Anwesenheit zahlreicher Rabbiner statt. Sein Sohn, Rabbiner Hermann Spira, wurde sofort zum Nachfolger des Verblichenen gewählt. * Die Stadtverwaltung von Budapest hat der israelitischen Kultusgemeinde ein Grundstück zum Bau einer neuen Synagoge kostenlos überlassen. * g. Das Rabbinerseminar zu Paris hat drei Zöglinge, zwei niit dem Diplom als Graßrabbiner und einen mit dem als Rabbiner entlassen. Das Institut zählt, außer der damit verbundenen von 38 Schülern besuchten Talmud- Thoraschnle, 13 Rabbinatskandidaten. * Die französische Kammer nahm einen Antrag an, nach welchem bestimmt wird, daß das Amt eines Oberrabbiners unverträglich sei mit der Ausübung eines Abgeordnetenmandates. * Eine sehr fromme Dame in Paris hatte beim Umzuge ihrer Wohnung vergessen, eine sehr große Mesusa von der Thür ihrer Wohnung abnehmen zu lassen. Der neue Mieter vermutet in derselben ein Dynamitatentat und läßt' die Polizei rufen, welche das Corpus delicti zur Analyse der Behörde übergiebt; unter Zuziehung eines Rabbiners löste sich aber das Geheimnis in Wohlgefallen auf. * g — Die „Gesellschaft zur Aufmunterung zum Wohlthun" in Frankreich deren Präsident der berühmte Jules Simon ist, hat der Vorsteherin des israelitischen Frauen- Vereins in Lyon, Frau Wwe S. Kahn, ein Preismedaille für deren selbstloses, edles Wirken zuerkannt. * Rabbiner A. Green hielt — wie schon berichtet — am 24. Mai einen Vortrag über Duldung der verschiedenen Konfessionen gegen einander. Hervorzuheben ist, daß, als Rabbiner Green gefragt wurde: In welcher Richtung Juden und Christen gemeinschaftlich wirken könnten, ein Herr Hertwich sofort entgegnete: In welcher Richtung können sie nicht zusammentreten, wenn sie nur ehrlich wollen? * b Am verflossenen Sonnabend ist Dr. Israel Jechiel Michael Rabbinowiez im hohen Alter in London gestorben. Er war bereits ein Achtziger, als er vor ungefähr zwei Jahren nach London kam um sich dvrtselbst niederzulassen; er verlebte auch dort seine letzten Monate in verhältnismäßig größerer Begliemlichkeit, als dieses in feinem srühern Wohnorte Paris der Fall war mtb diese Annehmlichkeit hatte er dem großmütigen und gütigen Zirkel seiner Freunde, zu dem auch Dr. Adler und F. D. Mocatta gehörten, zu verdanken. Dr. Rabbinowiez war eine sonderbare Persönlichkeit. Er entwickelte den größten Teil seiner litterarischen Thätigkeit in Paris obgleich er kein geborener Franzose war. Es kann von ihm nicht behauptet werden, daß die Politur der französischen Hauptstadt an ihm etwas geändert habe, sondern er blieb bis zum letzten Augenblicke ein Einsiedler. Dies ist immerhin ein seltsames Fatum für einen Mann, dessen Werke so populär wurden, seine zwei vielgelesenen Bücher, „Legislation civile de Talmud" (1873 u. 1880) uitb „Legislation criminelle du Talmud" (1874) | erfreuten sich eines bedeutenden Rufes in dem breitesten Publikum. Rabbinowiez war kein Gelehrter im engern Sinn des Wortes, er war aber ein Lernbeslissener ("pftSn □Dn)/ und seine vielen Talente UNO Arbeiten, geben ihm das Recht, einen Platz in der dankbaren Erinnerung seiner Glaltbensgenossen zu beanspruchen. Rabbinowiez wies stets mit Stolz ans die Thatsache hin, daß seine Werke von dem Czar angenommen tvurden, und daß dieselben in den ge-! bildeten Kreisen Rußlands Eingang gefunden haben. Rabbinowiez lebte in Paris von 1860 — 1890; er war ein unermüdlicher, wenn auch nicht sehr fruchtbarer Autor. Außer den zwei erwähnten Werken, schrieb R. noch folgende; „La Midicine du Talmud" (1880) „Les Principes Thalmudiques de Schechita etc; (1877) „Essaisur le Judaisse,. son passe et son oveuir" (1877; und einen Aufsatz in Form einer Antwort auf einen Artikel von I. Song in der Revue des Mondes Über „La Religion Nationale des anciens Hebreux, 1873. Rabbinowiez beschränkte sich (eben nicht auf das Gebie jüdischen Wissens allein. Er sammelte außerdem eine Reihe nutzbringender Schulbücher, die in gewissein Sinne auf Originalität Anspruch haben. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß hätte er noch länger gelebt, er sich auch durch die Herausgabe eines englischen Schulbuches bemerklich gemacht haben würde. Er ist der Verfasser einer lateinischen, französischen, hebräischen und einer vergleichenden polnischen Grammatik. Hätte Rabbinowiez seinen Fleiß und seine Zeit, anstatt auf viele Gegenstände, nur aus einen Zweig der Gelehrsamkeit konzentiert, seine Arbeiten wären vielleicht von noch dauernderem Werte gewesen. Immerhin hat er ungemein

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