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Jeschurun · 1893-06-16 · 24 (16.6.1893) · p. Seite 382

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
24 (16.6.1893)
Date
1893-06-16
Page
Seite 382 (sequence 12)
Language
German
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Nr. 24. Seite 382. | f f rij u r n n. * rl. Man schreibt uns aus Wien: Bezüglich der Seminarfrage erfahren wir ans beglaubigter Quelle, daß das Kuratorium bereits Unterhandlungen eiugeleitet hat, um die erledigte Stelle für Bibelexegese, jüdische Geschichte und Homiletik zu besetzen. Als Dozenten sind in Aussicht genommen: Dr. M. Stern in Kiel, Dr. Ivel Müller in Berlin und Dr. Brann in Breslau. Auch soll ein Kours für Geschichtsforschung Österreichs kreiert werden, für welchen Posten der bereits vorteilhaft bekannte Geschichtsforscher S. Schweinbnrg-Eibenschitz in Wien designiert ist. Dieser Kvurs soll extra statum kreiert werden und zu diesem Zwecke gleichzeitig die Seminarbibliothek mit einer eigenen Lection „historika“ versehen werden. Lektor M. Friedmann vom Bethamidrasch in Wien ist bereits für Midrasch, Bibelexegese in der Oberabteilung und für Talmud in der Unterabteilung engagiert. Das Kuratorium beabsichtigt auch die Bibliotheken Merzbacheriana in München und die sehr wertvolle Bibliothek des Ober-Rabbiners Dr. Jellinek in Wien zu erwerben. Bon letzterer wird schon seit längerer Zeit ein Katalog angefertigt, dessen Inhalt wir uns zur Besprechung Vorbehalten. Wie verlautet, sollen bereits 20 Schüler in der isr. theologischen Lehranstalt in Wien um Aufnahme angesncht haben. Bezüglich der Bethamidraschfrage erfahren wir, daß der Präsident des Bethamidraschvereins im Aufträge des Vorstandes bereits geeignete Schritte unternommen hat, um von seiten der isr. Kultusgemeindereprüsentanz eine größere Subvention zu erlangen und dem entsprechend den Wirkungskreis dieser seit 30. Jahren rühmlichst bekannten wissenschaftlichen Anstalt zu erweitern. Es sollen die Mitgliedsbeitrüge ans 3 ft. reduziert werden, um durch Heranziehung red)t vieler Mitglieder die bereits im Pnblikunr sehr beliebten „Winterabendvorlesungen" zu erweitern. Zn diesem Behufe soll auch eine historisch-statistische Sektion im isr. Bethamidrasch errichtet werden und den Mitgliedern das Benefize geboten werden, an zwei Lesetagen der Woche alle jüdischen Fachblätter der Welt lesen zu können. Diese Sektion soll auch besonders die historische Forschung berücksichtige,' mib fördern Vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Leopoldstadt in Wien hatte sich jüngst der Kaufmann Leopold Grünwald, der seit 25 Jahren mit Wissen der Kultusgemeinde unentgeltlich das „ Amt eines M v h e l s versieht, unter der Anklage der Übertretung gegen die körperliche Sicherheit zu verantworten, weil er, ohne ärztliche Kenntniste zu besitzen, an dem Söhnchen eines Privaten die Zircumcission in einer Weise vorgenommen hatte, welche für die Gesundheit des Kindes gefährlich war. Der Angeklagte führte zu seiner Verantwortung an, daß er Zircumeissionen seit 25 Jahren ausübe. Seine Heimatsgemeinde habe ihm ein Zertifikat ausgestellt, das er, als er nach Wien übersiedelke, der Kultnsgemeinde vorwies. Darauf seien ihm Matrikenzettel ausgefolgt worden, durch welche er auch hier legitimiert erschien. In folge hiervon habe er nie Anstand genommen, dort, wohin man ihn rief, unentgeltlich sich zur Verfügung zu stellen. Der als Sachverständiger vorgeladene Arzt erklärte, die Verletzung des Säuglings sei eine leichte und folgenlose gewesen. Die Kultusgemeinde habe wohl drei graduierte Ärzte für Zireumeissionen bestellt, allein sie erteilte auch Laien indirekt die Bewilligung, indem sie dieselben dulde. Hierdurch bestehe für Kinder so zarten Alters jedenfalls eine Gefahr und hierfür sei wohl die Kultusvorstehung verantwortlich. Der Richter sprach den Angeklagten frei, weil die Kultusvorstehung ihn durch Übergabe von Matrikenzetteln zur Ausübung der Funktion ermächtigte, und in der Begründung, daß die Kultusgemeinde,,wenig entsprechend vorgehe." Der öffentliche Ankläger beantragte hierauf die Abtretung des Aktes an die Statthalterei, damit in dieser Angelegenheit von der politischen Behörde eingeschritten und eine gesetzliche Regelung geschaffen werde. Diesem Anträge gab der Richter auch Folge. * g Sn Paris ist der Chef der bekannten Buchhandlung Dnrlacher, Herr A. Dnrlacher, in bestem Mannesalter gestorben, er hat sich durch die Herausgabe vieler Werke um die jüdische Litteratur große Verdienste erworben. Der Verstorbene war ein Enkel des Konsistvrial-Großrabbiners Marchand Ennery. s. A. — * In der Generalversammlung der Mitglieder der deutschen Synagoge (Spital Square Synagogue) in London wurde Professor Eduard Darewski (ehemaliger Kantor zu Lemberg) einstimmig als Kantor der Gemeinde erwählt. * k Die Loge Elisahu Hannabi zu Alexandrien entwickelt eine segensreiche Thätigkeit, die der israelitischen Jugend zum Heile gereichen wird. Seit Anfang des Jahres hat sie eine Schule eröffnet, die heute bereits von 58 Schülern besucht wird, in der Französisch, Hebräisch, Arabisch und Englisch gelehrt wird. Eine große Zahl dieser Schüler waren bisher Zöglinge der protestantischen Missionare oder der Jesuiten. Der glänzende Erfolg hat die Loge ermutigt, Abendkurse einzurichten und Handwerkern die Gelegenheit zu bieten, sich in den oben genannten Fächern weiter auszubilden. * gl Über die Beschneidnng ist vor kurzem in Philadelphia ein Werk von Dr. Remvndino erschienen, welches den Titel führt: History of Circumcisioii from tlie earliest times to tlie present. Nach Melusine Yl. S. 143, der wir diesen Titel entnehmen, spricht der Verfasser, ein amerikanischer Arzt, sich für allgemeine Einführung der Zircumcission aus gesundheitlichen Gründen aus. Bereits werde sie viel in den Familien amerikanischer Ärzte nusgeübt und um diese Bewegung zu unterstützen, habe er sein Buch geschrieben, die Völker, welche bisher diese Sitte ausführten, hätten in verständnisvoller Weise die Natur korrigiert. Neu ist diese Empfehlung nicht. Schon vor längerer Zeit hat Dr. Rosenzweig (Zur Beschneidungsfrage, Schweidnitz 1878) ein Reichsgesetz gefordert, welches für die gesamte Bevölkerung aus Sanitätsrücksichten anordnet. * b Dr. Jos. Kianskopf aus Philadelphia hat sich mit der christlichen Geistlichkeit derselben Stadt in der Äbsicht vereinigt, im Jahre 1900 die neunzehnhnndertste Wiederkehr des Geburtstages des Stifters der christ. Religion in Jerusalem zu feiern. — (Diese Mitteilung erscheint uns apokryph, denn Dr. Krauskops ist Rabbiner an der Rodef Scholom-Gemeinde! „Je schnrun.") Personalien. Herr Dr. Lange vom Rabbinerseminar in Berlin ist an Stelle des als Rabbiner nach Düsseldorf berufenen Herrn Dr. David zum Religionslehrer an der Religionsschule in Hannover gewählt worden. — Herr S. Saul, bisher Lehrer und Kantor in Pr. Stargard, hat ein gleiches Amt in Schivelbein übernommen. — In Schwedt a. O. ist die vakante Kantorstelle durch Herrn B. Löwinsohn aus Krojanke besetzt. — Die Nachricht, daß Herr Gallant aus Schwiebus in Potsdam gewählt sei, bestätigt sich nicht. — Die vakante Lehrerstelle in Wittmund

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