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Jeschurun · 1893-03-31 · 13 (31.3.1893) · p. Seite 205

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
13 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
Seite 205 (sequence 13)
Language
German
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Nr. K. I e sch u r n 1t. ־«. Indes hat die Tradition ein anderes Kunststück von diesem Kraftgenie altbewährt, das wir hier mitteilen wollen. Es enthält eine Nachricht an seine Kinder, daß er bald zurückkehren werde. Das Briefchen vor- und rückwärts gelesen, giebt denselben Sinn und lautet: דעו מאביכס כי לא בוש אבוש שוב אשוב אליבס כי בא מועד Gin jüdisches Volksmärchen. Einst beklagte sich der Todesengel bei dem Herrn des Weltalls über Salomos Worte (Kohelet 7, 28,) daß ein böses Weib bitterer sei. als der Tod, (der Todesengel.) Woher konnte Salomo das wissen? fragte der Kläger. Der Herr erwiderte chm: ״Du sollst Dich von der Wahrheit dieser Worte selbst überzeugen. Gehe hin, durchwandere die Erde, suche Dir ein Weib, begieb Dich in das Joch der Ehe!" Der Todesengel befolgte diesen wohlgemeinten Rat. Es gelang ihm, ein Weib zu finden. Anfangs war die Ehe eine recht glückliche. Nachdem aber wenige Jahre verstrichen waren, zeigten sich die Spuren voll Unzusriedenheit, die immer wettere Kreise zogen. Das Leben ans Erden ward nun dem Todesengel zur itnerträglichen Bürde, die ihn zum Verlassen seines Weibes bestimmte. Er stellte sich krank, ließ seinen bald erwachsenen Sohn zu sich rufen und eröffnete ihm, daß er der Todesengel sei und die Erde wieder verlassen wolle. Um des Sohnes Glück zu fördern, teilte er ihm Folgendes mit. Er solle sich als Arzt ausgeben. Wenn er git einem Kranken gerufen würde, und der Vater erschiene zu Häupten, so könne er der Wiedergenesung des Kranken versichert sein: erscheine er aber zu Füßen des Kranken, so sei alle Mühe vergebens, denn dann sei der Kranke unrettbar verloren. Der ärztliche Ruf des Sohnes verbreitete sich, und dadurch, daß ihm der Vater den erwähnten Beistand verlieh, erwarb er sich eine große Praxis. Einst erkrankte der Sohn des Königs. Man ließ den berühmten Arzt kommen, aber, 0 Jammer, der Todesengel erschien zu den Füßen des Schwerkranken. Auf die Erklärung des Arztes, daß der Kranke verloren sei, drängte der König heftig in denselben und versprach ihm bedeutende Summen, wenn er das. Unheil abwenden werde. Daraus lies der Arzt die Bettstelle umkehren, so daß der Todesengel zu Häupten stand, wodurch der Kranke denn auch wirklich genas. Nicht lauge nachher erkrankte auch die Königstochter. Der König versprach dem erwähnten Heilkünstler außer herrlichen Geschenken auch die Prinzessin zur Ehe zu geben, wenn er die Kranke am Leben erhalten könnte. Trotz der vorhergegangenen Warnung des Vaters, nie mehr bei Verlust seines Rufes die Bettstelle umzudrehen, wurde er dennoch durch die vielverheißenden königlichen Versprechungen verlockt und er rief dem erzürnten schon zu Füßen erscheinenden Vater zu: ״Mama kommt!" Sofort verschwand der Todesengel, als er den ominösen Ruf horte, die Kranke wurde gerettet, das Versprechen des Königs ging in Ersüllimg, die Worte Salomo's wurde von dem Viel- und Schwergeprüften in voller Wahrheit anerkannt. (Vgl. Gebrüder Grimm ״Kinder- und Hausmärchen". Baumbach: ״Der Pate des Todes 1884.") Seite 205. Die Friedensstifter. Eine talmndische?ege de Ein Gelehrter ging, in Gedanken versunken, inmitten einer dichten und zahlreichen Menge, die sich auf dem Marktplatze von Lest ans- und abwogte. Gehindert und! zurückgehalten von der wogenden Menge blieb er endlich ׳ stehen und folgte mit den Gedanken den Bildern seines erhitzten Gemütes. Ans einmal stellt sich ihm eine himmlische Erscheinung dar, es war der Prophet Elijahu. Der Gelehrte erschrak nicht, da er an solche Erscheinungen gewöhnt und mit den Propheten sehr befreundet war. Er nimmt ihn vielmehr mit gefälligen! Lächeln auf und knüpft ein vertrauliches Gespräch mit ihm an. Während er von sehr ernsten Dingen redete, kam cs dem Gelehrten in den Gedanken, an den Propheten eine sonderbare Frage zu richten. ״Prophet" sagte er, ״wer von dieser Volksmenge wird der ewigen Seeligkeit teilhaftig werden?" Der Prophet dichtete den Blick um und um, dann antwortete er langsam und ernst: ״Niemand!" ״Keiner tviederhalte bei sich selbst der Gelehrte; ״keiner unter so vielen Reichen, unter so vielen Mächtigen, unter so vielen Weisen, weeche die Welt bewundert, — keiner." In diesem Augenblick kommen inmitten der Masse zwei Männer hinzu, die sich freundlich die Hm.d drücken und sich mit ihr vermischen. Nichts Ausgezeichnetes lag in ihren Gesichtern, keine Spur von Reichtum in ihren Kleidern. Verwundert betrachtet sie der Fromme, da die Farbe ihrer Schuhe die damals herrschende jüdische Sitte verletzte, und an ihren langen Gewändern keine Schansüden (Zizith) sichtbar waren. Keiner achtete auf sie, niemand grüßte sie. Aber der Prophet beachtete sie, wies auf sie hin und sagte dem Gelehrten: ״Diese zwei Männer werden der künftigen Seligkeit teilhaftig werden." Der Gelehrte, neugierig und ehrerbietig, begiebt sich eilig zu den beiden Hinzukommenden und spricht mit achtungsvoller und liebreicher Stimme: ״Meine Herren, möchtet ihr mich doch in Eurer Freundschaft mit Eurem Vertrauen beehren." ״Ihr großer Gelehrter wollt Euch unserer Freundschaft empfehlen? Viellicht kennt ihr uns nicht?" ״Euch nicht kennen? Ich weiß, daß Ihr rechtschaffen, fromm und heilig seid. Bitte saget welches sind Eure Werke, welches Eure Tugenden, welches Leben führt Ihr?" ״In der That, Ihr verwechselt uns mit anderen. Wir sind arme Leute von gutem Herzen, immer froh, immer heiter Wenn wir jemanden treffen, der betrübt scheint, so schließen wir uns ihm an und machen und reden so viel, bis auch er munter und froher Laune wird. Wenn wir von welche« wissen, daß sie Streit mit einander haben, so treten wir dazwischen und reden und wenden so viel an, bis wir sie wieder zu Freunden gemacht. Das ist unser ganzes Leben." (Taanith pag. 22.) Diese׳ sch lichten Arbeiter, diese Friedens- und Freudenstifter, welche nach dem Ausspruche des Propheten der künftigen Seligkeit teilhaftig!verden, können so manchem als Muster und Vorbild dienen auf dem Markte des Lebens. 0. D. Die Silberwährung und die Bibel. Es ist seltsam, wenn die Bibel in den Streit der gegenwürtig auf der Tagesordnung stehenden Silberfrage hineingezogen wird. Ein mit der Times in Beziehung stehender Korrespondent will eine Parallele zwischen der Herabsetzung oder Entwertung des Silbers der gegenwärtigen Zeit und

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