Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 13 (31.3.1893)
- Date
- 1893-03-31
- Page
- Seite 203 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 13. Seite 203. *>־ | f f Jl) 11 r 11 11. •<r Inhaber beider Stellen nach Ablauf von dreiJahren 100 Mk. zu erwarten baben. Die Verteilung der den beiden Rabbinern innerhalb der israelitischen Kirchengemeinde Stuttgart obliegenden Amtsgeschäfte und der ihnen von den Angehörigen dieser Gemeinde zu entrichtenden Stolgebühren ist durch ein von der Aufsichtsbehörde genehmigtes Statut geregelt. Den! Ersten Rabbiner wird nach Umständen zugleich die Stelle des theologischen Mitglieds der K. israelitischen Oberkirchenbehörde definitiv oder provisorisch übertragen werden. Mit dieser Stelle ist ein, im Falle der definitiven Ernennung pensionberechtigtes Gehalt von 1650 Mk. verbunden, neben welchem erforderlichen Falls eine nicht pensionsberechtigte Persvnalzulage von 400 Mk. gewährt werden kann. Befähigte Bewerber um die eine und um die andere von beiden Rabbinerstellen werden aufgefordert, sich unter eingehender Darlegung ihrer persönlichen Verhältnisse, ihres Bildnngsganges, ihrer Befähigung und ihrer Dienstlaufbahn binnen 4 Wochen bei der K. israelitischen Oberkirchenbehörde >zn melden. Hiebei haben die Bewerber um die Erste Rabbinerstelle sich über ihre Geneigtheit zur eventuellen Übernahme der Stelle des theologischen Mitgliedes der Israelitischen Oberkirchenbehörde Zn erklären. * Wir erhalten folgende Zuschrift: Mit Rücksicht ans die der Gabelsberger Stenographie kundigen und für diese Kunst sich interessierenden Herren Kollegen gestatte ich mir auf eine meine stenographische Thätigkeit betreffende, in Nr. 11 des ״Jeschurun" enthaltende Notiz berichtigend mitzuteilen, daß ich nicht erst ״vor einigen Tagen", sondern schon i. I. 1887 die stenographische Lehramtsprüfung vor der K. Prüfungskommission zu München bestanden habe, und daß ferner die erste ״Prüfung für künftige Lehrer der Stenographie in Württemberg" (ausschließlich Gabelsbergers System), bei welcher ich als Mitglied der Prüfungskommission (Vorsitzender und Regiernngskvmmissär Professor Dr. Erbe in Stuttgart) mitgewirkt, nicht erst stattfindet, sondern schon am 23. und 24. Febr. d. I. zu Stuttgart stattgefunden hat. N. Hühnlein in Schw.-Hall. * Wie aus Neutra gemeldet wird, fand daselbst eine Sitzung der isr. Gemeinde-Repräsentanz statt, in welcher Dr. Breuer, Rabbiner der ortodoxen Gemeinde in Frankfnrt a. M., einstimmig zum Ober-Rabbiner in Neutra aeceptiert wurde. Als Jahresgehalt wurde ihm außer freier Wohnung und Nebeneinkommen ein Fixum von 2400 Gulden bestimmt. * b Vor einiger Zeit hielt, wie im ״Jeschnrun" berichtet, Sir Julian Goldsmidt in London einen Laienvortrag in der Berkelystreet-Synagoge, in welchem er unter vielen anderen Reformvorschlägen noch den machte, daß beim Gottesdienste die Kopfbedeckung entfernt werden möge, weil die Aufbe- Haltung derselben eine orientalische Sitte sei und den Sitten und Gebräuchen der Oecidentalen nicht entspreche. Ans beiden Lagern, der Orthodoxen und Reformer, ließen sich verschiedene Stimmen vernehmen, die nichts weniger als schmeichelhaft waren. Der Chiefrabbi Dr. Adler hüllte sich in Schweigen: in der Zeitung ist wenigstens sein Standpnnkt zur Frage nicht bekannt geworden. Der Chiefrabbi der portugiesischen Gemeinde, Dr. Gaster jedoch nahm am Sabb. P. Parah das Wort und von dem Worte ״Parah ausgehend und dasselbe erklärend, wies er darauf hin, daß die Unwissenheit sehr oft geneigt sei, manch geheiligten Brauch lächerlich zu machen, ohne jedoch das Verlangen zu zeigen dem Ursprung desselben nachzuspüren. Was die Sitte des Ausbehaltens der Kopfbedeckung beim Gottesdienste betrifft, so scheinen die herrschenden Begriffe darüber sonderbarer Natur zu sein. Die eine Version nimmt an, daß der Gebrauch der Kopfbedeckung ans den östlichen Temperaturverhältnissen herrühre, und somit mit dem Leben in den westlichen Ländern inkongruent ist. Diese Annahme ist eine irrige. Die Geschichte sowohl als auch die Monumente; lehren uns, daß die alten Ägypter, Assyrer und Babylonier! ohne Kopfbedeckung ihre Gebete verrichteten. Thatsächlich > sind die Mohamedaner die Einzigen, welche die Kopfbedeckung beim Gottesdienste anfbehalten. Die Bekenner des Islam übernahmen diesen Brauch von den Juden, wie sie über- > Haupt viele andere Observanzen von uns aeceptiert haben. i Die Juden aber beten mit bedecktem Haupt aus drei Gründen; erstens, weil der Hohepriester Ahron ohne Kopfbedeckung nicht in das Allerheiligste treten durfte, da er sonst ein □מחוסר בגף lz״w Teil unbekleidet) wäre. Später waren j die Sklaven der Römer und Griechen gezwungen barhäuptig einherzugehen, weshalb die Entblößung des Hauptes als ein Zeichen der Sklaverei angesehen wurde. Da wir Inden seit dem Auszüge aus Ägypten keine Sklaven, sondern freie Männer sind, so wollen wir Gott nicht in sklavischer Demut, sondern als freie Männer voll Ergebung anbeten. Ein anderes Argument, das dritte für die Beibehalung der Kopfbedeckung beim Gottesdienste, ist die Anordnung des Gründers der christlichen Religion, welche die Kopsbedecknng bei religiösen Handlungen deshalb verbiettet, um sich dadurch von den Inden zu unterscheiden. Wahrlich Grund genug, die Hutfrage als abgethan zn betrachten! AmllikNjkltimg. Das Lied am Meere. Bon F. Laphra. Der Herr hat gerichtet, der Feind ist vernichtet — Da stieg in gewaltigem Jubel-Chor Dieser Lobgesang zn Gott empor: Dir Ewiger ertönt!nein Stieb; Denn Du bist hoch erhaben! Die Rosse und Reiter des jDharao Hast Du inr Meere begraben! Mein Sieg und Sang ist Gott, Er hat sich als Hort erwiesen — Er ist mein Gott, er sei gepriesen. Der Väter Gott, wir wurden nicht zum Spott! Der Ewige ist ein Ariegesheld! Die Magen und die Mannen schlaitg das Meer hinein; Die Edelsten versanken wie ein Stein, Von Deiner starken Hand gefällt. Deine Rechte, o Herr, ist herrlich an Araft, Deine Rechte hat den Feind hinweggerafft! Du fährst daher, die Feinde sinken nieder, Gleich dürren Stoppeln lohen seine Glieder. Vor Deinem Haupte türmten sich die Mögen Und standen aufrecht wie ein fester Mall — Das Herz des Meeres glich härtestem Krystall, Und jubelnd kam Dein Volk hindurchgezogen!