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Jeschurun · 1893-06-16 · 24 (16.6.1893) · p. Seite 374

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
24 (16.6.1893)
Date
1893-06-16
Page
Seite 374 (sequence 4)
Language
German
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Seite 374. ->• 3 c ( tb u r it u. k- Nr. 24. Schutze der Verfolgten errichtet werden könnten, so wurde man sich durch eine solche Hypothese unmöglich machen! Die Protestanten in den baltischen Provinzen Rußlands haben sicherlich in Deutschland und England Asyle und Sammelpunkte. Nun möge es irgend ein hervorragender evangelischer Potentat versuchen, für die in Rußland so arg behandelten Protestanten am Hoflager in St. Petersburg einzutreten und wir werden die ganz korrekte Antwort darauf erhalten, daß da ebenso wenig Abhilfe geschaffen werden kann, wie den „Katholikenunterjochnngen" ans der britischen Halbrnsel. Die Welt ist und bleibt ein für allemal ein Konglomerat von Schlechtigkeiten und wird trotz alledem von allen Optimisten für die beste aller Welten gehalten! Der Zionismus gleicht in gewisser Beziehung diesen Opti-- misten, die durchaus für einen momentan unheilbaren Zit stand eine lindernde Pille erfunden haben wollen. Wenn wir uns aber die Begründer und Förderer des Zionismus betrachten, so erinnern wir uns unwillkürlich an den bekannten Vers Heines, der das Leid und Elend der Inden mit seinem Rabbi von Bachrach schildern wollte und gleichzeitig die Juden in diesem trefflichen Werke lächerlich machte. Was nützt uns der schöne Begleiters an Adam: „Über 1000 und noch mehr Jahre dulden wir uns brüderlich, Du, Du duldest, daß ich leide, daß Dn rasest dulde ich!" — was nützt uns dieser schöne Vers, wenn man gleichzeitig in demselben Werke das Judentum als Narrheit und Furcht persifliert findet? Das unbedeutende Häuflein der „Zionisten" verdankt seine Existenzberechtigung in Österreich einem aus Rußland eingewanderten jüdischen Setzer, Peter Smolensky, der es durch Fleiß und Scharfsinn so weit brachte, daß er in kurzer Zeit im stände war, über alle Gebiete der jüdischen Literatur so korrekt und geistreich zu schreiben, daß sein Blättchen, besonders in Galizien, Bukowina und selbst in Rußland, viele Abnehmer fand. Durch unglückliche geschäftliche Spekulationen ging aber dieser „echte Mann aus dem Volke" so zu Grunde, daß zuletzt sein Blättchen „Haschachar" seine einzige Erwerbsquelle wurde. Die Not machte ihn „erfinderisch" und über Nacht war die „Zwusidee" im „Haschachar" zur Welt gekommen und überschwemmte ganz Rußland und Polen. Die unterjochten Juden dieser Länder feierten nun diesen Mann wie einen Messias, aber die unglückliche Zionsidee war trotz alledem nicht im stände, ihren Erfinder zu ernähren. Nam vielen vergeblichen anderweitigen Spekulationen erkrankte Peter Smolensky und starb halb vergessen und vielfach angefeindet in Wien. Wenn Peter Smolensky sich wissenschaftlichen Forschungen zugewandt hätte, so lväre er im wahren Sinne des Wortes ein Begründer und Förderer der jüdischen Wissenschaft in Österreich geworden, aber die unglückliche Zionsidee war von allen seinen Spekulationen nicht zu bannen, sie zog immer neue zionistische Schwärmer von Rußland nach Österreich und treibt noch jetzt in den Köpfen galizischer, rumänischer und russischer Studenten ihren Spuk. Die Ziousidee gleicht einer epidemischen Krankheit, die nicht früher unschädlich gemacht werden kann, bis man den „Seuchenherd"— die Zionsvereine und ihre Führer ganz isoliert und unmöglich gemacht haben wird! Um aber gleichzeitig die Zionisten in Österreich speziell zu kennzeichnen, genüge den gebildeten Lesern dieses geschätzten Blattes die Versicherung, daß wir so lange den Zionismus als eine heuchlerische Spekulation betrachten müssen, so lange uns nicht bewiesen wird, daß die Zionisten in Österreich wirkliche, rechte und glanbenstreue Ju)en sind, die weder oas Zeremonialgesetz verletzen, noch sonst mit den Satzungen des Judentums tausendfach in Kollision geraten. Der Fahrer und Hauptagitator des Zionismus in Österreich ist als Mensch ein ganz achtbarer Mann, als Jude aber hat er vielfach das Zeremonialgesetz übertreten; einem solchen Manne müssen wir durchaus die Berechtigung absprechen, eine Führerrolle in rein jüdischen Angelegenheiten zu übernehmen. Überdies ist der betreffende Herr ein wirklicher Laie auf dem Gebiete der jüdischen-Littecatur. Wenn uns der Führer der österreichischen Zionisten beweisen könnte, daß er im stände ist, korrekt im Talmud zu übersetzen, oder im Midrasch und in den 24 Büchern der Bibel mit den Kommentaren gut bewandert ist, so erklärt sich der Schreiber dieser Zeilen bereit, sofort für die durch den Zionismus verunglückten Studenten in Wien einen Fonds zu begründen, dessen Zinsen zur Begründung einer ihrer würdigen neuen Existenz verwendet werden sollen. Wären eben die österreichischeil Zionisten mit der jüdischen Wissenschaft ans gutem Fuße, so würden sie einseheu, daß die Juden seit der Zerstörung Jerusalems ihre nationalen Attribute verloren haben, daß die Inden nichts mehr und nichts weniger als eine Glanbensgenossenschaft bilden, die alle Hebel in Bewegung setzen muß, daß ihre Mitglieder in jeder Beziehung treu und unerschütterlich die Gesetze und Rechte beobachten aller jener Völker, in deren Mitte sie leben, daß sich schließlich die Juden durchaus nicht wie eine Nation geberden sollen und nicht mit aller Gemalt die Nationalitätsidee ans dem Boden stampfen dürfen; denn eine solche Handluugs' weise ist verbrecherisch und strafwürdig. Der Jude ist in erster Reihe Staatsbürger und wenn ihm würdige Mitmenschen dieses Recht verkümmern wollen, so darf er nicht ruhen und rasten, bis solche Individuen legal unschädlich gemacht werden. So gut es den im Mittelalter heimatlos gewordenen Inden nicht eingefallen ist, Palästina als Sammelpunkt und Asyl anfzusuchen, oder sonstwo ein jüdisches Reich zu begründen, ebenso darf es uns nicht einmal im Traume emfallen, diese unglückliche Idee zu fördern oder gar als Lockspeise für bedrängte Glaubensgenossen zu präparieren, wie dies von seiten der Zionisten vielfach geschieht. Die ganze Erde ist da für alle Menschen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses. Und wenn wir auch noch sehr weit sind von jenem Tage, an welchem alle Menschen brüderlich miteinander verkehren werden und die ganze Welt von der Erkenntnis Gottes und seiner Macht erfüllt sein wird, so dürfen wir es durchaus nicht zngeben, daß die hirnverbrannte Idee des Zionismus im Judentum Wurzel fasse. Den Zionisten aber raten wir, den europäischen Staub von ihren Füßen abzuschütteln und ansznwandern, einen neuen Staat zu begründen und die bevollmächtigten Gesandten dann zu uns zu schicken. Es würde sich dann klar und deutlich zeigen, daß ein jüdischer Botschafter ebensowenig im stände ist, Glaubenshaß zu bannen und Nationalitätenhetzen zu hintertreiben, wie dies so tausendfältig heute bewiesen werden kann. Ki jod al kes joh, milchomo ladonai baamolek midaur daur.

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