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Jeschurun · 1893-03-31 · 13 (31.3.1893) · p. Seite 200

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
13 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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Seite 200, Nr. 13. ->5 3 e f dj u r n n. hs~ ber Erzählung. Gott ähnlich sei der Mensch. Ehre sei ein Grundton seines Charakters. Ehre, Treue und Wahrhaftigkeit. Freiheit, Gleichheit, liebevolle Gerechtigkeit, Vertranen auf Gott und Verehrung des Höchsten seien das leitende Gestirn im Himmel der Erkenntnis und der That. All das und noch viel mehr lernen mir aus der Erzählung vom Auszüge Israels aus Äggypten, und das genügt, das erhabenste System der Moral darauf zu errichten. Darum haben die Weisen des Altertums so viel von dieser Episode der Geschichte zu erzählen gewußt. s*. Drei Lehrbücher für die sraelit. Volksschule. Angezeigt von Z. Tpal; Wer im Gerüche steht, pädagogische Tinte verschrieben zu haben, der muß sich darauf gefaßt machen, von irgend einem Autor um Beurteilung seiner Geisterkinder angegangen zu werden. lind da eine gewissenhafte Rezension manchnial gar kein Spaß ist, so kommts oft vor, daß dieselbe mit Widerwille und Unmut geschrieben nurd. Mir gehts nun heute doch etwas aitders. Kollege Straßburger Buchau bittet mich um Beurteilung seiner drei Schulbücher: Fibel, l. Lesetuch und Memorier und Gesangbuch und ich komme mit Vergnügen dieser Aufgabe nach. Alten Bekannten Empfehlungsbriefe zu schreiben ist immer ein Vergnügen. Und alte Bekannte von mir, traute Genossen in meiner Schulstnbe, sind die Straßburger'scheu Bücher und das, was ich über sie zu schreiben habe, ist kein verdammendes Urteil, sondern ein Empfehlungsbrief, ein Werbebrief. Wer je einmal mit dun oben bezei'chueten Trio gearbeitet hat, wer die Drei in der Praxis erprobt hat, der muß ihnen unbedingt einen Empfehlungsbrief mit auf die Weiterreise geben. Mir sind unter den gegebenen Umständen und für die gleichen Verhältnisse noch keine besseren Lehrbücher indie Hand gekommen als Straßburger's Trio. Darum rate ich meinen lieben .Lollegen im werten Reiche: Führt Straßbnrger'S Memorierbuch, Fibel und 1. Lesebuch in Euere Schulen ein, Ihr thuet damit unserer Sache, Eurer Schule und Euch selbst einen großen Gefallen! Damit aber niemand „eine .Latze im Sacke kaufe", will ich die drei Schulbücher vorführen und nacheinander besprechen. Da ist einmal das Memorier- und Gesangbuch von Straßburger. Es ist, rvie dre Vorrede sagt, aus der Praxis heraus entstanden. Im Aufträge der israelitischen Sberkircheubehörde war zwar schon lange früher ein Spruchbuch erschienen; aber es litt neben anderen Mängeln an zu großer Überfüllung. Der württembergische Normallehrplan schrieb bedeutend weniger vor, daneben verlangte er jedoch 19 religiöse Lieder. Straßburger sammelte nun die im Normallehrplan vorgeschriebenen Sprüche und Lieder, ordnete dieselben nach einheitlichen Prinzipien und verteilte sie auf die verschiedenen Schuljahre. Tiefe Verteilung ist jedoch infolge Anpassung an ben Württemberg. Normallehrplan und an andere spezifisch württembergische Verhältnisse nicht zu empfehlen. So hat z. B. bei den Sprüchen Schuljahr 4 ohne Zweifel viel zii viel Stoff, Schuljahr 6 und 7 dagegen viel zu ivenig Stoff. Doch es kanns ja jeder nach seinem Beliebeii einteilen! Im Schuljahr 1—3 bringt Straßburger Sprüche zum Beleg der biblischen Geschichte und zwar 25 kleine, meist ein-, höchstens zweizeilige Sprüche für Schuljahr 1, 30 drei- bis vierzeilige Sprüche für Schuljahr 2 und 37 drei- bis fünfzeilige Sprüche für Schuljahr 3. Diese Sprüche sind in klassischer Sprache und runder, knapper Form gehalten. Sie fassen den Lehrinhalt je einer biblischen Geschichte ganz trefflich zusammen. Zum Beleg der Religionswahrheiten wählt Straßburger ebenso herrliche als passende Sprüche aus. Die Anordnung ist die der systematischen Religionslehre; verteilt sind die Sprüche auf Schuljahr 4, 5, 6, 7. Die 10 Gebote sind dem 3 Schuljahre — also den biblischen Belegsprücheu augehängt; meines Erachtens würden sie besser an den Anfang der zweiten Hauptordnung, also, ins Schuljahr 4 verlegt. Die 19 (bezw. mehr!) religiösen Lieder, die im Straßburger'schen Buche Vorkommen, sind gemütergreifende, herrliche jüdische Poesie, vielfach Psalmnachdichtnngen. Sie feuern das Herz mächtig an und sind zur Darbietung religiöser Wahrheiten recht gut geeignet. Verschwiegen darf zwar nicht werden, daß mancheder dargebotenen Lieder für die betr. Stufe zu hoch und inhaltsschwer sind. Am schönsten sind die Festlieder. Den heiligen Schauer des Jomkippnr glaubt man herauszuhören ans dem Gedichte: Ich erhebe mein Geinüte Sehnsuchtsvoll, mein Gott, zu Dir; Ich verehre Deine Güte, O, wie teuer ist sie mir! Gott der stiebe und des stebens, Keiner harrt auf Dich vergebens, Nur Verächter Deiner Huld, Stürzet ihre eigne Schuld, — rc. lind des Lanbhüttenfestes Jubelton ruft mächtig hervor das Singt unserm Gotte Jnbellieder, Ihm, der so freundlich sich gezeigt! :c. Man mag über das Memorieren solcher Lieder denken, wie man will, man mag auch geltend machen, sie bürgern sich nicht in der Synagoge ein; das bleibt wahr: sie feuern die Jugend mächtig an, Poesie wirkt ja immer mächtiger aufs Herz als Prosa, und da diese Lieder auch mit Noten versehen itnd für den Schulgesang bestimmt sind, so dürften auch sie den Schulmännern jeder Richtung herzlich willkommen sein. Anhangsweise sind dem Memorierbuche noch bekannte, mit Noten versehene Arien, darunter auch solche biblischen Inhalts, mit altsiidischen, bekannten Melodiken, sowie eine Hilfstabelle für hebr. Grammatik beigegeben. Das Büchlein — 104 Seiten groß — kostet nur 1,20 Mk. Es hat schon die zweite Auflage erlebt. Da das religiöse Memorieren in den letzten Jahren immer mehr seinen Einzug auch in die israelitischen Schulen hält, da die Methode des Unterrichts in bibl. Geschichte und im Religionsunterricht heute abgerundete, inhaltsreiche Kernsprüche zur Kennzeichnung, Hervorhebung und Einprägung des Lehrinhalts für recht nötig hält, kann das Straßburger'sche Memorierbuch, das allen diesen Ansprüchen Rechnung trägt, nochmals recht eindringlich empfohlen werden.(Schluß folgt.) Kleine Chronik. Bürgerliche Verhältnisse. * In einer am 28. d. M. in Tilsit abgehaltenen Versammlung freisinniger Wühler wurde folgende, von Herrn Professor Dr. Thimm vocgeschlagene und verteidigte Resolution einstimmig angenommen: „Tie heutige Versammlung

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