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Jeschurun · 1893-06-16 · 24 (16.6.1893) · p. Seite 379

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
24 (16.6.1893)
Date
1893-06-16
Page
Seite 379 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 24. I r s ch 3. In Deutschland durften sie Jahrhunderte lang nur Handel treiben. Seitdem sie gesetzlich gleichberechtigt sind, macht sich auch eine starke Bewegung zu gunsten des Handwerks geltend. 4. Es ist Pflicht aller einsichtsvollen und einflußreichen Israeliten, besonders auch der Lehrer, diese durch viele Vereine geförderte Bewegung thatkräftig zu unterstützen. 5. Ein geeignetes Mittel, bei der Jugend Liebe zur Arbeit zu erwecken, und auch bei Erwachsenen das Produkt der Arbeit zu größerem Ansehen zu bringen, ist der Knaben-Handarbeits-Unterricht. Nun wurde in die freien Besprechungen eingetreten, an denen man sich allseitig beteiligte, und die viele interessante Anregungen zu Tage förderten. Einen breiten Raum in diesen Verhandlungen nahmen die Erörterungen über die Öffentlichkeitserklärnng der jüdischen Schulen ein. Die Versammlung wählte eine Kommission, welche die zu diesem Zwecke erforderlichen vorbereitenden Schritte unternehmen soll. In diese Kommission wurden folgende Herren delegiert: Spier-Bocholt, Baum-Rheine, Dublon-Dülmen. Nun war die Tagesordnung erledigt. In seinem Schlußworte dankt der Vorsitzende, Herr Blumenfeld, der Gemeinde Gelsenkirchen, die sich in jeder Beziehung so lehrerfreundlich bewiesen, dem D. I. G. B. für seine thatkräftige Unterstützung, der Verlagshandlung von W. Jacobsohn & Co. tn Breslau für ihre Aufmerksamkeit, und schloß mit einem kräftigen dreimaligen Hoch aus Kaiser und Reich. Auf fröhliches Wiedersehen zu Pfingsten nächsten Jahres in Köln! Die Schriftführer: gez.Dublon-Dülmen, Steinweg-Dortmund.*) Kleine Chronik. Bürgerliche Verhältnisse. * Wir lesen in der halbamtlichen „Nordd. Allg. Ztg.": Die Zahl der „christlich-deutschen Geschäfte" in Berlin scheint sehr zusammengeschrumpft zu sein, wie man wohl daraus schließen darf, daß das Verzeichnis derselben, welches ein Berliner Antisemitenblatt täglich veröffentlicht und dessen Weiterverbreitung es auf das dringlichste empfiehlt, kaum dritthalb Hundert Firmen aufzuzählen im stände ist. Unsere „ersten Firmen" findet man in dem Verzeichnis gar nicht vertreten; sie scheinen keinen Wert darauf zu legen, in die Reihe „christlich-deutscher Geschäfte" rangiert zu werden; merkwürdig ist es auch, daß jene Brauchen, welche auf dem Berliner Markt die führenden sind, in dem Verzeichnis nicht nur dem Klange, sondern auch der Zahl der Namen nach nicht allzu imponierend auftreten; so finden wir in dem Verzeichnis nur angeführt 3 Bankgeschäfte, 5 Geschäfte für Gardinen, Möbelstoffe, 4 für Leinen- und Baumwoll-, 1 für Modewaren, 12 für Wäsche — Zahlen, die noch kleiner würden, wenn man die Identität der Namen berücksichtigen würde. * Dieser Bericht war für die vorige Nr. bereits gesetzt, mußte iedoch wegen Raummangels zurückbleiben. Die Red. r u n. Seite 379. * Der deutsche Antisemitenbund in Berlin erläßt jetzt eine offene Absage an die Konservativen, weil diese den mit dem antisemitischen Agitationsverband für Norddeutschland geschlossenen Pakt gebrochen und in verschiedenen Kreisen eigene Kandidaten aufgestellt haben. Der „Bund" fordert daher alle Antisemiten Norddeutschlands auf, bei der bevorstehenden Reichstagswahl in all den Wahlkreisen, wo antisemitische Kandidaten nicht aufgestellt sind, ihre Stimme für Dr. Bachler abzugeben. * Die Antisemiten brüsten sich damit, daß 96 Reichstagskandidaturen einen ausgesprochen antisemitischen Charakter tragen. Hiervon werden 60 als deutsch-sozial ibe^eid)netr während 36 der antisemitischen Volkspartei zuzurechnen sind. Weiter werden noch dazu gerechnet 12 Kandidaturen, die als „konservativ-antisemitische" bezeichnet werden, sodann vier, die „christlich-sozial" zu nennen sind, und endlich eine katholisch-antisemitische Kandidatur. * Ein würdiger Antisemit ist Herr Paul Hei chen, der Verfasser der antisemitischen Schandbroschüren, mit deren Ausrufen so lange die Friedrichstraße in Berlin unsicher gemacht worden ist. Vor Jahresfrist war derselbe in einer von ihm herausgegebenen Zeitschrift gegen den „jüdischen Schwindel im Buchhandel" zu Felde gezogen; das hat ihn aber nicht abgehalten, seinerseits einen jüdischen Verleger mit einer gefälschten Ilbersetzung zu betrügen, indem er es fertig brachte, auch ungeschriebene Werke fremdländischer Autoren in das Deutsche zu übertragen. * Ein „patriotischer deutscher Israelit", der auch seinen Namen nennt, schreibt den antisemitischen „Dresdn. N." aus Chemnitz: „Als Freund der Militärvorlage geht mein Vorschlag dahin, zur Deckung dieser eine Judenstener einzuführen, die dem Deutschen Reiche die gewünschten 70 Millionen bringen würde. Das deutsche Judentum hat seit den letzten SO Jahren soviel irdische Güter erworben wie in keinem anderen Lande der Erde. Deutschland zählt allein über 500 jüdische Millionäre. Jeder von diesen könnte eine Judenstener von 5000 Mark tragen. Den niedrigsten Satz denke ich mir auf 100 M., wer ein größeres Einkommen hat, möge mehr bis eben 5000 M. zahlen. Berlin mit seinen 15 000 jüdischen Geschäften und Unternehmungen würde vielleicht nach meiner Berechnung allein 25 Millionen aufbringen, rc. Meine jüdischen Mitbürger können nur durch eine derartige radikale Maßregel vor vielleicht noch größerem Unheil bewahrt bleiben." — Was für ein „Jude" mag das wohl sein? * Der antisemitische Charakter der „unparteiischen" „Täglichen Rundschau" tritt immer unverhüllter hervor. In einem Artikel „Zur Reichstagswahl" schreibt der Redakteur Friedrich Lange, „daß alle jetzigen Parteien zusammen mit erbärmlicher Feigheit Euer deutsches Gewissen an das Judentum und den jüdischen Geist verraten haben". Alle Bundesgenossen müsse man für einen Hauptschlag sammeln, daß das G l e i ch b e r e ch t i g u n g s g e s e tz der Konfessionen vom Jahre 1869 wieder aufgehoben werde. Auch den Landwirtschafts- oder Handwerkerkandidaten müsse einzuprägen sein, „daß Ihr Judenfeindschaft von ihm fordert und nicht im Denken und Empfinden bloß, sondern ganz frei heraus auch in Thaten, zuvörderst durch die Aufhebung des Gleichberechtigungsgesetzes". — Soviel „zuvörderst", was aber sodann? * Der in Kiel entlarvte Hetzprediger Dr. Danneil wollte auch Neumünster mit seinen lügnerischen Geistesprodukten erfreuen. Doch war es ihm unmöglich, einen

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