Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 25 (23.6.1893)
- Date
- 1893-06-23
- Page
- Seite 394 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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vicitc 394. Nr. 25. JI t f rij u r u n. Zwei Schulbücher?) Besprochen von C'. Flanter. Mit gesteigertem Interesse verfolgt der gewissenhafte Lehrer unserer Religion alle Erwägungen auf dem Gebiete des Religions- und hebräischen Unterrichts. Die auf Verbesserung dieser Unterrichtsgcgenstände, der Schmerzenskinder jüdischer Pädagogik, gerichteten Bestrebungen sind in den letzten Jahren in erfreulicher Weise zu Tage gttreten; es ist auch zu hoffen, daß sie von gutem Erfolge begleitet sein werden. Dieses wird umsomehr oder nur dann der Fall sein, wenn Rabbiner und Lehrer Hand ui Hand gehen, und wenn in Fragen dieser wichtigen Fächer alle Sonderinteressen und Meinungsverschiedenheiten einer segensreichen Einmütigkeit weichen. Wir haben leider erfahren, daß Rabbiner, auf ihr Wissen pochend, mit Geringschätzung auf den Lehrer blicken, während dieser doch heutzutage sich eine Fülle von Kenntnissen und Fertigkeiten aueignen muß und auch besitzt, die ihn vom früheren „Melamed" sehr vorteilhaft unterscheiden, ihm (inen würdigeren Platz — auch dem Rabbiner gegenüber — anweisen und ihn befähigen, in pädagogischen Fragen ein maßgebendes Wort mitzusprechen, welch letzteres doch nicht von jedem Rabbiner unbedingt gesagt werden kann. Freilich finden sich in dem jüd. Lehrerpersvi al Elemente, die geeignet sind, den jüd. Lehrerstand in Mißkredit zu bringen; aber die Schar der Lehrer wird von den unberufenen Eindringlingen immermehr gesäub rt, was dem Lehrerstand unb unserer Jugend gewiß zum Segen gereichen wird. — Die erwünschte Einhelligkeit unter den Lehrpersonen sollte sich bes nders zeigen, wenn es sich um Einführung eines Lehrbuches handelt, wobei die Qualität des Buches allein maßgebend fein sollte, nicht aber, ob es von einem Rabbiner oder Lehrer herausgegebeu iit. Wir wollen das Gute nehmen, daher es eben kommt. Die beiden Lehrbücher des Dr. Z. können wir uneingeschränkt als wirklich „gut" bezeichnen. Das „Spruchbuch" enthält Sprüche ans Bibel und Gebetbuch mit Angabe der Stellen, wo die Kinder sie anfzusuchen haben. Diese Sprüche sind im Anschluß an die bibt. Geschichte als Denkverse zu lernen. Hieran schließt sich der systematische Religionsunterricht. Diesen Lehrgang halten wir auch für den richtigen. Von dem Beispiel der Erzählung muß ausgegangen und das Kind so mit den Lehren unserer heil. Religion bekannt gemacht werden. Die Sprüche, für die das Gebetbuch eine ergiebige Fundgrube ist, dienen als Belagstellen und zur Befestigung. Dieser Lehrgang hat den Vorteil der Konzentration und erweckt und pflegt den Trieb zur Selbstchätigkeit und Schaffensfreudigkeit der Kinder. Der Anhang, eine Zusammenstellung der Feier- und Festtage, der Fast- und Trauertage und anderer religiöser Vorschriften, erhöht den Wert des Buches als Hilfsmittel für den Religionsunterricht. — Der 71. Kursus „Vokabularium und Grammatik" ist mit vielem pädag. Geschick hergestellt. Im Anschluß an die gelernten Sprüche werden die Kinder auf das Gebiet der hebr. Grammatik geführt. Hierbei verführt Dr. Z. streng nach den Grundsätzen: „Erst das Beispiel, dann die Regel" — Vom Leichten zum Schwierigen," wodurch das Kind leicht und schnell mit der hebr. Grammatik vertraut wird. Dadurch, daß das Kind befähigt wird, die Gebete zu übersetzen und zu verstehen, wird das gedanken und andachtslvse Beten verhindert. Manche Regel könnte wohl knapper, bestimmter ausgedrückt werden. In voller Anerkennung und Würdigung der beiden Lehrbücher, die den gelehrten Verfasser als einen eifrigen und geschickten Lehrer erscheinen lassen, empf.hlen wir wärmstens die Einführung und fleißige Benutzung derselben. Klmk Chronik. *) 1. Vokabularium und Grammatik, 71. Spruchbuch von Dr.Zuckermandel, Rabbiner in Pleschen. i Bürgerliche Verhältnisse. * Bon seiten der freisinnigen und der Vvlkspartei waren für die Reichstagswahlen fi'iitf Juden als Kandi-! daten aufgestellt. Mit einer Ausnahme — Max Hirsch j in Bitterfeld-Delirsch — waren sämtliche Kandidaten auf! verlorene Posten gestellt. Wir wollen jedoch die Viamen j der Kandidaten und der Wahlkreise verzeichnen. Es kandi-! dierten: Amtsrichter Roth er in Labiau-Wehlau, Rechts-! anwalt G u t t f e l d in Sensburg-Ortelsburg, Dr. m6<1.! A s ch in Breslau-Ost, Dr. Hirsch in Delitsch für die frei-! sinnige und Leop. S oitne m ann in Frankfurt a. M. für'die I süddeutsche Volkspartei. Die Kandidaten sind sämtlich im ersten! Wahlgange unterlegen. Hingegen werden der svzialdeino-! kratischen Partei etliche sogenannten „Juden" angehören. Gewählt sind u. a. Singer und Wurm. * Ehren-Schwennhagen, der gleich Ahlwardt vom Finanzminister Migltel wegen verleumderischer Beleidigung verklagt worden ist, hat sich geflüchtet, so daß vom Untersuchungsrichter beim Landgericht I Berlin ein Steckbrief hinter ihm erlassen worden ist. — Ein netter Bursche! * s. Der früher antisemitische Redakteur der hannoverschen Post, Dr. jur. Ad. Tesdvrpf in Leipzig ist wegen Beleidigung des Kommerzienrats Ad. Molliug, begangen durch einen Artikel in der genannten Zeitung, zu 500 Mark Geldstrafe und in die Kosten verurteilt. Es wird nichtsdestoweniger und trotz aller Strafen ununterbrochen in der antis. Presse weiter geschimpft und geschmäht. * In einer konservativen Versammlung am Mittwoch Abend saß Herr Stöcker über seine geliebten Brüder im Antisemitismus wieder einmal zu Gericht. Er wendete sich gegen die Mischmaschwirtschaft-Partei, die zugleich konservativ und liberal sein will, und „führte den Dr. Böckel ab", in dessen Wahlflugblättern nichts als Angriffe gegen die Regierung und die Konservativen zu finden seien. Vor diesem falschen Antisemitismus könne man nur warnender stehe direkt „neben den Roten". Manche Bestrebungen, die sich antisemitisch nennen, gehören ins Tollhaus.. Es seien politische Kindereien, damit locke man keinen Hund vom Ofen hervor. — Ein ähnliches Urteil haben andere Antisemiten bereits auch überHerrn Stöcker gefällt. Ausnahmsweise haben beide Parteien recht. * Über ein interessantes l^uixro^uo wird aus Ober- Glogan von einem sichern Gewährsmann mitgeteilt: Kamen da vor einigen Tagen zwei ältere Herren in das vom Assessor, Herrn Blasig, kommissarisch verwaltete Grundbuchsamt. Der Eine nahm erst nach Eintritt in das Zimmer! seinen Hut ab, was dem Herrn Assessor Veranlassung gab,