Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 14 (7.4.1893)
- Date
- 1893-04-07
- Page
- Seite 214 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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r u u. Nr. 14. \,.v. f Seite 214. Ir schu '■iß' wohnen. Sie ließen sich in Freudenthal und Hochberg nieder. Von Hochberg wurde das Rabbinat nach Freudenthal verlegt und der Rabbiner siedelte nach Frendenthal über. Reb Sender Freudenthal erlangte großen rabbinischen Rus und stand mit den Koryphäen jüdischer Wissenschaft in emsigem Verkehr. Er war auch in der rabbinischen Litteratur vielseitig thätig. Literarische Arbeiten veranlaßen ihn un Jahre 1780 nach Amsterdam zu reisen, um dort in der hebräischen Offizin ein Werk biblisch-exegetischen und taln udisch-rabbinischen Inhalts in Druck zu geben. Parschat Pinehas hielt er eine Deraschah (religiösen Vortrag) in der deutschen Synagoge. Nach Schluß des Gottesdienstes forderten die Vorsteher der Sephardim-Gemeinde ihn auf, in ihrer Synagoge ebenfalls zu sprechen, was er an dem darauf folgenden Sabbat that. Seinen eigentlichen Reisezweck, seine Manuskripte in Verlag zu bringen, erreichte er nicht; aber man bot ihm ein Amt im Rabbinatskollegium an. Zwei Söhne hochangesehener Gemeindevorsteher wurden ihm als Schüler übergeben, die er mit in die Heimat nahm. Aber nach kurzem Aufenthalt starb einer derselben in Freudenthal und der andere kehrte nach Holland zurück. Die Annahme der Rabbinerstelle in Amsterdam scheiterten an der Weigerung seiner Gattin, die den Süden mit dem Norden nicht vertauschen wollte. Unter vier Herzogen war der Rabbi im Amte. Es sind jetzt noch hebräische Gedichte vorhanden, die er beim Regierungsantritte der neuen Landesherren verfaßte und überreichte. 1797 kam Friedrich 11. als Herzog an die Regierung. 1803 wurde er Kurfürst und 1806 erhielt er die Königswürde. Freudenthal, eine königliche Domäne, war der beliebte Sommeraufenthalt des Königs. Kurz nach Annahme der Königswürde fuhr der König an einen, schönen Morgen in den Wald. Als er an dem sog. „Schlößle" vorbeifnhr, trat der Rabbiner aus seiner Wohnung. Die Philakterien auf dem Haupte, mit dem Gebetmantel umhüllt, blieb er stehen und sprach beim Anblick des Königs die bekannte Benediktion. Der König, überrascht von der imponierenden Gestalt des Rabbineu, ein hoch gewachsener Mann, mit langem weißen Vollbarte, darüber die Brust wallte, ließ durch Graf Dyllen, seinen Begleiter, den Rabbiner, zu sich entbieten. Jener aber war schon in der Vorhalle der Synagoge eingetreten und der Graf berichtete es dem König, der weiterfuhr. Am selbigen Vormittag noch hielt eine königliche Karosse vor dem Rabbinatshause und ein Hoffourier brachte den Befehl, daß der Rabbiner sofort vor dem König zu erscheinen habe. Ohne Zögern machte sich der Rabbi auf, um dem hohen Befehle zu folgen und wurde huldvoll vom Könige empfangen. Friedrich, ein hochbegabter Regent (sein Vorbild war sein Oheim Friedrich der Große), absolutistisch angelegt, aber von hoher Staatsklugheit, von dem Napoleon J. sagte: ,,Mein Gröbster, aber mein Gescheitester", wollte seinen neuen Unterthanen den Vaterlandswechsel angenehn, machen und gewährte freie Religionsübung den verschiedenen Konfessionen. Die Zahl der Israeliten hatte sich durch die Annexion verzehnfacht und Friedrich war den Juden nie abgeneigt. Er erkundigte sich bei dem Rabbinen genau über die bürgerlichen und kultuellen Zustände der Israeliten Württembergs und war durch dessen Mitteilungen sehr befriedigt. Huldvoll fragte der Fürst den Rabbiner, nach seinen persönlichen Verhältnissen. Als er vernahm, daß derselbe schon das 76. Lebensjahr zniückgelegt und gegen ein halbes Jahrhnnderr in Württemberg als Rabbiner im Amte war, bewunderte er die geistige und körperliche Rüstigkeit des Greisen und entließ ihn mit gnädigem Bescheid. Am selbigen Nachmittag kam ein Kabinettsdekret des Königs, wonach^ der Rabbiner Elsäßer zum Landesrabbiner ernannt wurde,' m,t einem Gehalt von 600 fl., der also repartiert wurde. 200 fl. auf die königl. Staatskasse, 200 fl. auf die Bezirksrabbinate und 200 sl. auf die reichen Stuttgarter Juden, die ihren Rabbiner bis jetzt so schlecht besoldet hatten. Dem Rabbiner wurde auch die Auslage gemacht, von vier zu vier Wochen mit dem evangelischen Ortspfarrer dem Könige, wenn er in Freudenthal war, die Aufwartung zu machen. 'Nach vier Monaten erhöhte der König die Besoldung auf 800 fl. und übernahm einen Teil derselben auf seine Privatchatulle. Der König ließ eininal einen Kapitalhirsch in seinem Park fangen, nach jüdischem Ritus schlachten („schlichten") beschenkte den Schächter und rühinte die rasche Tötung der Schlacht- Tiere durch das Schächten. Das Fleisch des geschlachteten Tieres schenkte er dem Rabbiner. Als der Sohn seines Hofaktors Gösi'ch sich verehelichte, mußte der Rabbiner die Trauung am Schlvßportale in Ludwigsburg vornehmen und der König sah vom Balkon au« dem Trauuugsakte zu. Der Rabbiner erfreute sich der Gunst des Königs bis zu seinem Tode. Er starb 87. Jahre alt am Peßachfeste 5576 — 1816. Der König aber starb am 30. Okt. 1816. Der Rabbiner Alexander 'Nathan Elsäßer hinterließ eine Anzahl hebräischer Manuskripte über biblische Exegese, talmudische Kontroversen und Midrasch-Auslegungen, die sein Enkel, der Oberlehrer Alexander Baruch Elsäßer in Laupheim dem Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer zur Einverleibung in dessen Seminarbibliothek überlassen hat. ^ittcvatuv Briefe* Bon Dr. Ludwig A. Rosenthal. Dritter Brief. „Die Gesellschafterin. Von C. Schott. Leipzig, Robert Claußner. 164 S. — Nicht wahr? Dieser Buchtitel sagt keine Erörterung von Zeitfragen voraus — eine solche Erzählung kann man ohne Furcht beim Kaffee lesen. Das hätten Sie so gut gedacht, wie ich, und ttch in die Stimmung der Jane-Eyre-Romane versetzen zu können gehofft. In der That finden wir denn auch eine unwürdig behandelte Gesellschafterin vor, in welche der schöne Doktor statt in die Tochter des Hauses sich verliebt, da ihre Gestalt bestrickend, ihre Gesichtsfarbe blaß und ihr Inneres voller Rätsel ist. Plötzlich verschwindet die Mondscheinstimmung denn Hedwig ist — Jüdin, er dagewesen ein Sprosse des stolzesten Adels und voller Verachtung gegen die Semiten. Am Krankenbett einer armen Bäuerin treten sich die zur Samariterin gewordene Gesellschafterin und der Arzt näher. Hedwig aber flieht in ihre Heimatstadt an der Warthe, in das frvmmjüdische Haus ihrer Verwandten zurück, von wo ans es sie wieder in die Welt hinaustreibt. Sie nimmt von neuem bei einer Frau von Arnach Stellung. Der Arzt enthüllt sich einem Lieutenant, einem Verwandten, mit seiner Liebe zu einer armen Jüdin, und merkwürdig! Sein Vetter zürnt ihm nicht, sondern fließt von Menschenliebe über und will trotz seiner Uniform s e l b st den Werber spielen. Auch Frau von Arnach ist die Liebe selbst zu ihrer schönen Gesellschafterin und in ihrem Hause (ihre Großmmmm