Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 14 (7.4.1893)
- Date
- 1893-04-07
- Page
- Seite 216 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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\ Seite 216. Ä u r u n. -<- Nr. 14. (Aharon) prangen. Beide Gestalten zeigen ׳deutlich den semitischen Typus und fehlt auch der charakteristische Knebelbart nicht. Sollte es daher nicht möglich sein, daß während des vierzigjährigen Aufenthalts in der Wüste irgend ein israelitischer Bildhauer zum Zeitvertreib es unternommen hat, die Gesichtszüge des großen Lehrers in einen Felsen zu graben, um sie so den spätesten Geschlechtern anfzubewahren? Und richtig erzählt uns der englische Reisende Palmer, er habe in einem Felsen in der Ebene von Rephidim die Gestalt eines Greises eiugegraben gefunden, der ]eine beiden Arme gen Himmel erhebt, gleichsam als betete er (Exodus XVI!. 1 und 2). Es ist daher leicht möglich, daß dieses Bild wirklich noch zu Lebzeiten Moses von einem israelitischen Bildhauer angefertigt wurde, andererseits ist es nicht ausgeschlossen, daß es das Machwerk irgend eines späteren Phantasten oder gar Müßiggängers ist. Wie nun jetzt aus Aden gemeldet wird, hat d׳r Abt des bekannten Katharinenklosters aus dem Berge Sinai, angeregt durch den erwähnten Bericht Palmers, beschlossen, jedenfalls einen Abklatsch von dem genannten Bilde anfertigen zu lassen, um es so auch weiteren Kreisen zugüngliw zu machen. Sollten nun die Gesichtszüge dieses Bildes mit denen des Mesu auf der Pariser Stelle ähnlich sein, so hätten wir hiermit ein beinahe authentisches Bild von unserem großen Lehrer, das auch in dieser Forin die Neugierde aller erregen dürfte. Katheder und Kanzel. Israel und der Mond. Von Mar Veermann. Es ist gewiß nicht ohne Bedeutung, daß Israel von der Erhabenheit der Natur zuerst nach seiner Befreiung aus Ägypten das Meer gesehen. Das Merr ist das Symbol der Liebe. Es ist tief, weit, unendlich wie diese. Dem Auge scheint die dunkle Meeresslut in weiter Ferne sich mit dem blauen Himmelsüther zu vermählen. Der Himmel ist das Bild des Glaubens. Was Israel am Meere lernen׳ sollte, war eben die innige Vereinigung von Glauben und Liebe, war liebevoller Glaube und gläubige Liebe. Das haben denn auch unsere Weisen richtig verstanden und in sinniger Form ausgesprochen: Schir haschirim bajom neemroh ״das Lied der Liebe und des Glaubens ist zum ersten Male am Meere erklungen." Aber wie sah Israel zum ersten Male die brausende Flut? Sie zagten, bleiche Furcht befiel sie, eben erst hatten sie die goldene Freiheit gewonnen und schon sollten sie von neuem erdulden Mizraims Not und Druck. Und wunderbar, mitten in ihrer Pein und Furcht, mitten in ihrer Nacht und Finsternis erstrahlte ihnen ein Stern, es war der Strahlenglanz des Gotteswortes, das ihnen noch aus Ägyptens Boden gekündet worden^, es waren einer alten Überlieferung zufolge, die Worre des Gottesgebotes, das bestehlt nach dem Monde die Zeiten zu rechnen. Die Angst wich, Mut zog in die Herzen und kühnen Sinnes schritten sie dahin ourch die brandenden Wellen. Es ist ein tiefer Gedanke, daß gerade die Erinnerung an die Satzung nach dem Monde zu zählen das Dunkel gebannt, die Hoffnung und den thatkräftigen Glauben geschaffen haben soll; es liegt darin schon angedeutet, welche tiefsinnige symbolische Bedeutung die Satzung vom Neu monde besitzt. ״Israel soll nach dem Monde zählen", sagt der Midrasch, weil der Mond ein Bild Israels ist. Der Mond ist das Sinnbild tröstender Liebe, er leuchret im Dunkel der Nau.t, so auch Israel, es leuchtet den Völkern in den finsteren Zeiten des Hasses und predigt ihnen die allversöhnende Liebe." Das ist ein großes Wort: Dugmah schelochem. der Mond sei Euer Bild. Ja Dugmah schelochem? hierin sei der Mond euer Vorbild, wo ihr Thränen trocknen und Wunden heilen könnt, da seiet zur Stelle, da übet die jüdische G-emilluth Chessecl, die Liebe, die alles trägt und duldet. Das sollen wir, die Rachmonim bne Rachmonim, die Kinder jener Ahnen, die Liebe im Herzen getragen und Liebe geübt gegen alle ihre Menschenbrüder. Und unsere Ahnen haven es verstanden, für ihre idealen Ziele zu dulden und zu sterben, sie haben mit ihrem Herzblut tausendfach besiegelt, daß ihnen das Dugmah schelochem, ihr Priestertum im Dienste der Menschenliebe ein teures Gut sei, und sind von ihrem Banner nicht gewichen weder zur RecNten noch zur Linken Was aber ist es gewesen, das sie mit so wunderbarer Kraft ausgerüstet? Es war die Beherzigung einer anderen Lehre, die das Dugmah schelochem kündet. Der Mond ist nämlich auch das Symbol der Verjüngung. Jung müssen wir sein, die Jugendfrische und Jugendhoffnug uns in allen Stürmen des Lebens wahren, die freudige Grundstimmung unseres Herzens uns nicht rauben lassen, uns wie der Mond immer von neuem verjüngen, das ist es, was in zweiter Hinsicht das Dugmah schelochem uns nahe legt. Woher kommt es, daß in unserer Zeit in Israels Mitte Glaubensinnigkeit und Glaubensbegeffterung immer mehr schwinden, woher kommt es, daß so viele in seiger Gesinnungsschwäche die Fahnen ihres Gottes verlassen? Weil uns die Jugendsrische, die kräftige ursprüngliche Begeisterung fehlt, unsere Herzen sind alt geworden, unsere Hoffnung ist verdorre, wir zagen, wo wir wagen sollten; wo wir stark sein sollten, sind wir schwach, wo wir unsere Kühnheit bewähren sollten, sind wir sträflich feige. Wir kennen nur immer Rücksichten und Erwägungen, wir rechnen nur immer und zählen, bis wir uns verrechnen und verzählen, fürchten immer und zögern und bleiben aus halbem Wege stehen, statt mutig dem Ziele zuzustreben. In früheren Zeiten galt das Wort des alten Rabbi, daß die Engel im Strom göttlichen Lichtes und Israel durch den Born der Thora sich verjünge. Gilt das heute noch? In Israels Mitte kennt man vieles aber Thora nicht, das ist wie so vieles unmodern geworden. Unsre Kinder lernen alles, was ihnen gut und auch was ihnen nicht gut ist, aber das Gotteswort bleibt ihnen fremd. Wie soll da die Begeisterung und die Liebe erwachsen, wo Kenntnis und Verständnis fehlt. Aus die Frage, warum Jerusalem zerstört wurde, lantet eine Antwort, weil die Thorakenntnis geschwunden. Soll das neue Heiligtum unseres Glaubens, das Beth olomim eruehen, dann müssen wir wieder das Thorawort unter uns zu Ehren bringen. Es gilt heute noch wie in alten Zeiten ״ וכל בניך לימודי ה״ ורב שלוטWenn alle Deine Kinder Jünger des Ewigen sind, dann ist Fülle des Friedens Deinen Kindern." Dann wird wieder einziehen Glaubenssreudigkeit und Glaubensstärke in die Herzen, dann können wir mutig sein und brauchen nicht zagen, wir haben die