Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 13 (31.3.1893)
- Date
- 1893-03-31
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9610650-9609441-9609459--107-9609466- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 13 Seite 199 3 e f dj u r u u. Kr gebe. Ohne Genuß wird es da nicht abgehen, man baif getrost den Umschlag öffnen, man braucht nur einig Blicke in das Büchlein zu werfen, um einem guten Gedanken, einem geistreichen Worte, einer kernigen Äußerung zu begegnen. „Weihfest und Verfassuugsfeier. Rede beim ersten nengeordmten Freitag-Abend-Gottesdienste d. 16. Dezember 1892, gehalten von Dr Ad. Jellinek. Wien, Selbstverlag." DasGroßstadteleben, welches leider so vielfach den Menschen dem Zusammenhänge mit der Religion entzieht, hat zur Einrichtung der Freitagabendpredigt Veranlassung geboten. Man muß t ie Ursachen als Thatsachen hinnehmen und es ist dankenswert genug, wenn Behörden einer Gemeinde den Übelstünden nicht unthätig gegenüberstehen, dankenswert genug, wenri sie, wie in vorliegendem Falle, zu Mitteln greifen, die ans dem Boden des religiös Gebotenen stehen und dasselbe nicht anfheben. In der vorliegenden Chanukapredigt beleuchtet der jugendlich-greise Kanzelredner das Üble, das im Streben nach Glaubenseinheit liegt, zeigt seinen Hörern, welch Unglück für die Menschheit das Schwinden Israels ans der Mitte der Völker gewesen wäre, welche Lücken die Entwicklnngsgeschichte der Menschheit dann gezeigt hätte. Welche wichtige Worte in einer Zeit, die so oft den Abfall von: Väterglanben zu einem Mittel des „Fortkommens" macht! Und wenn die Worte des sterbenden Mathatias an seine Kinder als bewegende Mächte in deren Herzeil dargestellt werden — wie notwendig und wie nligezwungen der Hinweis auf ben Familienzusammenhang, diese Grundlage des Judentums, die auch der Entfremdete in seinem Innern findet! Mit einem Male versetzt uns den Redner aus jenen grauen Zeiten in mrser Jahrhundert, in jene Kämpfe, die mit Festsetzirng der Verfassung des gleichen Rechtes für alle, ihren Abschluß fanden. Mit der Erneuerung des Gelöbnisses unverbrüchlicher Treue gegen das Halls Habsbnrg imd mit dem Gebete um dessen Wohl schließt der Redner. Versetzen Sie sich mit mir iit die Synagoge, in welcher Jelliilek spricht, denken Sie sich die dreifache Feier des Sabbatabends, des Channka u. der Verfasstingsfeier, denken Sie sich die Hörer, von denen viele dem Jndentnm völlig fern steheil — kann es da wohl etwas Wirkungsvolleres geben, als solch eine Rede? Muß nicht mancher Schwankende durch derartige Eindrücke dem Jildentume wiedergegeben werden? Rur noch eNvas Gedllld, ich kann mich von diesem greisen und rüstigen Ritter des Geistes ilvch nlcht trennen. DIESV? betitelt sich eine Jellinek'sche, in der Lippe'schen Buchhandlung erschienene hebr. Schrift. Sie enthält auf den ersten 21 Seiten das Verzeichnis von 221 Schriften über Maimunis „Jad hachasaka", nebst wichtigen geschichtlichen Nachrichten über ihre Verfasser, ihre Druckwerke ll. s. w. Darauf folgen einige Perlen mittelalterlicher jüd. Geisteswelke, z. B. ans dem Werke des Mathat!a Jizhari, der in der Verbannung sich mit den Pirke Abvt tröstet; aus Jsak Pnlgars philosophischen Schriften, auch ausdembekannten „Streitgespräch des Schriftglänbigen mit dem Denker." Nach einem Briefe aus der Zeit des Napvleonischen Winterfeldzuges folgen Gedichte ans einem Jernsalemischen Divan, und das Ganze schließt mit launigen Rätseln. Auch in diese m Schriftchen zeigt sich uns der Verfasser von einer anmutenden Seite. Er ist einer eigenen Büchersammlung mit er Liebe eines jungen Gelehrten zugethan, und in seinen Mußestunden unterbricht er feine ernsten Arbeiten mit dein Umherstöbern in den Foliailten, Qllartailten, Oktavlinb Dnodezbänden. Alle Wahrnehmungen verbinden sich ihnl zll einem Ziele: Die gottgeweihtc Thätigkeit des Jndentnms *it allen Zeiten zir zeigen. Der vielgeschmähte Rohling'sche „Adler", Mamonides — zu wieviel Dank muß ihm die Welt nicht verpflichtet sein, wenn er die Geister von so vielen Gelehrten so verschiedener Zeitalter unb Länder zur wissenschaftlichen Thätigkeit angeregt hat! Da fofgeit wir den Schritten eines Flüchtigen, er hat Vaterland, Hab lind Gut verloren — er richtet seine Seele all den Pirke Abot auf Im fernen Osten singen die Dichter feierliche Hymnen, aber auch mnutere Rätsel sind nicht verstummt in ihrer Mitte. So geht in verschiedenen Zeiteil und Läilderil für llns der belebende Funke von der Thora ans und die Thätigkeit so vieler bezieht sich wieder barnnf zurück. Ich schließe — Sie atmen erleichtert auf. Jubeln Sie nicht zu früh: Ich gehe, aber ich komme wieder! Katheder and Kliiykl. Die Weisen in Bene Berat. Bon I. M. W. Die ganze Nacht seien die Weisen in Bene Berak gesessen und haben besprochen die Erzählung vom Auszuge laus Ägypten, wird uns erzählt. Das dient dem Hagadisten znm Beweise für seine Aufstellung. „Und wer recht viel erzählt vom Auszllge alls Ägypten, der lvird gepriesen." Die Ursache dessen ist, daß diese Erzählung eine Fülle moralischer Momente bietet, die es wohl verdienen des Langen und des Breiteil besprochen zu werden. Versllchen wir einige dieser Momente hervorzuheben. Gott hält sein Wort, erfüllt sein Versprechen, was er den Vätern verheißen, erfüllt er an ben Kindern, seine Vorsehung waltet über alles. Es strebe der Mensch Gott ähnlich zll werden, als Ebeilbild seines Schöpfers besitzt er die Fähigkeit und Anlagen dazu. Treue und Wahrhaftigkeit sei der Grnndzug des menschlichen Charakters. Freiheit und Gleichheit werden im Exodus als Gottes Wille proklamiert, frei sei der Mensch uub erkenne in jedem Nebenmenschen ein gleichberechtigtes Kind des himmlischen Vaters. Die Gerechtigkeit Gottes ist offenbart im Schlltze, den er den Seinigen, den unschuldig leidendeil, geknechteten und entwürdigten Kindern Israels angedeihen läßt, die Erlösung aus Despotengewalt und die Strafe, die über Übelthüter, über König und Volk hereinbricht. Gerecht sei der Mensch, lvie Gott aus liebevoller Fürsorge für seine Geschöpfe gerecht ist, eine moralische Weltordnnng festgestellt hat. Gottes Gerechtigkeit offenbart feine Liebe. Es waltet ein allmächtiger Gott über das Weltall, der nicht nur Könige und Völker, wie mächtig sie auch sein mögen, sondern auch das ganze Reich der Natllr beherrscht, nach feinem Willen lenkt und leitet. Das ist die Stimme der Wilnder in Verbindung mit dem Exodus, es beherrscht der Geist die Materie. Diesem Allmächtigen soll und kann der Mensch vertrauen. Dieser Allmächtige, diese liebevolle gerechte Vorsehung, will geehrt und verehr sein. „Und die Ägypter sollen wissen, daß ich Gott bin " „und ich will geehrt werden von Pharao und seiner ganzen Heeresmacht" heißt es in