Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 13 (31.3.1893)
- Date
- 1893-03-31
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 204. 3 t f 11) n r u 11. Hg״ Nr. 13. Da sprach der Feind: ״Ich verfolge und erreiche, Ich plündre, und ich sätt'ge meine Wut. Es zuckt mein Schwert, ich bade auch in Blut, Ich stürme an — wer ist's, der mir nicht weiche?! Da blies Dein Hauch, die Feinde deckt das R7eer; Sie sanken in die Tiefen wie das Blei, vernichtet ist das stolze Ariegesheer, verhallt der Siegesrui, das Aampfgeschrei! wer ist wie Du in der Schar der Götter, wer ist wie der Heilige, so mächtig und hehr — An £ob unermessen, Du größter Erretter, An Wundern so reich, den Schwachen zur wehr! Du reckest die Hand — den Feind schlingt die Erde, Allmächtig führest Du Deine Herde Zu jenen Stätten, die Du auserkoren — Und ihren Vätern zugeschworen! Es Hörens die Völker, und sie erbleichen, Und Edoins Fürsten faßt Schrecken an, Es zittern die Ulächt'gen in woabs Reichen, Es erbeben die Bewohner von Aanaan. — Es überfällt sie Zagen und Bangen; Dein Schrecken erstarret sie zu Stein, Bis daß Dein Volk vorübergegangen, Das Volk, das Deitt Eigen sollte sein. Du führest und pflanzest Dein Eigentum An den Berg, von dem einst wunderbar Ein Tempel erglänzen wird Deinem Ruhm, Der Herr wird regieren immerdar! Drum tönet Dir, Ewiger, nrein Iubellted; Denn Du bist hoch erhaben! Die Rosse und Reiter H>harao's Hast Du im Uleere begraben! * d Folgende interessante Spielerei finden wir in einer alten Schrift als Antwort eines Rabbiners auf die Frage nach dem Genuß des Bienenhonigs (J0r6 dea, 81,8) פרשנו רעבתן ש ב ד ב ש נ ת ב ע ר ונשרף Dl et es Akrostichon kann vvir allen Seiten gleichlautend gelesen werden. Mancher Leser wird wahrscheinlich auch die Erklärung dieses Gedichtchens wünschen, da dessen Sinn nicht so leicht anfzusassen ist. Wir wollen hiermit eine doppelte Erklärung und zugleich die Regel angeben, wonach es jedem in der hebräischen Sprache etwas Geübten möglich werden wird, ein derartiges Kunststück selber anzufertigen. Im Talinud lBechor. 7. b.) wird die Frage aufgeworfen, wie der Honig, der einem unreinen Insekte entspringt, dennoch zum Genüsse erlaubt werden kann? Die Antwort lautet: weil die Birne den Honig nicht von ihrem eigenen Wesen, sondern aus den Kräutern produziert, die sie in sich aufnimmt. Hierauf wird von den Kommentatoren (Jore-Dea 81,8) eine zweite Frage erörterr, wie der Honig noch immer er¬; 1 2 ~3־j 4; 5 ■ i 2״' i 8; 7 f6 | ן 4! 3 7 9! 7 1 3 1! 4 6 j 7 1 8 1 2 i ' 5 ~41 3 1 2 . 1 laubt werden kann, da ja Teile von der Biene selbst darin vermengt zu sein pflegen? Diesen Einwand will obiges Gedichtchen widerlegen. Unser Abgesondertes, rufen die Bienen dem Honigesser zu, ist in der Menge der Masse vernichtet und verzehrt worden. Eine zweite, und wie mir scheiilt, viel richtigere Erklärung ist folgende: Im Syrischen heißt der Stachel: רשא£^ wovon auch die hebräische Sprache das Zeitwort 2רש tu der Bedeutung von ״Stechen" besitzt (Spr. 23, 32.) Unser Gedichtchen ist eine Apostrophe der Biene an den Honigesser, daß er nch unbekümmert dem Honiggennsse hingeben möge, da die Kraft des etwa darin zurückgebliebenen Stachels bereits verloren gegangen und vernichtet morden ist. Wir kommen nun zu unserem zweiten Teile, nämlich nach welcher Regel derartige Gedichte anzusertigen sind. Obiges Gedichrchen ist nicht zufällig entstanden, sondern beruht auf einer mathematischen Berechung. Zur leichtern Übersicht geben wir folgendes Schema. Man sieht, daß jede dieser fünfzifserigen Zeilen nach allen Seiten ein gleiches Resultat giebt, nun braucht man bloß statt der Ziffern Buchstaben zu wählen, aus denen ein Satz hervvrgeht, wie viel Buchstaben in einem Wort, so viele Zeilen sind erforderlich. Als Regel ist Folgendes zu beachten: 1) Man wähle ein Wort, welches Znrückgeleseu ebenfalls ein Wort giebt, ersteres bildet die erste und letzteres die letzte Zeile. 2) Man wähle ein zweites Wort, das mit dem zweiten Buchstaben der ersten Zeile (4) beginnt uub mit dem vierten Buchstaben (2) schließt. Dieses Wort muß ebenfalls auch rückwärts gelesen werden können, ersteres diene für die zweite, letzteres für die vorletzte Zeile. Sind die Zeilen bloß vierbnchstabig, so ist das Gedichtchen hiermit schon vollendet und würde auch nicht viel Schwierigkeiten bieten; zwei derartige Wörter sind leicht zu finden und in einen Znsammhangen zu bringen. 3) Die Hauptschwierigkeit besteht bei einem fünfbuchstabigen Gedichte, die mittlere Zeile herauszusinden. Diese muß mit dem mittleren Buchstaben der ersten Zeile (3) beginnen rmd auch schließen, ferner muß der mittlere Buchstabe der zweiten Zeile (7) hier als zweiter und vierter Buchstabe figurieren und bloß der fünfte, d h. der hier zur Mitte genommene Buchstabe (9) kann wdlkürlich gewühlt werden, so daß diese mittlere Zeile vor- und rückwärts! gelesen, dasselbe geben muß. Aber auch das ist leicht zu! finden, da es in! Hebräischen Reduplikation-Stämme giebt,! die mit Sufixen hin und zurück gelesen werden können, wie! z. B. ידידי ׳כציצך 'ושנעשו• Wir wollen einige Beispiele! für die drei-, vier- und fünfbnchftabigen Gedichtchen mitteilen. חמורך א נ י ך עשר ת ש ת מ ר בגני שרש ותבתו ינגב רשע ר ם ת ש ם כ י ב א ן ברומח Der Sinn des fünfbnchstabigen Gedichtchens ist: Dein Esel wird wohl gehütet, stelle nur seinen Futterkasten hoch! wie eine Lanze auf. Man sieht, daß alle diese Gedichte noch allen Seiten zu lesen sind. Wer der Verfasser des 1 Honig-Gedichtens, ist mir unbekannt und glaube ich kaum, daß es, wie manche behaupten, der geniale Jbn-Esra gewesen, dem kasuistische Spielereien kein Lieblingsthema waren.