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Jeschurun · 1893-06-16 · 24 (16.6.1893) · p. Seite 384

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
24 (16.6.1893)
Date
1893-06-16
Page
Seite 384 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 24. Seite 384. | J f di u r u n. «- Roß in glänzende Schuppenpanzer gehüllt. Ein syrischer Mann führte die Angekommenen durch schmutzige Gassen an weiß getünchte Häuser mit glatten Dächern und mit spärlichen Lichtöffnungen vorbei. Unter den schmucklosen Wohnungen kleiner Leute standen mächtige Steinthürme und reichverzierte Paläste, die Bürger edler Geschlechter, dazwischen eine große Anzahl Kirchen und Kapellen. An den freien Plätzen lagen die stattlichen Höfe der Kaufherrn aus Pisa mit gewölbten Lauben, wo hinter metallenen Gittern Waren des Morgen- und Abendlandes ausgestellt waren. Der Dragoman lenkte ihren Blick auf die Pracht und Fülle der kostbaren Stoffe und Metallwaren, der Früchte und Lebensmittel, die in Lauten menschlicher Rede feilgeboten wurden, dergleichen sie niemals gehört. Sie sahen von hohen Stiegen zwischen den Häusern auf die reiche Stadt, auf den burgähnlichen Wohnhäusern der syrischen Landbauer zwischen großen Wein und Orangegärten; in der Niederung breiteten sich Feigenbäume und Olivenwälder, am Rand der Bäche wuchs der Oleander, auf den Höhen ragten Cypressen und flachgegipfelte Pinien. „Dort hinter den Bergen", deutete der Dragoman, liegt Jerusalem, und die Familie Maimuns neigte sich ehrfürchtig der heißersehnten Stadt zu. Der Blick schweifte über herrliche Ebenen, gleich buntgestickten Teppichen, die Turteltauben girrten auf den Sycomoren und die Nachtigall schmetterte aus dem Zitronenhain ihre Lieder. Die Stadt gehörte damals dem Könige von Jerusalem, A m a l a i h , war Hauptlandungsplatz der italienischen Seefahrer und Mittelpunkt des Großhandels zwischen dem Osten und Westen. Die christliche Herrschaft, welche durch die Kreuzzüge dort eingesetzt wurde, erwies sich gegen sie noch unduldsamer als die muhamedanische. In den Gebieten, welche in den Händen der Christen waren, wohnten kaum mehr als tausend Familien; in Jerusalem, das schon zu den größten Gemeinden zählte, nur etwa dreihundert Mitglieder. Sie lebten materiell wie geistig in einem sehr kümmerlichen Zustande. Selbst das Talmundstudium fand da nur wenig Pflege. Nur Akko hatte einige berühmte Lehrer, die Rabbinen Z a d o k und I e p h e t den Elia, die an der Spitze der Gemeinden standen und die es auch bewirkt halten, daß die Familie Maimun freundliche Aufnahme gesundem In letzterem fand die Familie, besonderes Moses Maimonides, in kurzer Zeit einen wahren und warmen Freund. Als die Tochter dem Rabbi Jephet vorgestellt wurde, legte dieser beide Hände auf ihr Haupt und segnetete sie: „Gott sei dir gnädig, mein Kind, er lasse dich werden wie Sara, Rebekka, Rahel und Lea." „Amen!" antwortete sie, „dürfte ich, ehrwürdiger Herr, gleich mit einer Bitte beginnen? Unsere Sehnsucht, die Gräber der frommen Mütter, die Euer Segen mir als Vorbild aus Herz gelegt, wie andere heilige Erinnerungsstätten zu besuchen, müssen wir so bald als möglich befriedigen und nach der Schilderung Eurer Person seitens meines Brudes wäre es zu unserm größten Vorteile, wenn wir Euch als Reisegefährten gewinnen könnten. Vor manchen biblisch denkwürdigen Punkten würden wir vorübergehen, wenn wir nicht einen gelehrten ortskundigen Mann bei uns hätten, der uns auf die Sehenswürdigkeiten aufmerksam machte. Nicht wahr! Ihr habt die Güte, lieber Rabbi, mit uns zu reisen; versprecht Ihr es mir?" (Fortsetzung folgt.) joje Kliitter. Aphorismen. Von 2] W. Frank. Tiefe Denker sind Sonnen mit eigenem Licht und ««geborgter Wärme. Den dunklen, kalten Sternen von ihrem Überfluß mitteilend, stehen sie fest über dem Getriebe rollender, kreisender Welten. Viele Lehrer sind Lampenschirme - sie dämpfen das Licht. * Die Denkmaschine in unserem Kopfe ist sehr kompliziert, aber höchst einfach ist es, maschinenmäßig zu denken. Weil Geist die Würze des Lebens, genießen die Meisten es ungewürzt. * Glückseligkeit! Das Wunderland, in welches kein Weg füh't. Manche Tugeudrosen sind auf dem Mistbeet des Lasters gewachsen. * Das Wertlose erkennen, heißt eignen Wert haben. Was der Plauze Licht und Wärme, das ist dem Genie die Anerkennung. sWird fortgesetzt.) * In der letzten Monatsversammlung des sachtechnischen Klubs der Hof- und Staatsdruckerei in Wien hielt Referent W. Hechler, Kaplan der Wiener englischen Botschaft, der als Bibelforscher in der Gelehrtenwelt einen vorzüglichen Ruf genießt, im Grünen Saale der Akademie der Wissenschaften einen interessanten Vortrag über die Stammbäume Christi, dem ein zahlreiches, destinguiertes Publikum beiwohnte. Referent Hechler entwickelte an zwei von ihm zusammengestellten und vom genannten Klub gedruckten Genealogien, die in den Mitteilungen des Klubs erscheinen werden, die Geschlechtsfolge von Adam angefangen bis auf Christus, und zwar in vergleichender Form zwischen dem Alten Testamente einerseits und dem Neuen Testamente nach den Evangelisten Matthäus und Lucas andererseits. Ferner zeigte er auf einer anderen großen Tabelle die Völkertafel der Genesis und die Verwandtschaften der Patriarchen, wie sie in den Geschlechtsregistern des Alten Testaments Vorkommen. Diese letztere Tabelle enthielt vielfach korrespondierende Namen in Keilschrift und in hieroglyphischen, demotischen und sabäischen Charakteren, meistens wissenschaftliche Forschungsresultate der ueuesten Zeit, welche für die Authcncität der Bibel als historisches Dokument sprechen. Dem sehr beifällig aufgenommenen Vortrage folgten Demonstrationen interessanter alter Dokumente und Modelle. Unter elfteren befanden sich Abklatsche des berühmten Rosettesteines aus London, der Meia-Jnschrift aus Paris, der Warnungstafel iu griechischer Sprache aus dem Tempel in Jerusalem zur Zeit Christi, verschiedene Original-Papyrns-Jnschriften, darunter eine Original-Todesanzeige, zirka zweihundert Jahre nach d. g. Z. aus der hervorgeht, daß auch damals bereits die polizeiliche Meldung bestand, und ein datiertes Aktenstück aus dem ersten Regierungsjahre des Kaisers Marcus Aurelius (160—161 n. CH.T Mit viel Interesse wurden die vorgemiesenen Modelle besichtigt, so jene der ersten Siifts-

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